Fragiles Gewebe

Anna Wheill erzählt in „Alles, was du angerichtet“ eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Leise und mit subtilem Humor beschreibt Anna Wheill in ihrem Buch das System einer ganz besonderen Familie.
von Anke SchäferProfil
Buchcover

Familientreffen zu Weihnachten bergen immer allerlei emotionalen Sprengstoff. Auch bei den vier Schwestern Adda, Agnes, Adelheid und Alice in Anna Wheills sensibel erzählter Geschichte klaffen die Sehnsucht nach Vergangenheit, die unausgesprochenen Wünsche und die aktuelle Realität weit auseinander. Ein Interview.

ONETZ: Frau Wheill, Malen und Schreiben geht bei Ihnen Hand in Hand. Gehört für Sie beides untrennbar zusammen?

Anna Wheill: Zeichnen und Schreiben fließen bei mir tatsächlich aus einer Hand, und das Zeichnen ist immer hilfreich für das Schreiben, als sei es eine Vorstufe, und manchmal ist es eben am Beginn nur ein Gekritzel und entwickelt sich mit den Gedanken darüber zu einem Gewebe.

ONETZ: Ihre Grafiken ergänzen auch den neuen Erzählband „Alles, was du angerichtet“. Hat sich die Geschichte aus den Bildern entwickelt oder umgekehrt?

Ein Gewebe sind auch die Texte, und wie man sieht, reißen auch die Texte an manchen Stellen, wo Reden nicht angebracht oder nicht möglich ist, und diese Grafiken sind dann wie ein Flicken, der an der verletzten Stelle eingesetzt werden kann. Eine Art Kunststopferei.

ONETZ: Vier Schwestern, deren Namen alle mit A beginnen, prallen zu Weihnachten im Elternhaus mit ihren grundverschiedenen Lebensentwürfen aufeinander. Was prädestiniert das vermeintliche Fest der Liebe für einen solchen Versuchsaufbau?

Das vermeintliche Fest der Liebe ist eben mit Liebe überlastet. Da ich selbst mit dem Weihnachts-Virus in keiner Weise infiziert bin, beobachte ich mit Staunen, was da wochenlang angestellt wird, um Liebe zu produzieren. Dabei, und das könnten wir von den Alten lernen, deshalb tauchen sie auch auf in diesem Text, ist die Voraussetzung für den Glanz die Dunkelheit und für den Genuss das Fasten.

ONETZ: Hatten Sie im Schreibprozess besondere Sympathien für eine der Protagonistinnen oder haben Sie alle mit der gleichen Distanz betrachtet?

Ich könnte nicht sagen, dass ich eine der Schwestern mit besonderer Sympathie ausgestattet habe. So eine Geschichte läuft hinter meinen Augen ab wie ein innerer Film. Auch die Schwestern und ihre Bemühungen bilden ein System, das sich fortwährend mit der geringsten Aktion verändert. Adda, weil alles sich in ihrem Haus abspielt, ist sicher die zentrale Figur.

ONETZ: Ist Ihre Erzählung auch ein Anstoß, eingefahrene Sprachlosigkeiten zu überwinden und mehr aufeinander zu hören?

Meine Erzählung verfolgt keine Absicht. Sie erzählt nur.

Info:

Service

„Alles, was du angerichtet“ von Anna Wheill, eine Erzählung mit Grafiken von Anna Wheill, Klappenbroschur, 96 Seiten, ist am 4. November in der edition lichtung erschienen und kostet 11,90 Euro.

Info:

Zur Person

Anna Wheill lebt und arbeitet als Künstlerin und Schriftstellerin in Regen. Sie studierte Italianistik in München und Florenz, arbeitete an verschiedenen Theatern, übersetzt aus dem Italienischen, Englischen und Französischen, schreibt Prosa und Lyrik. Ihr künstlerisches Werk umfasst vor allem Grafiken.

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