24.07.2020 - 15:37 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Handwerker wollen trotz Corona Arbeitsplätze erhalten

Das bayerische Handwerk trotzt der Coronakrise. Zwar rutschten die Betriebe während des Lockdowns schwer ins Minus, doch im zweiten Halbjahr stehen die Zeichen auf Erholung.

Maßarbeit: Das Handwerk läuft auch in Coronazeiten einigermaßen gut.
von Jürgen UmlauftProfil

Trotz eines dramatischen Umsatzeinbruchs im zweiten Quartal um rund zehn Prozent hofft das bayerische Handwerk einigermaßen glimpflich durch die Coronakrise zu kommen. Nach Schätzungen des Präsidenten des Bayerischen Handwerkskammertages (BHT), Franz Xaver Peteranderl, wird der Umsatzrückgang über das Jahr gerechnet mit minus 3,5 Prozent spürbar geringer ausfallen, als es für die gesamte Wirtschaft prognostiziert ist. Die Zahl der Arbeitsplätze wird demnach fast stabil bleiben. "Wir sind optimistisch, dass das bayerische Handwerk ohne allzu große Arbeitsplatzverluste durch das Jahr kommt", sagte Peteranderl auf einer Pressekonferenz in München.

Ungeachtet dessen hat die Coronakrise das Handwerk im zweiten Quartal, in dem auch der wochenlange landesweite Lockdown lag, "schwer getroffen", betonte Peteranderl. Während die Baubranche fast ohne Einschränkungen habe weiterarbeiten können, hätten vor allem konsumnahe Handwerke sowie die Kfz- und Zulieferbetriebe "massiv gelitten". Der Umsatzrückgang von nominal zehn Prozent auf 28,1 Milliarden Euro sei "in dieser Dimension einzigartig", erklärte Peteranderl. Zumindest für die Kunden hat der Auftragsrückgang ein Gutes: Die Wartezeit auf einen Handwerker hat sich durchschnittlich um fast zwei Wochen verkürzt. Auch wenn die Handwerksmeister laut einer aktuellen Umfrage damit rechnen, in den kommenden Monaten weiter im Krisenmodus arbeiten zu müssen, hat dies kaum Auswirkungen auf die Beschäftigung. Ende Juni arbeiteten laut BHT-Schätzung knapp 948 000 Menschen im bayerischen Handwerk, nur 0,5 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Unternehmen wüssten, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte seien und täten alles, diese im Betrieb zu halten, sagte Peteranderl.

Sorge bereite ihm der Ausbildungsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr seien bislang 15,9 Prozent weniger Lehrverträge abgeschlossen worden (10 800). Bei bayernweit 6700 offenen Stellen hoffe er auf einen Nachholeffekt nach den Sommerferien, da viele Schulabsolventen ihre Abschlussprüfungen heuer erst verspätet abgelegt hätten.

Info:

Betriebe blicken pessimistisch in die Zukunft

Mit den Lockerungsmaßnahmen in Folge der Corona-Pandemie ist in Teilen des Handwerks im zweiten Quartal eine Wiederbelebung der Geschäfte eingetreten. Das belegt der Konjunkturbericht der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Demnach verzeichnen dreiviertel aller ostbayerischen Handwerksbetriebe eine gute oder zumindest befriedigende Geschäftslage in den vergangenen drei Monaten.

Doch der Ausblick der Betriebe bleibt verhalten. „Gerade das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe konnten noch auf ein Auftragspolster aus der Zeit vor Beginn der Coronakrise zurückgreifen“, sagt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. „Doch von einem bestehenden größeren Auftragsbestand oder Nachholeffekten können nicht alle Handwerksbetriebe profitieren. Es gibt auch eine Reihe von Handwerksgruppen, in denen die Geschäfte schlecht laufen. Schwach waren Auslastung und Umsätze vor allem im Kraftfahrzeuggewerbe, im Gesundheitsgewerbe und in den Handwerken für den privaten Bedarf.

Beim Blick auf das kommende Quartal äußerten sich die Betriebe pessimistisch: Knapp ein Drittel der Betriebe gab an, dass die wirtschaftliche Talsohle aufgrund der Pandemie noch nicht erreicht sei. Jeder fünfte Betrieb rechnet mit einer Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Lage, knapp ein Drittel mit weiteren Umsatzrückgängen. Erfreulich ist, dass 80 Prozent der Betriebe im laufenden Quartal ihre Mitarbeiterzahl nicht verändern wollen. „Das Handwerk steht weiter vor großen, zum Teil sogar existenziellen, Herausforderungen“, so Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer. „Neben mittelstandsgerechten Maßnahmen zur Existenzsicherung im Bedarfsfall brauchen Handwerker vor allem eine Wiederbelebung der Nachfrage, auch von staatlicher Seite. Gleichzeitig bleibt die Fachkräftesicherung trotz sich verändernder Rahmenbedingungen weiter eine essentielle Herausforderung.“

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