23.12.2020 - 00:30 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Positive VLAB-Bilanz: Gutes Jahr für Habichtskauz-Projekt

Es gibt auch positive Jahresberichte für 2020. Beim Habichtskauz-Projekt des VLAB zum Beispiel. Die Rückkehr des Eulenvogels in seine angestammte Heimat nimmt Gestalt an. Und die Fachwelt verfolgt das Projekt genau.

Die Rückkehr des Habichtskauz: Nach der Reise schaut das kleine Kerlchen etwas verdutzt aus.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Gab es in diesem Jahr erstmals seit fast 100 Jahren eine Habichtskauz-Brut in der Oberpfalz? "Wir haben keine Beweise, aber alle Anzeichen sprechen dafür", sagt Johannes Bradtka. Nicht nur deshalb zieht der Vorsitzendes des Vereins für Landschaftspfelge und Artenschutz in Bayern (VLAB) eine positive Jahresbilanz für das Habichtskauz-Projekt des einzigen bundesweit anerkannte Umwelt- und Naturschutzverein mit Sitz in der Oberpfalz. Elf junge Eulen habe der Verein im Frühsommer ausgewildert. "So viele wie noch nie." Seit 2017 waren es insgesamt 29 Tiere aus verschiedenen Zoos und Zuchtstellen.

Allem Anschein nach gefällt es den Tieren in der Region zwischen Hessenreuther Wald, Steinwald und Fichtelgebirge, wo die Tiere auch 2020 in drei Volieren an die neue Umgebung gewöhnt und anschließend in die Freiheit entlassen wurden. "Wir können sagen, dass die Vögel in der Region bleiben", sagt Bradtka. Dies sei wichtig, schließlich ist es das Ziel der Aktion, eine stabile und unabhängige Population nach Nordostbayern zurückzuholen. Und erstmals gibt es eben auch Anzeichen, dass die ausgewilderten Tiere selbst einen Beitrag dazu geleistet haben. Dass es mindestens ein Revier mit standorttreuen Vögeln gibt, hatte sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet. In diesem Jahr ließen sich nun immer wieder Tiere zur Mittagszeit bei der Jagd beobachten. So etwas machen die nachtaktiven Vögel normalerweise nur, wenn sie mehrer Mäuler zu versorgen haben.

Den Beweis dafür muss der VLAB allerdings schuldig bleiben. "Auch weil die Fortsbetriebe in der Region ihre Wälder immer naturnäher bewirtschaften, gibt es inzwischen sehr viele natürliche Brutmöglichkeiten für die Vögel", erklärt der Forstwirt. Immer mehr Totholz bleibe im Wald stehen und bietet Unterschlupf. Dazu kommen viele Nistkästen, die der Verein und seine Unterstützer anbieten. "Da ist es einfach nicht möglich, diesen einen Brutplatz zu finden."

Der Habichtskauz im Video

Schon 2021 könnte moderne Technik dies trotzdem erlauben. Schon länger plant der Verein, die Tiere vor der Auswilderung mit Sendern zu versehen, um sie ihr Verhalten nach dem Freilassen beobachten zu können. Das nötige Geld für die teure Telemetrie sei dank vieler Spenden beisammen. Wegen Corona war das aufwändige Genehmigungsverfahren in diesem Jahr nicht rechtzeitig abzuschließen. Bis zum Frühjahr 2021 könnte es nun klappen.

Schon heute zeichnet sich zudem ab, dass dann wohl auch eine zusätzliche Voliere nötig wird. Das Interesse am Projekt wächst. Nachdem in diesem Jahr bereits Tiere aus zwei französischen Zoos ausgewildert wurden, könnten im kommenden Jahr auch Käuze aus Zürich und Ostrava in der Slowakei hinzukommen. Von dort habe der VLAB Angebote erhalten. Und auch mit den bisherigen Partnern wie dem Opel-Zoo im Taunus, dem Nationalpark Bayerischer Wald oder dem Tierpark in Gotha Harz wird es weiter gehen. Besonders froh ist Bradtka, dass sich auch der Tiergarten in Nürnberg beteiligt. "Das ist der Zoo unserer Metropolreigon", sagt Bradtka. Zudem gelang es dort 1965 erstmals die Nachzucht von Habichtskäuzen. Zudem ist Bradtka für die Unterstützung des Bayerischen Staatsforst und der Heinz-Sielmann-Stiftung dankbar. So kann auch 2021 ein erfolgreiches Habichtskauz-Jahr in Ostbayern werden.

Kauzpate werden

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Hintergrund :

Der Habichtskauz

  • Wissenschaftlicher Name: Strix uralensis
  • Größe bis 60 Zentimeter, Spannweite bis 120 Zentimeter.
  • Nahrung: Kleinvögel, Mäuse, Frösche, Insekten
  • Lebensraum: lockere Mischwälder
  • Maximales Alter im Zoo: 30 Jahre
  • 1926 soll der letzte wildebende Kauz der Region geschossen worden sein.
  • Seit 2017 kümmert sich der VLAB um eine Wideransiedelung in der Region

 

 

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