04.04.2019 - 17:50 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Besprechung zum Schießlärm gibt Bürgermeistern Hoffnung

Keine klaren Ergebnisse, keine Zusagen. Und doch: Nach der Info-Runde zum Schießlärm in Grafenwöhr am Mittwoch sind auch die Kritiker der US-Armee positiver gestimmt.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Gute Gespräche, gute Atmosphäre, alle Seiten bemüht: Was Joachim Neuß am Donnerstag über das Treffen zum Thema Schießlärm in Grafenwöhr vom Vortag sagt, klingt erst ein wenig nach Politiker-Phrasen. Wenn man aber weiß, wie sich Auerbachs Bürgermeister in den Monaten davor zu dem Thema geäußert hat, sind seine Aussagen tatsächlich bemerkenswert.

Bundeswehr informiert über Schießlärm-Messungen

Auerbach

Anders als in den vergangenen Wochen spricht Neuß am Donnerstag nicht mehr von "Lärmterror" oder von bewusster Steuerverschwendung durch gefakte Lärmmessungen. "Vor der Besprechung habe ich tatsächlich nicht mehr an Zufälle geglaubt", sagt Neuß etwa darüber, dass die Messungen immer dann stattfanden, wenn es rund um die Schießbahn 213 nahe dem Auerbacher Ortsteil Zogenreuth vergleichsweise ruhig war. "Nach der Besprechung habe ich meine Meinung geändert." Etwa 40 Teilnehmer saßen am Mittwoch in Grafenwöhr zusammen, Vertreter der Bundeswehr, der Anliegergemeinden, der beiden Anlieger-Landkreise, Regierungspräsident Axel Bartelt waren vor Ort, genau wie Vertreter der bayerischen Staatskanzlei. Und auch die US-Armee habe Teilnehmer entsandt. Allen habe er abgenommen, sich für die Sicht der anderen zu interessieren, sich in deren Lage zu versetzen - auch den Amerikanern.

Das bestätigt Pressaths Bürgermeister Werner Walberer. "Es ging allen darum, ins Gespräch zu kommen und Wege zur Lösung zu finden." Beide Bürgermeister begrüßen auch den Vorschlag des Regierungspräsidenten, das Treffen künftig jährlich stattfinden zu lassen. "Der persönliche Kontakt ist bei diesem Thema einfach wichtig. Es ist etwas anderes, ob ich alles auf dem Postweg klären muss oder im direkten Gespräch", sagt Walberer. Dem stimmt Neuß zu: "Ich habe einige neue Handynummern von Ansprechpartnern."

Auch sein Verständnis für die Nöte der übenden Truppen habe sich verbessert. "Die Nato-Armeen können weltweit eben nur hier gemeinsam mit den Amerikanern üben." Auch Walberer wirbt um Verständnis und verweist auf den Wirtschaftsfaktor, den die Amerikaner für die gesamte Region darstellen. "Man muss eben einen Mittelweg finden, mit dem alle Seiten leben können."

Die Messzahlen zur Lärmbelastung, auf die alle Beteiligten und vor allem die Anwohner seit mehreren Monaten gewartet haben, spielten laut Neuß und Walberer bei dem Treffen kaum eine Rolle. "Ja, es sind Zahlen vorgestellt worden, auch welche, die bis an die Grenzwerte herangereicht haben", sagt Neuß. Doch im Mittelpunkt standen die Messungen nicht. Auerbachs Bürgermeister stört das nicht. Wichtiger sei, dass alle Stellen anerkannt haben, dass niemand einschätzen kann, wie der Lärm in Auerbach wirkt, als eben die Auerbacher selbst.

Auch am Donnerstag sind die Ergebnisse nicht zu erhalten. Das zuständige Amt der Bundeswehr für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen hat zwar schon am Mittwoch eine Pressemitteilung zu dem Treffen veröffentlicht. Zahlen werden darin nicht genannt - und auch am Donnerstag wird die Anfrage zwar aufgenommen, eine Beantwortung sei aber erst in den folgenden Tagen möglich.

Schießlärm:

Die nächsten Schritte

Vertreter der Bundeswehr haben laut Joachim Neuß in Aussicht gestellt, dass demnächst eine dauerhafte Lärmmessung rund um die Uhr erfolgen soll. Beim Treffen wurde sogar ein eigens dafür entwickelter Messwagen vorgestellt. Erst wenn diese Zahlen vorliegen, lasse sich die Belastung für die Bürger ablesen. „Die hängt ja nicht nur am Übungsbetrieb, sondern auch an Thermik und Windrichtung“, erklärt Neuß. Wann diese Messung starten wird, steht laut Neuß derzeit noch nicht fest. „Das muss im Verteidigungsministerium abgestimmt werden.“ Nach dem Gesprächstermin vom Mittwoch ist Neuß aber zuversichtlich, dass die Bundeswehr die Messung bald umsetzt und im Anschluss auch Konsequenzen ziehen wird.

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