16.08.2018 - 16:10 Uhr
FreihungDeutschland & Welt

Spielraum für beflügelte Improvisationen

"Boogielicious" bringen die Kulturscheune Elbart auf den musikalischen Geschmack

Die "Boogielicious"-Kernformation Eeco Rijken Rapp (links) und David Herzel begeisterten mit ihrem zweiten Gastspiel in der Kulturscheune Elbart.
von Anke SchäferProfil

Live-Musik und laue Sommerabende sind immer eine ideale Kombination. Nur zu schwer darf die gebotene Kost nicht ausfallen, aber da besteht beim umjubelten, zweiten Gastspiel von „Boogielicious“ in der Kulturscheune Elbart überhaupt keine Gefahr.

Inspiriert vom leichtfüßigen Lebensgefühl der namensgebenden Musikrichtung, füllen der Niederländer Eeco Rijken Rapp (Piano, Gesang) und der Bielefelder David Herzel (Percussion) die beiden Scheunen-Stockwerke aus dem Stand mit unwiderstehlichem Schwung und Rhythmus, der nicht einmal dem kleinsten Bisschen schlechte Laune oder Griesgrämigkeit eine Chance lässt.

Das ist umso beachtlicher, als ja gerade solch scheinbar mühelose Leichtigkeit zu den größten Herausforderungen des musikalischen Handwerks gehört. Bei „Boogielicious“ hört man jedoch vom ersten Takt an, dass beide Musiker ihre Instrumente exzellent beherrschen und somit genügend Spielraum haben für autonome Auslegungen der Standards und beflügelte Improvisationen.

Ein Beispiel: George Gershwins gerade dieser Tage gerne strapaziertes „Summertime“. Zwar widmen auch Rapp und Herzel den Klassiker dem außergewöhnlichen, „herrlichen Sommer“, lassen aber anschließend sämtliche Hitzewallungen außen vor und präsentieren stattdessen eine puristisch erfrischte Version, die direkt aus dem Kühlschrank zu kommen scheint.

Für die heiße Komponente sorgen an diesem Abend verschiedene Boogie Woogie-, Blues und sonstige Jazzadaptionen, ohne die diese Stilrichtung wohl nicht ihren Siegeszug um die Welt hätte antreten können. Dass die „Boogielicious“-Kernformation dabei auch wie Größen Lionel Hampton und Fats Waller sowie der „Barrelhouse“-Tradition und den „House-Rent-Partys“ ihre Referenz erweist, ist Ehrensache.

Während Herzel seine Schlagwerke feinsinnig und mit bemerkenswertem Mut zur Zurückhaltung in Schwung hält, muss man sich um den herausragenden Pianisten Rapp bisweilen Sorgen machen: Dieser Mann am Klavier trillert, trillert und trillert mit einer unermüdlichen Leichtigkeit, ohne scheinbar je enden zu wollen. Tut er dann aber doch, nachdem der Kollege schon mit dem spontan zweckentfremdeten Becken Luft zugefächelt hat.

Die Gäste in Elbart wissen das feine Angebot auch deshalb besonders zu schätzen, weil die beiden Musiker nie plump Boogie Woogie an Boogie Woogie reihen. „Boogielicious“ dehnen lieber die Grenzen ihres namensgebenden Genres in die Fülle der benachbarten Stile aus.

Nachdem sie den abschließenden „Midnight Blues“ aber doch nicht wie angekündigt bis zur Geisterstunde durchziehen wollen, sorgen die Zugaben „When the saints go marching in“ und „Shake, rattle and roll“ für den ersehnten, deliziösen Nachschlag zum höchst bekömmlichen Hauptgang.

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