Margit Wild wollte es genau wissen. Um herauszufinden, was es kostet, einen Erstklässler mit dem nötigen Schulbedarf einzudecken, ist die SPD-Abgeordnete aus Regensburg in ein Kaufhaus gegangen und hat eingekauft: Schulranzen und Schultüte, Federmäppchen und Stifte, Malkasten und Malblock, Hefte und Umschläge, Schere und Kleber, Brotzeitbox und Trinkflasche. "Ich bin sparsam gewesen", erzählt Wild nun bei einer Pressekonferenz im Landtag. Sie habe, wo möglich, reduzierte Ware genommen und am Ende noch das Glück gehabt, dass das Kaufhaus per Sonderaktion 20 Prozent Rabatt auf alles gewährt habe.
Trotzdem sind 150 Euro zusammengekommen. Dabei hat Wild nicht einmal Turnkleidung und -schuhe oder die zusätzlichen Übungshefte für Mathe und Deutsch eingekauft, die die meisten Schulen als Ergänzung zu den kostenlosen Schulbüchern verlangen. Dafür und anderen Kleinkram seien noch einmal um die 150 Euro fällig, weiß Wilds Kollegin Simone Strohmayr aus eigener Erfahrung als Mutter. Wer keine reduzierte Schultasche bekomme und nicht von Rabatten profitiere, sei schnell mit mindestens einem weiteren Hunderter dabei. "300 bis 500 Euro für den Schuleinstieg, danach rund 100 Euro pro neuem Schuljahr: Das kann sich nicht jeder leisten, das Leben ist für viele Menschen derzeit teuer genug", bilanziert Wild.
Gleiche Chancen für alle
Die SPD fordert deshalb einmal mehr, die in Bayern bislang vor allem auf die Schulbücher begrenzte Lernmittelfreiheit auszuweiten. "Wir wollen, dass alle Kinder gleiche Chancen auf eine gute Schullaufbahn haben, auch wenn ihre Eltern nicht zu den Gutverdienern zählen", erklärt Strohmayr. Bildung dürfe "kein Luxusgut" sein, ergänzt Wild. Mit einem Antrag will die SPD daher die Kostenfreiheit zumindest für die zusätzlichen Lern- und Arbeitshefte sowie die an der Schule kopierten Arbeitsblätter durchsetzen. In mehreren anderen Bundesländern sei das längst Standard, verweist Strohmayr unter anderem auf die Nachbarn in Baden-Württemberg und Thüringen. Hier könne Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mal für die konkrete Entlastung bayerischer Eltern sorgen.
Schulzeug als Spende
Für die Anschaffung der übrigen Utensilien wünscht sich Strohmayr mehr staatliche Hilfe für Vereine, die Kinder aus einkommensschwachen Familien beim Besorgen des Schulzeugs unterstützen. Denen, so weiß Strohmayr aus Gesprächen, werde Jahr für Jahr mehr die Bude eingerannt. Einem solchen Verein will Wild auch ihren Testeinkauf spenden.
Strohmayr hat aber noch eine weitere Forderung: Die Lernmittelfreiheit für digitale Endgeräte und Programme. Schule werde schließlich immer digitaler. Dem müsse der Staat Rechnung tragen, indem er dauerhaft allen Schülerinnen und Schülern Laptops oder Tablets zur Verfügung stelle. Gerade hier drohe sonst eine eklatante Benachteiligung von Kindern aus einkommensschwachen Familien.













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