23.10.2019 - 18:39 Uhr
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Huml: Landarztquote für Medizin-Studium

Gesetzentwurf soll Versorgung auf dem Land sicherstellen. Gesundheitsministerin Humls Vorschlag: Studienplätze für diejenigen reservieren, die sich verpflichten, zehn Jahre am Land als Hausarzt zu arbeiten.

Ein Landarzt nimmt sein Stethoskop aus dem Koffer.
von Jürgen UmlauftProfil

Mit einer Landarztquote für Medizinstudenten will die Staatsregierung die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen Bayerns sichern. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) brachte dazu einen Gesetzentwurf in den Landtag ein. Er sieht vor, dass ab dem Wintersemester 2020/21 5,8 Prozent der bayerischen Medizinstudienplätze für Abiturienten reserviert werden, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung für mindestens zehn Jahre in einem unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebiet im Freistaat als Hausarzt tätig zu sein. Eine bestimmte Abiturnote ist als Zugangsvoraussetzung nicht erforderlich. Wer trotz der eingegangenen Verpflichtung den Dienst als Landarzt nicht antritt, dem droht nach dem Gesetzentwurf ein Strafgeld in Höhe 250.000 Euro.

Huml betonte, dass die Abiturnote wenig über die spätere Eignung für den Arztberuf aussage. Zu diesem gehörten auch Sozialkompetenzen und die Fähigkeit zu Empathie. "Ein guter Arzt muss nicht unbedingt ein 1,0-Abitur haben", sagte Huml. Für die jährlich rund 100 Landarztstudienplätze soll es ein zweistufiges Auswahlverfahren geben. Kriterien der ersten Stufe seien das Ergebnis eines fachspezifischen Studieneignungstests, das Vorliegen einer Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf sowie eine fachbezogene freiwillige oder ehrenamtliche Tätigkeit, erläuterte Huml. Auf der zweiten Stufe des Auswahlverfahrens fänden dann standardisierte Auswahlgespräche statt. Das erste Bewerbungsverfahren soll im Februar 2020 starten.

Redner der Opposition bezweifelten, ob die Landarztquote geeignet ist, die Unterversorgung mit Medizinern auf dem Land zu bekämpfen. Christina Haubrich (Grüne) sah in der Strafandrohung eine abschreckende Wirkung. Junge Menschen ohne Ahnung vom Arztberuf müssten sich inklusive ihrer Ausbildungszeit für 20 Jahre auf einen Berufsweg festlegen. Dabei kristallisiere sich oft erst im Laufe des Studiums heraus, für welche Fachrichtung der Medizin sich ein Student mit Blick auf seine Neigungen und Fähigkeiten spezialisieren wolle. Wichtiger wäre es, insgesamt mehr Medizinstudienplätze zur Verfügung zu stellen, das Auswahlverfahren für deutlich mehr Studierende von der Abiturnote abzukoppeln, Ausbildungsabschnitte verpflichtend in den ländlichen Raum zu legen und den Beruf des Landarztes attraktiver zu machen, sagte Haubrich.

Roland Magerl (AfD) sah in dem Vorstoß Humls keine Lösung der aktuellen Versorgungsprobleme auf dem Land. Die ersten mit der Neuregelung ausgebildeten Landärzte würden frühestens 2030 zur Verfügung stehen. Mit Blick auf die Strafandrohung sprach Magerl von "Knebelverträgen für junge Leute". Als "Eingriff in die Berufsfreiheit" bezeichnete Dominik Spitzer (FDP) Humls Ideen. Der Gesetzentwurf gehe an den Ursachen des Ärztemangels auf dem Land vorbei. Diese lägen vor allem darin, dass der Job unter mehreren Aspekten nicht attraktiv genug sei. Ruth Waldmann (SPD) sprach von einem "Baustein zur besseren Ärzteversorgung auf dem Land". Auch sie sah in der Verpflichtungsdauer und der Vertragsstrafe aber ein Hindernis. Hier müsse es flexiblere Regelungen geben, die auf sich verändernde Lebenssituationen gerade junger Ärzte eingehen müssten. Bernhard Seidenath (CSU) verteidigte das Programm. Es handle sich um keine Zwangsmaßnahme, da schon jetzt ein hohe Nachfrage herrsche. Die "Bedenkenträgerei" der Opposition führe nur zu Stillstand und löse die Probleme nicht.

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