27.01.2020 - 19:50 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Army testet neuen Raketenwerfer

Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Das ist Panzerwetter in Grafenwöhr. Doch an diesem Tag sind auf der Schießbahn andere dran. Zum ersten Mal seit 15 Jahren.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der Hügel im Westen des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) ist in dichten Nebel gehüllt. Etwa 400 Meter entfernt stehen Mehrfachraketenwerfer der 41st Field Artillery Brigade. Sie sollen an diesem Montag den ersten scharfen Schuss abgeben. Eine Premiere für den Raketenartillerie-Verband, der vor gut einem Jahr in der Garnison Grafenwöhr in Dienst gestellt worden ist - und es ist nichts zu sehen.

Die amerikanischen Soldaten, die sich am Bunker versammelt haben, nehmen es mit Humor. Ihr Verband könne bei jedem Wetter zu jeder Tag- und Nachtzeit schießen. "24/7", sagt Brigadekommandeur Oberst Seth A. Knazovich am Mittag zu den Journalisten, die die US-Armee zur Premiere eingeladen hat. "24/7" steht für 24 Stunden, 7 Tage. Der Nebel ist für die Artilleristen kein Hindernis. Sie haben Beobachter, die das Ziel im Blick haben, und sie überwachen mit Radar das Ziel und die Flugbahn der Raketen.

Nebel blockiert die Sicht

Als die erste Rakete von einem Raketenwerfer vom Typ "M270A1 MLRS" abgefeuert wird, ist zwar der laute Knall zu hören, aber nichts ist zu sehen. Unter den Soldaten herrscht Freude über den erfolgreichen Schuss. Etwa 8,5 Kilometer fliegt die Übungsrakete in die "Impact Area (Zielgebiet)". Ein "historischer Moment", für den die Männer und Frauen der Brigade in den vergangenen Monaten hart gearbeitet haben. Aber es gibt kein Bild, kein Video. Selbst der Soldat der von einem Begleitfahrzeug des Werfers fotografiert hat, konnte kein wirklich gutes Foto schießen.

Im September war das 1st Battalion 6th Field Artillery Regiment in Dienst gestellt worden. In den zurückliegenden vier Monaten haben sich die Soldaten unter der Führung von Bataillonskommandeur Oberstleutnant Angel M. Llompart Monge mit den Waffensystemen vertraut gemacht, das Laden und Entladen der Raketen trainiert und wieder und wieder die Abläufe geübt.

Der Oberstleutnant hat selbst als junger Artillerist auf dem Truppenübungsplatz geschossen, mit der Panzerhaubitze M109 "Paladin". Damals war er in Gießen stationiert. Später, zu Hause in den USA, war der Oberstleutnant auch beim Schießen mit der Raketenartillerie dabei. Der Raketenwerfer "M270A1 MLRS" feuert aus zwei Behältern jeweils sechs Raketen ab. Diese haben eine Reichweite von mehr als 70 Kilometern. Die Fähigkeit, über weite Distanzen zu treffen, nennt die US-Armee "Long Range Precision Fire". Mit der Artilleriebrigade verfügt sie erstmals seit 14 Jahren wieder über diese Fähigkeit in Europa.

Feuerball hüllt Werfer ein

Dann, nach mehr als zweieinhalb Stunden reißt der Nebel auf. Der Raketenwerfer auf dem gegenüberliegenden Hügel ist gut zu erkennen. In zehn bis 15 Minuten wird das nächste Mal geschossen, signalisiert der Bataillonskommandeur. Ein Knall. Der Werfer der Bravo-Battrie des 1st Battalion 6th Field Artillery Regiment ist kurzzeitig in einen Feuerball gehüllt. Die Rakete zieht in den Himmel, während der Werfer im Rauch verschwindet.

Die Raketenartillerie wird künftig regelmäßig zu hören sein. Im September soll das zweite Artilleriebataillon in Dienst gestellt werden. Dann ist die Brigade mit mehr als 1200 Soldaten komplett.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.