24.12.2020 - 00:01 Uhr
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So international feiert die Oberpfalz Weihnachten

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Ob ein Weihnachtskobold oder eine Hexe, die Geschenke bringt: Weihnachten im Rest der Welt sieht oft anders aus. Internationale Oberpfälzer berichten von ihrem besonderen Fest – und schrägen Sitten.

Viele Oberpfälzer haben aus ihren Heimatländern Bräuche und traditionelle Gerichte zu Weihnachten mitgebracht.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Brasilien, Italien oder Amerika: Viele Oberpfälzer haben ihre Wurzeln in anderen Teilen der Welt. Ihre Traditionen und Bräuche zu Weihnachten haben viele von ihnen mit nach Bayern gebracht. Nun erzählen sie, welches Essen am Festtag auf den Tisch kommt und wer eigentlich die Geschenke bringt.

  • Italien: Buon Natale!
Germana Giammo-Herms aus Theisseil stammt aus Sizilien: An Weihnachten gibt es bei ihrer Familie reichlich gutes Essen.

Weihnachten in Italien ist ähnlich wie in Deutschland, denn zwei Dinge spielen eine besonders wichtige Rolle: Die Familie und Essen. Auch für Germana Giammo-Herms aus Theisseil. Die Familie der 48-Jährigen stammt aus Sizilien. Viele Weihnachtsbräuche sind auch in Italien von Region zu Region unterschiedlich, sagt sie. In Sizilien gibt es zu Weihnachten viele traditionelle Gerichte. Germana erzählt von Panettone (ähnlich wie Stollen), Arancini (frittierte Reisbällchen) und Schiacciata (so etwas wie eine Calzone, eine ganze gedeckte Pizza). Besonders in Erinnerung aus ihrer Zeit in Sizilien ist Germana auch ein Essen, dass immer ihre Oma zu Weihnachten zubereitet hat: "Frittelle di natale". "Das ist ein Gebäck aus Kartoffelteig, ähnlich wie Küchl in der Oberpfalz. Es wird frittiert und dann mit Zimt und Zucker bestreut. Wir Kinder haben das geliebt."

Am 26. Dezember landen dann nur noch "Restucci" auf dem Tisch: Es gibt die Reste. Geschenke werden am 24. Dezember ausgepackt. Der Baum wird allerdings meist schon am 8. Dezember aufgestellt. Darunter werden dann bis Weihnachten die Geschenke gesammelt. "Die Vorfreude und das Warten sind ein wichtiger Teil." Doch das ist nicht die einzige Gelegenheit zu der vor allem die Kinder Geschenke bekommen: Am 6. Januar kommt traditionell "La Befana" – eine Hexe des italienischen Volksglaubens. Sie bringt den braven Kindern Geschenke und den bösen Kindern schwarze Kohle. Doch Germana verrät: "Selbst die 'schwarze Kohle' ist meist aus Zucker."

  • Brasilien: Feliz Natal!
Dayane Neudecker (22) kommt ursprünglich aus Brasilien. Ihr Highlight an Weihnachten in der Oberpfalz: Ein echter Tannenbaum.

Schnee statt Sandstrand: Weihnachten in der Oberpfalz ist anders als in Südamerika. Das musste auch Dayane Neudecker feststellen, als es sie der Liebe wegen nach Bayern verschlug. Die 22-Jährige stammt aus Brasilien, und an Weihnachten fiel das Thermometer auf der Südhalbkugel kaum unter 30 Grad. Seit zwei Jahren lebt sie nun in Amberg und freut sich besonders über eins: Einen echten Weihnachtsbaum. Echte Tannen oder Fichten sind in Brasilien nämlich rar und wenn dann sehr teuer, erklärt sie. Auch Schnee in der Vorweihnachtszeit war ein besonderes Erlebnis für sie: "Ich musste gleich meine Mama in Brasilien anrufen." Während in Brasilien oft 60 Personen und mehr an den Weihnachtsfeiertagen zusammenkommen, gemeinsam essen, singen und tanzen, fällt das Weihnachtsfest in der Oberpfalz etwas kleiner aus. Vor allem in diesem Jahr. "In Brasilien starten wir sehr früh mit den Vorbereitungen, es gibt sehr viel Essen. Reis, Bohnen, Truthahn, viele Salate."

