18.09.2020 - 17:23 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Grüne besuchen BMW-Werk: Viele Gemeinsamkeiten mit Autobauer

Wer hätte das gedacht? Die Grünen machen sich für die bayerische Autoindustrie stark und wollen deren Umstellung auf klimafreundliche Antriebstechniken mit Millionenbeträgen fördern.

Die Fraktionschefs der Grünen, Ludwig Hartmann (links) und Katharina Schulze,, sprechen mit Mitarbeitern von BMW m Werk Dingolfing.
von Jürgen UmlauftProfil

Man kann nicht behaupten, dass zwischen Grünen und Autobauern in der Vergangenheit eine innige Freundschaft bestanden hätte. Insofern war es auch eine mutige Entscheidung der Grünen Landtagsfraktion, im Rahmen ihrer Herbstklausur das BMW-Werk in Dingolfing zu besuchen. Die Gespräche dort scheinen beiderseitigen Erkenntnisgewinn gebracht zu haben. Bei BMW weiß man nun, dass die Grünen für die Mobilität der Zukunft durchaus auch aufs Auto setzen, und bei Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann hat sich der Eindruck verfestigt, dass man dort "weiter ist, als wir gedacht haben" bei der Umstellung auf Antriebe ohne Benzin- und Dieselmotoren.

Klimafreundliche Antriebe stehen ganz oben auf der Wunschliste der Grünen. In ihrem Sieben-Punkte-Plan für einen grünen Aufbruch in die Fahrzeugindustrie der Zukunft ist das der wichtigste Punkt. Der fossile Verbrenner sei ein Auslaufmodell, sagt Hartmann und spricht sich deshalb auch klar gegen eine Kaufprämie dafür aus. Die gehöre ins "Museum der Automobilgeschichte". Das Geld sei besser aufgehoben in einer flächendeckende Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge. Auf zehn Quadratkilometer müsse in Bayern mindestens eine Ladestation kommen, fordert Hartmann. Für Nutzfahrzeuge setzt er auf Antriebe mit grün erzeugtem Wasserstoff.

Windkraft und Photovoltaik ausbauen

Für all das braucht es ausreichend Öko-Strom. Deshalb müsse im Bayern die Windkraft endlich wieder vorankommen durch Abschaffung der 10H-Regel und die Photovoltaik massiv ausgebaut werden, erklärt Hartmann. Bei BMW hat er erfahren, dass sich vor allem solche Kunden ein E-Fahrzeug kauften, die eine Solaranlage auf dem Dach hätten. Die Industrie brauche klare politische Beschlüsse, wohin die Reise gehe. Nur so gebe es Verlässlichkeit und die Bereitschaft für die nötigen Investitionen, betont Hartmann. Der Sieben-Punkte-Plan der Grünen biete genau das.

Eingebettet ist der in einen "Bavarian Green Deal", der auch eine breite Unterstützung für Unternehmensneugründungen vorsieht. Man bringe damit Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Innovation und Ökonomie zusammen, erläutert Hartmanns Co-Vorsitzende Katharina Schulze. Für die von Corona schwer getroffenen Automobilzulieferer sieht der Deal einen mit 300 Millionen Euro ausgestatteten "ökologischen Transformationsfonds" vor. Profitieren sollen davon Betriebe, die ihre Produktpalette von Verbrenner- auf E-Antriebe umstellen und ihren Produktionsstandort in Bayern halten wollen.

Kurzarbeit mit Weiterbildung verbinden

Um die Unternehmen über die aktuelle Krise zu bringen, schlägt Hartmann vor, die Kurzarbeit um eine Weiterbildungskomponente zu ergänzen. "Wir müssen die Zeit der Delle nutzen, um die Branche für die nächste Epoche des Automobilbaus fit zu machen", erklärt Hartmann. Die Qualifizierung der Beschäftigten sei dafür ein wichtiger Faktor. Nach autofreier Utopie klingt das alles nicht, auch wenn die Grünen auf ihrer Klausur die Forderung nach einem flächendeckenden Ausbau des öffentlichen Nahverkehr bekräftigen.

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