13.01.2021 - 17:32 Uhr
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Kostenlose FFP2-Masken für Hilfsbedürftige

Ab kommenden Montag sind in Bayern FFP2-Masken im Handel und Nahverkehr Pflicht. Nun hat Ministerpräsident Söder diese Regel präzisiert - und Hilfsbedürftigen Unterstützung zugesagt.

Der Freistaat Bayern wird über 2 Millionen FFP2 Masken für hilfsbedürftige Menschen in Bayern zur Verfügung stellen.
von Agentur DPAProfil

Der Freistaat Bayern wird über zweieinhalb Millionen FFP2-Masken für hilfsbedürftige Menschen in Bayern zur Verfügung stellen - zunächst fünf pro Person, das teilten Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Mittwoch in einer Pressekonferenz mit. Die Landesregierung reagiert damit auf vielen lautstarken Forderungen von Sozialverbänden und der Opposition. Die Masken sollen nach Worten Holetscheks möglichst bis Ende kommender Woche über die Kommunen an die Berechtigten, etwa an Hartz-IV-Empfänger, verteilt werden.

Auch werde es eine Kulanzwoche geben. Zwar gelte die FFP2-Maskenpflicht ab kommenden Montag, 18. Januar, in Bayern im Nahverkehr sowie im Einzelhandel. Strafen bei einem Verstoß soll es aber erst ab de, 25. Januar geben. Kinder bis einschließlich 14 Jahre bleiben nach Worten Söders ausgenommen. Holetschek erläuterte zudem, dass auch Schutzstandards erlaubt sein werden, die als gleichwertig zu FFP2 gelten, etwa Masken mit der Kennung KN95. Im Einzelhandel wird die FFP2-Maskenpflicht nach Worten Holetscheks lediglich für Kunden gelten, nicht aber für die Beschäftigten. Gängiger Mund-Nasen-Schutz kann Experten zufolge andere Menschen schützen, FFP2-Masken schützen - richtig benutzt - auch den Träger.

"Wo wir den Schutz verbessern können, da halten wir das für sinnvoll", sagte Söder. Die FFP2-Masken seien kein Allheilmittel, aber gegenüber "den ganzen löchrigen Schals" jedenfalls eine deutliche Verbesserung. Auch mögliche Öffnungen im Handel nach dem aktuellen Lockdown seien irgendwann dann auch mit einem besseren Gewissen zu vertreten, sagte Söder.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) argumentierte, dass man ab Februar vielleicht Dinge öffnen könne, die man ohne FFP2 nicht guten Gewissens öffnen könnte. Söder nannte allerdings keine Daten - und stellte klar, Bayern werde nur wegen der FFP2-Maskenpflicht nicht schneller öffnen als andere Bundesländer. "Das werden wir alles einheitlich machen."

Homeoffice weiter steigern

Außerdem soll die Zahl derer, die in Bayern im Homeoffice arbeiten, weiter steigen, um die Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen. "Homeoffice ist eine echte Chance und Notwendigkeit in der Pandemie", sagte Söder nach dem ersten bayerischen Homeoffice-Gipfel am Mittwoch. Söder betonte aber auch, es soll weder Gesetz noch feststehende Quoten gebe, da Homeoffice nicht an allen Arbeitsplätzen möglich sei. Söder betonte, man könne sich ein Anreizsystem vorstellen. Möglicherweise steuerliche Erlösmöglichkeiten für die Unternehmen, die Homeoffice ermöglichen.

Söder kündigte an, der Freistaat werde als größter Arbeitgeber in Bayern einen Anspruch auf Homeoffice einführen, wo immer dies möglich sei. Das gelte für rund 50 Prozent der Arbeitsplätze, sagte Söder. "Damit verbessern wir als öffentlicher Arbeitgeber noch einmal deutlich die Situation." Bei privaten Unternehmen stoße eine Quote dagegen an "ganz praktische Grenzen", betonte Söder. In einigen Produktionsabläufen würden Firmen bei einem Anspruch auf Homeoffice Probleme bekommen. Stattdessen sollen Unternehmen nun durch zusätzliche Möglichkeiten bei Steuerabschreibungen dazu bewegt werden, Arbeiten von zu Hause aus zu ermöglichen. "Das lässt sich relativ schnell und praktisch ermöglichen und ist ein echter Anreiz", sagte Söder.

Auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betonte, eine gesetzlich festgeschriebene Quote sei nicht der richtige Weg: "Homeoffice ist zu unterstützen, aber nicht mit der Brechstange." Ein Großteil der Arbeitgeber im Freistaat halte die Arbeit von zu Hause aus "von sich aus für sinnvoll", schließlich wollten die Firmen keine Infektionstreiber sein.

Experten uneins

Mehrere Experten halten die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken grundsätzlich für sinnvoll. Andere Fachleute sind skeptisch, ob die neue Regel im Kampf gegen Corona am Ende einen Unterschied macht. Auch eine FFP2-Maske schütze nur, wenn sie korrekt angelegt und verwendet werde, sagte etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Sie müsse dicht abschließen, die Außenfläche dürfe auch beim Ablegen nicht berührt werden. Korrekt verwendet biete aber eine solche Maske anders als die einfachen Einweg- und Baumwollmasken viel Eigenschutz.

Auch der Virologe Alexander Kekulé hält die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und Einzelhandel grundsätzlich für sinnvoll. "Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nasen-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird."

Es gibt aber auch skeptischere Stimmen zur FFP2-Pflicht. "Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht", sagte Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Deutschen Presse-Agentur. "Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind."

Auch der Pandemiebeauftragte des Klinikums rechts der Isar in München hält die FFP2-Maskenpflicht für problematisch. "Damit sie zusätzlichen Schutz bieten, müssen sie dicht sitzend getragen werden, was die Mehrheit der Nutzer schon mit den normalen Masken kaum schafft", gab Christoph Spinner, Oberarzt für Infektiologie zu bedenken. "Daher verspreche ich mir kaum zusätzlichen Schutz."

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