28.01.2020 - 15:02 Uhr
FlossenbürgDeutschland & Welt

Steinbruch-Pächter gegen Gedenkstätten-Pläne

Wolfgang Baumann, der Inhaber der gleichnamigen Granitwerke in Flossenbürg, ist enttäuscht: von Ministerpräsident Söder, von KZ-Gedenkstättenleiter Skriebeleit, vom Petitionsausschuss des Landtags, vom früheren Minister Spaenle.

Der Granitabbau des zum ehemaligen KZ Flossenbürg gehörenden Steinbruchs am Wurmstein soll 2024 beendet werden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil
Wolfgang Baumann würde gerne weiter als bis 2024 den Wurmstein-Steinbruch betreiben.

Hintergrund ist das vom bayerischen Kabinett vorgestellte Gesamtkonzept für Erinnerungskultur in den kommenden zehn Jahren. Es sieht vor, dass Baumanns Pachtvertrag am Steinbruch am Wurmstein in Flossenbürg 2024 nicht verlängert wird. Große Teile des 20 Hektar großen Areals sollen stattdessen Teil der KZ-Gedenkstätte werden.

Arbeitsplätze im Feuer

"Der Ministerpräsident hat 2018 erklärt, dass er davon ausgeht, dass die richtige Balance zwischen Steinbruch und Gedenkstätte gefunden wird. Davon wurde nichts umgesetzt, geschweige denn mit uns ein Gespräch geführt," beklagt Baumann. Es gehe aber um Arbeitsplätze für 25 Mitarbeiter und die Existenz der Firma. Die Jobs in zwei Nachbarbrüche zu verlagern, die ihm ebenfalls gehören, hält Baumann für nicht praktikabel. 90 Prozent der Nachfrage beziehe sich auf den Wurmstein-Granit, dessen "technische Eigenschaften" hervorragend seien. Deswegen sei auch nur dieses Material bei der Sanierung der Steinernen Brücke in Regensburg zum Einsatz gekommen.

Baumann wundert sich ferner, dass Skriebeleit vor zwei bis drei Jahren erklärt habe, seine Einrichtung habe kein Interesse an dem Bruch als solchem, da die Topographie dort mittlerweile eine völlig andere sei als direkt nach dem Krieg, weil dort weiter Steine abgebaut wurden. "Stattdessen wird ganz offensichtlich Druck auf die Gemeinde ausgeübt." Entweder sie halte am Steinbruch fest oder sie riskiere eine Investition von 30 bis 40 Millionen Euro in die Erweiterung der Gedenkstätte.

Er sei überhaupt nicht gegen die Gedenkstättenarbeit auf dem Gelände, versichert der Unternehmer, der im Raum Weiden dafür bekannt ist, Firmen aus der Insolvenz herauszukaufen und wieder flott zu machen. So habe er es unterstützt, eine Aussichtsplattform zum Steinbruch auszubauen, wo bei Führungen die Zwangsarbeit der Häftlinge erklärt wird.

Die berühmte Häftlingstreppe, Symbol des Leidenswegs der Gefangenen im Konzentrationslager, habe seine Mannschaft gar nicht genutzt. "Die hätte man vor zehn Jahren schon in die Gedenkstättenarbeit einbeziehen können."

Baumanns Verdacht: Im Landtag und der Staatsregierung orientiere man sich an "falschen und unwahren Behauptungen eines Stefan Krapf". Der Flossenbürger Krapf setzt sich seit langem dafür ein, den Steinbruch stillzulegen, weil Baumanns Arbeit dem Andenken an die Häftlinge entgegenstehe. Baumann kritisiert in diesem Zusammenhang vor allem Ludwig Spaenle (CSU) und die Grünen-Abgeordnete Verena Osgyan. Beide stünden Krapfs Position nahe, ohne mit Baumann den Kontakt gesucht zu haben.

Der Steinbruch-Betreiber argumentiert seinerseits mit geologischen Gutachten und "Fachleuten", die zeigten, wie moderne Museumskultur und ein weiter laufender Steinbruch-Betrieb zu vereinbaren seien. Wer sich dahinter verbirgt, sagt Baumann allerdings nicht.

Er favorisiere ein Konzept, dass Anfang 2018 zwei Beamte des Finanzministeriums vor Ort ausgearbeitet hätten. Es sieht keine dauerhaften Führungen in den Steinbruch hinein vor, sondern über den bestehenden Verbindungsweg zur Besucherplattform.

Termin mit Minister in Aussicht

Auf die Frage, was er machen könne, wenn sein Pachtvertrag mit dem Freistaat 2024 ausläuft und der Eigentümer den Steinbruch anderweitig vergibt, entgegnet Baumann, er habe die "Inaussichtstellung auf Verlängerung schriftlich". Will er klagen? "Darüber will ich nicht diskutieren, es ist besser in Gesprächen Lösungen zu finden."

Dazu besteht vielleicht schon sehr bald die Gelegenheit, teilt CSU-Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger mit, der zwischen Gemeinde, Gedenkstätte, Stiftung und Unternehmen vermittelt. Das Kultusministerium habe ihm einen Termin für einen Dialog zwischen Minister Michael Piazolo und Wolfgang Baumann in zwei bis drei Wochen in München signalisiert.

Flossenbürg

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.