Extra zu Weihnachten gibt es eine Nachspeise: Ein Pudding aus Zucker, Milch und Kondensmilch. Im Moment genießt Dayane zu Weihnachten das Essen ihrer Schwiegermama: "Aber wer weiß, vielleicht koche ich auch mal etwas." Auf ganz besondere Weise werden in Brasilien die Geschenke verteilt: Rund drei Wochen vor Weihnachten wird "gewichtelt". Jedes Familienmitglied lost einen Zettel mit dem Namen eines anderen und macht diesem ein Geschenk. Hier in Amberg schenken Dayane und ihr Mann aber klassisch. Dayanes Fazit zu Weihnachten in der Oberpfalz: "Ich vermisse meine Familie, aber hier ist Weihnachten auch sehr schön."

  • Iran: Krismas Piroz!
Osman Karimi aus Kurdistan freut sich über ein Weihnachtsfest in Freiheit.

Osman Karimi kam vor über zehn Jahren nach Deutschland. Zuerst lebte er in Amberg, nun in Sulzbach-Rosenberg. Der 36-Jährige stammt aus Kurdistan, einer Provinz im Iran. Seitdem hat sich für ihn viel verändert. Unter anderem änderte er sogar seine Glaubensrichtung: 2013 konvertierte er vom Islam zum Christentum. Nach einer ganz besonderen Erfahrung: Das Weihnachtsfest in einer Kirchengemeinde in Amberg beeindruckte ihn ziemlich. Danach ging er öfter auch in den Sonntagsgottesdienst. Noch heute genießt er deshalb Weihnachten im Kreise seiner neuen Kirchengemeinde. "Die Beziehung zu Jesus, das Gefühl hat sich für mich ganz schön verändert. Und jedes Weihnachten wird die Beziehung aufgefrischt." Zu Weihnachten gibt es dann deutsches Essen und kurdische Gerichte. Meistens feiert Osman im Kreise seiner Freunde und Familie.

Das Besondere für ihn an Weihnachten in der Oberpfalz: Ein Fest in Freiheit. Denn das Feiern ohne Krieg ist für ihn keine Selbstverständlichkeit. Zwar gebe es auch im Iran verschiedene Glaubensrichtungen, die nebeneinander friedlich lebten, trotzdem gebe es häufig auch religiöse Konflikte. Das Weihnachtsfest der kurdischen Christen sei ansonsten ähnlich zu dem in Deutschland: "Überall gibt es Lichter, Kerzen und Weihnachtsbäume." Auch Weihnachtslieder werden gesungen. Trotzdem ist es für Osman etwas besonderes, wenn an Weihnachten in Deutschland alle gemeinsam zur Kirche gehen und dann miteinander feiern. "Ich wünsche mir Frieden für alle und eine ruhige Zeit. Einfach keinen Krieg mehr."

  • USA: Merry Christmas!
Sean Turner lebt schon seit vielen Jahren in der Oberpfalz – ein paar Traditionen aus Amerika möchte er trotzdem übernehmen.

Socken über dem Kamin, Geschenke auspacken am 25. Dezember und ein dicker Weihnachtsmann in rotem Kostüm: Wenn Sean Turner (27) aus Amberg an die Weihnachtsfeiern in seiner Kindheit in Amerika denkt, kann er viele Klischees, die man aus amerikanischen Weihnachtsfilmen kennt, bestätigen. „Es gab auch oft einen 'christmas turkey', einen Truthahn, und wir haben Santa Claus am Abend des 24. Dezember Kekse und Milch hingestellt.“ Statt Weihnachtsplätzchen gab es oft „christmas cookies“ und „rice krispie treats“: gepuffte Reiskörner, zusammengehalten mit einer Marshmallow-Masse. Statt rund sind die Treats meist rechteckig. Bei den Weihnachten hier in der Oberpfalz mischten sich dann amerikanische und deutsche Traditionen: „Meine Mama wollte zum Beispiel, dass wir unsere Geschenke schon am 24. Dezember öffnen dürfen.

