One, two: Das Car Wash, der größte Kult unter den Discos

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Das Car Wash gab es nicht lang. Von 1982 bis 1988. Aber die kleine Disco im Hammerles war wegweisend für die Disco-Szene weit über die Oberpfalz hinaus. Der kultigste aller Läden, mitten in der Provinz.

Der Blick vom DJ-Pult ins Car Wash. Die Tanzfläche – voll wie immer.
von Frank Werner Kontakt Profil

Flashback mit Faithless: An einem Sommerabend im Jahr 2020 steht die Zeit still. Im Biergarten des Stadtbades in Weiden tanzt die Meute mit Mundschutz auf "Insomnia". Volles Haus, am Plattenteller Ralf Möhrle. Es ist das letzte Lied. Der 62-jährige Freiburger weint. Übermannt von den Erinnerungen an Disco-Zeiten in den 80ern und 90ern im Unverschämt in Weiden und im Car Wash in Hammerles bei Parkstein. Von dieser kleinen Disco soll dieser Teil unserer Serie erzählen. Das Car Wash – der vielleicht leidenschaftlichste und kultigste Schuppen, den es jemals in der Oberpfalz gegeben hat.

Das Tanzcafe Julia in Hammerles war Anfang der 80er der Treff zum gepflegten Schwofen mit Live-Bands. Das änderte sich grundlegend, als Egon Schäffer (Egon's La Bodega) und Jürgen Mircolaicik den Laden übernahmen und die Disco Car Wash daraus machten. Mit Ralf Möhrle holten sie einen DJ, der im Charly Inn in Weiden ein kurzes Gastspiel gegeben hatte. Möhrle hatte zuvor unter anderem in Köln, Duisburg und auf Ibiza aufgelegt. "Ich wollte eigentlich nie lange an einem Ort bleiben", erzählt er – und lebt noch heute in der Oberpfalz, in Altenstadt/WN. Er ist Pächter im Stadtbad Weiden und der Freizeitanlage Neustadt/WN

Möhrles Musik? "Keine Charts. Ich habe nur gespielt, was mir gefällt." Und lag damit goldrichtig. Viermal in der Woche hatte das Car Wash offen, viermal war volles Haus. Zwischen 500 und 800 Leute kauften sich dann den Getränkebon am Eingang. Hefeweizen – das war das am sträksten gefragte Getränk, sagt Möhrle. Und seine Top Songs? "Why did you do it" von Stretch meint er spontan. One, two. So ging der Ohrwurm los. Tanzfläche voll, Hefeweizen schnell am Tresen abgestellt.

Das lief im Car Wash

Inspiration aus Ibiza

Der Sound im Car Wash war immer cool, abwechlungsreich. Rock, Wave, Disco, Funk. Mit den Größen der 80er wie U2, Prince, Supertramp oder Michael Jackson. Aber auch damals unbekannten Künstlern wie Anne Clark, Talking Heads oder Heaven 17. Ein wenig Avantgarde. "Die Leute haben mir vertraut, da kann ich heute nur den Hut ziehen", schwärmt der DJ. Viel Inspiration holte sich Möhrle von seinen DJ-Trips nach Ibiza, brachte immer wieder neue Schallplatten mit. Das ging soweit, dass er Aufkleber auf seine Scheiben klebte, weil Kollegen seinen Sound imitieren wollten. Wenn Möhrle mal unterwegs war, legte Ralf "Popper" Wolf auf, sein Jugendfreund aus Freiburg.

Im Car Wash gab es ein kleines Cafe mit Snacks und eine Mini-Spielhölle mit Flipper und Tischkicker. Es spielte auch eine Fußballmannschaft, die "Marvellous Car Wash Goalgetters". Mittelmäßig erfolgreich, aber immer voll engagiert. An den Wänden Graffitis des Künstlers Florian Thomas aus Pirkmühle, der heute in München lebt. Legendär auch die Toiletten, die dem Besucheransturm nicht immer gewachsen waren. Ja, die Sache mit den vielen Gästen. Fast alle Hammerleser waren stolz auf ihre Disco und den Erfolg. "Wir haben anfangs die Milch für unseren Capucchino direkt vom Bauern geholt", erinnert sich Möhrle.

Thema bis in Gemeinderat

Doch der Ärger blieb nicht aus. Als ein neuer Nachbar neben die Disco zog, ging es los. "Es war absehbar", meint Möhrle. "Wenn 250 Leute das Dorf zuparken, wird es schwierig". Immer mehr Auflagen, Notausgänge, Brandschutz. "Das war es alles nicht mehr wert", meint Möhrle. Bis in den Gemeinderat ging die Causa Car Wash. Zermürbende Diskussion um Öffnungszeiten, um Lärm. Das Car Wash wurde von seinem Erfolg überrannt.

Eines Tages schaltete sich der damalige Weidener Oberbürgermeister Hans Schröpf ein. "Er wollte unbedingt eine Disco in der Stadt", schmunzelt Möhrle und vermittelte ihm das damalige Hippodrom. Im März 1988 bat das Car Wash schließlich zum letzten Tanz. Möhrle machte aus dem Hippodrom das Unverschämt, öffnete wenige Monate nach dem Aus in Hammerles. Viel größer, nicht mehr ganz so kultig. Aber es war Möhrles nächste Erfolgsgeschichte, die bis zum Ende 1997 währte. Auch in Hammerles waren die Türen nicht für immer zu. Nach dem "Car Wash" kam das "Roxane", der ganz große Renner wurde der Laden aber nicht. Aber die Musik spielte noch eine ganze Weile weiter in dem kleinen Schuppen.

Als "Funky Biergarten" lässt Möhrle die alten Zeiten ab und zu wieder hochleben: "Es ist einfach ein Lebensgefühl." Und auf Facebook legt er im Lockdown live von zu Hause auf. So an diesem Samstag ab 21 Uhr. Das Beste aus Car Wash und Unverschämt. One, two.

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