06.09.2019 - 11:53 Uhr
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Düstere Aussichten: Friedrich Ani über seinen neuen Roman

Friedrich Ani holt für sein aktuelles Buch seine alten Kommissare zurück. Und auch diesmal begleitet er die Suche nach den Tätern mit scharfem Blick auf die tiefen Wunden einer Gesellschaft mit düsteren Aussichten. Ein Interview.

Friedrich Ani
von Anke SchäferProfil

Zwei verstörende Morde rufen Polonius Fischer, den ehemaligen Mönch, Tabor Süden, den wieder aufgetauchten Verschwundenenermittler und Jakob Franck, den pensionierten Kommissar, auf den Plan. Zum Quartett werden die drei vertrauten Ani-Protagonisten durch die Neue, Fariza Nasri, eine aus der Provinz zurückkgekehrte Ermittlerin mit syrischem Hintergrund. Und auch diesmal begleitet Friedrich Ani die verwickelte Suche nach den Tätern mit scharfem Blick auf die tiefen Wunden einer Gesellschaft mit düsteren Aussichten . Ein Interview.

ONETZ: Herr Ani, in unserem letzten Interview im Dezember 2018 haben Sie das Wiedersehen mit Tabor Süden bereits angekündigt. Wann hatten Sie die Idee, daraus ein Gipfeltreffen mit Ihren beiden anderen Helden Jakob Franck und Polonius Fischer zu machen?

Friedrich Ani: Für mich stand fest, dass ich, sollte ich die Figur Süden noch einmal auf die Bühne holen, auch den anderen Kommissaren einen Auftritt verschaffen musste. Das ist eine alte Idee von mir: meine Hauptfiguren einmal gemeinsam in einen Fall zu verwickeln und zu beobachten, was passiert, wenn die drei eigenwilligen Herren aufeinandertreffen.

ONETZ: Neu dazu stößt Ermittlerin Fariza Nasri. Warum war die Zeit gerade jetzt reif für weiblichen Zuwachs Ihres kriminalistischen Stammpersonals?

Beim Entwickeln der Geschichte für „All die unbewohnten Zimmer“ stellte ich fest, dass ich mit den drei Kommissaren allein nicht weiterkam. Ich brauchte eine vierte Figur. Zuerst dachte ich einen ominösen Ich-Erzähler, dessen Identität nie geklärt wird. Dann begriff ich, dass nur eine weibliche Figur die perfekte Ergänzung für das Trio darstellen könnte. So kam ich zu Fariza Nasri, die, wie ich, einen syrischen Vater hat und in der Nähe von München aufwuchs. Fariza wurde zum Angelpunkt des gesamten Romans.

ONETZ: Wo haben Sie den roten Faden gefunden, der das Schicksal syrischer Flüchtlinge, den um sich greifenden Rechtsradikalismus und die nach wie vor tiefen Gräben zwischen Ost- und Westdeutschland zu einem spannenden Kriminalroman verbindet?

Der Rote Faden war eindeutig die Figur Fariza Nasri mit ihrer Biografie und ihren Schicksalsschlägen. Als ich sie etabliert hatte, fiel mir die Konstruktion der Geschichte fast leicht.

ONETZ: Auch dieser Plot ist mehrschichtig und komplex - entwerfen Sie dafür gleich zu Beginn eine drehbuchähnliche Übersicht oder lassen Sie den Ideen erst mal freien Lauf?

Ich beschäftige mich intensiv mit der Biografie meiner Figuren, ihrem Umfeld, ihren Geheimnissen oder Ticks. Aus der Welt der Figuren entsteht die übrige Welt.

ONETZ: Sie veröffentlichen Ihre Romane in regelmäßigem Rhythmus. Erfordert das festgelegte, tägliche Schreibstunden oder bleibt auch Luft für spontane Auszeiten?

Gewöhnlich arbeite ich vormittags, von etwa acht Uhr an, meist bis in den Nachmittag hinein. Was nicht bedeutet, dass ich die ganze Zeit schreibe. Oft schaffe ich bis mittags keine zwei Seiten. Ich habe gelernt, nicht wegzulaufen, sondern auszuharren, auf die Stimmen der Figuren zu warten. Manchmal lassen sie mich übel zappeln …

ONETZ: Und wenn Sie gerade mal nicht schreiben, womit verbringen Sie dann eigentlich am liebsten Ihre Zeit?

Ich lese immer noch viel, ich schaue Serien im Fernsehen, ich besichtige gastronomische Betriebe, und ein oder zwei Mal im Jahr muss ich an die Nordsee fahren, um ins Offene zu schauen.

ONETZ: Und die unvermeidliche Frage zum Schluss: Wird es weitergehen mit dem Ermittler-Quartett oder schlagen die Protagonisten wieder eigene Wege ein?

Diese Frage kann ich im Moment nicht klar beantworten. Die Tendenz ist aber eher, dass ich kein Buch mit dem Quartett mehr schreiben werde, sondern möglicherweise eines mit Fariza Nasri als Protagonistin. Mal abwarten …

Info:

Der Roman "All die unbewohnten Zimmer", gebunden, 494 Seiten, ist im Suhrkamp Verlag erschienen und kostet 22 Euro.

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