Als Hauptgang gab es dann meistens auch eher etwas deutsches: Ente oder Gans. Oft gab es dann aber noch einen amerikanischen 'christmas ham mit honey-glaze' (Schinken mit Honig-Kruste) dazu.“ Auch die Stockings – die Socken über dem Kamin – wurden in der Oberpfalz befüllt. Die Traditionen aus Amerika möchte Sean auch in Zukunft beibehalten: „Meine Wunschvorstellung ist es, eine gute Mischung hinzukriegen. Und sollte ich irgendwann einmal Kinder haben, möchte ich die Bräuche auch weitergeben.“ Auf einen Brauch, oder besser gesagt ein traditionelles amerikanisches Essen, kann Sean aber verzichten: „candied yams“. Süßkartoffeln mit Butter und braunem Zucker, überbacken mit Marshmallows. „Wir Kinder fanden das furchtbar. Nur mein Dad hat das gemocht.“

  • Norwegen: God Jul!
Kari Anne List fühlt sich ihrer norwegischen Familie an Weihnachten immer ein wenig näher: Es gibt viele traditionelle Gerichte und Bräuche.

Jeder Jahr zu Weihnachten holt sich Kari Anne List aus Ensdorf ein Stück Norwegen in die Oberpfalz: Mit Bräuchen und traditionellen Gerichten fühlt sie sich ihrer Familie und der nordischen Heimat ein wenig näher. Am 24. Dezember – dem Haupt-Feiertag in Norwegen – wird den ganzen Tag das "Julebord" (das Weihnachtsessen) zubereitet. Dabei darf die "Juleribbe", ein Rippenstück vom Schwein mit knusprig gebratener Schwarte, auf keinen Fall fehlen. Dazu gibt es selbstgemachten Weiß- oder Rotkohl, Preiselbeeren und Fleischküchlein. "Wenn sich im ganzen Haus langsam die Düfte verbreiten, weiß man: Jetzt ist bald Weihnachten." Geschenke bringt nach dem Essen dann "Julenissen" – ein Weihnachtskobold. "Der Legende nach, ist Julenissen ein Stallkobold, der auf Haus und Hof aufpasst." An Weihnachten sollte sich jeder gut mit ihm stellen, sonst spielt er der Familie einen Streich. Um ihn zu besänftigen, stellt man eine Schüssel Milchreis hin.

Auch zur Mittagszeit am 24. Dezember wird Milchreis gegessen: "In der großen Schüssel ist eine Mandel versteckt und wer sie auf seinem Teller findet, bekommt ein kleines Geschenk. Häufig ist das ein Marzipanschwein." Nach der Bescherung am Abend ziehen die Familien dann Hand in Hand um den Tannenbaum. "Das klingt ein wenig seltsam, ist aber ein schöner alter Brauch. Dabei werden die guten alten Weihnachtslieder gesungen." Kurios: Am Tag vor Weihnachten, dem "Lille Julaften" (kleiner Heiligabend) wird in Norwegen "Dinner for One" geschaut – in Deutschland ein Silvesterklassiker. Vor Weihnachten gibt es noch mehr Rituale: Als Adventskalender dient schon mal eine Orange mit 24 Nelken. Jeden Tag bis Heiligabend wird eine entfernt. Um etwas Licht in dunkle norwegische Winter zu bringen, gibt es am 13. Dezember das Luciafest. Mit Lichterkranz am Kopf zieht ein Luciamädchen in weißem Gewand durch Schulen und Kindergärten.

Ohne kleine Kinder feiert die Familie von Kari Anne das Luciafest eigentlich nicht mehr. "Dafür nehmen wir den deutschen Nikolaus gerne mit." Überhaupt würden norwegische und oberpfälzische Bräuche zu Weihnachten in der Familie verschmelzen. "In Deutschland mag ich die Weihnachtsmärkte total gern", verrät Kari Anne. Außerdem gibt es immer deutsche Plätzchen und norwegisches Gebäck. "Wir suchen uns einfach das Beste aus beiden Traditionen heraus."

Fragen und Antworten rund um das Coronavirus und Geschenke

Weiden in der Oberpfalz

So sah Weihnachten in Amberg früher aus

Amberg
Wer bringt die Geschenke? :
  • Italien: La Befana
  • Brasilien: Papai Noel
  • Iran: Baba Noel
  • Norwegen: Julenissen
  • USA: Santa Claus
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