München. (jum) Die Staatsregierung sieht keine realistische Möglichkeit, die zunehmende Verlandung der Seen im bayerischen Voralpenland aufzuhalten. "Das ist ein natürlicher Prozess, das kann man nicht verhindern, nur verzögern", erklärte der im Umweltministerium zuständige Wasserbauexperte Wolf-Dieter Rogowsky im Umweltausschuss des Landtags. "Langfristig werden die Voralpenseen verschwinden." Bei einem Jahreseintrag von 300 000 Kubikmetern Schwebstoffen und 30 000 Kubikmetern Gestein und Geröll allein aus der Tiroler Achen werde zum Beispiel der Chiemsee rechnerisch in 7000 Jahren vollständig verlandet sein. Eine Vorstellung der Entwicklung zeige der Simssee östlich von Rosenheim, der einmal so groß wie der Bodensee gewesen sei, veranschaulichte Rogowsky.
Verlandungstendenzen zeigten sich aber nicht nur am Chiemsee, wo zuletzt die immer seichtere Zufahrt zum Yachthafen von Prien für Schlagzeilen gesorgt habe. Rogowsky verwies auch auf den Tegernsee, an dem an einigen Stellen Badebuchten verlandeten. Am Sylvensteinspeicher, der der Hochwasserregulierung an der Isar dient, sorge der Eintrag von Geröll und Sedimenten für ein allmähliches Absinken des Speichervolumens. Probleme gibt es laut Rogowsky aber nicht nur im Alpenraum. So habe der Wöhrder See in Nürnberg saniert werden müssen, weil sich dort durch Ablagerungen übel riechende Faulschlämme gebildet hätten.
Der Eintrag von Material in die Seen lasse sich nicht stoppen, durch verschiedene Maßnahmen aber reduzieren, berichtete Rogowsky. Als Beispiele nannte er Wildbachverbauungen, die Vermeidung von Bodenerosion in der Landwirtschaft sowie die Ausbaggerung von Kies als Baumaterial. Zudem könne schadstofffreier Aushub auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. Übergeordnetes Ziel sei es, bestehende Nutzungen an und in den Seen durch punktuelle Maßnahmen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.















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