Hygiene-Auskunft per Mausklick

Seit einigen Wochen ist "Topf Secret" von "foodwatch" online. Die Idee: Jeder soll ganz einfach die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit nur wenigen Klicks abfragen können.

Symbolbild.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

In einer Pressemitteilung der Verbraucherschutzorganisation "foodwatch" heißt es: "Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist." Dabei sei es seit Jahren Alltag, dass "jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet" würde. Das größtenteils "wegen Hygienemängeln", heißt es weiter.

Mit der Plattoform „Topf Secret“ könnten die Verbraucher einen Antrag auf "Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen" bei den zuständigen Behörden stellen.

Großes Interesse an „Topf Secret“

Die Verantwortlichen von "foodwatch" teilen mit, dass bereits in den zwei Wochen nach Start von "Topf Secret" deutlich mehr Verbraucherinformationsgesetz-Anträge gestellt wurden, als das in den letzen zehn Jahren zuvor der Fall gewesen sei.

Das Prinzip ist einfach: Die Nutzer von „Topf Secret“ können sich einen beliebigen Betrieb auswählen. Die Bandbreite reicht von Restaurants über Bäckereien bis hin zu Tankstellen. Mithilfe der Suchfunktion oder einfach per Klick auf der Straßenkarte können sie danach suchen.

Die Betreiber weisen darauf hin, die Nutzer müssten lediglich ihren Namen, ihre E-Mail- und Postadresse angeben. Die Daten würden dann "gemeinsam mit einem vorbereiteten Text an die zuständige Behörde" übermittelt. Bis die Ergebnisse ankommen, könne es einige Wochen dauern.

"Der Ansturm auf ‚Topf Secret‘ ist gewaltig: Die Menschen wollen wissen, wie es um die Hygiene im Lieblingsrestaurant oder im Bäcker um die Ecke bestellt ist. Und sie haben ein Recht, das zu erfahren", erklärte Arne Semsrott, Projektleiter von "FragDenStaat", einer gemeinnützigen Organisation, die mit "foodwatch" zusammenhängt.

Mehr Transparenz für Verbraucher

"Topf Secret" sei eine Notwehrmaßnahme, denn in anderen Ländern sei es alltäglich, dass Verbraucher Einblicke in die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen bekämen, sagte Oliver Huizinga, Leiter für Recherche und Kampagnen bei "foodwatch". "Und zwar direkt vor Ort, an der Ladentür von jedem Lokal. In Deutschland wird eine solche Transparenz bisher erfolgreich von der Gastro-Lobby verhindert. Das wollen wir mit ‚Topf Secret‘ ändern", erklärte er.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sei festgehalten worden, dass „eine übersichtliche und eindeutige Verbraucherinformation zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit“ gewährleistet werde solle. Bisher müssten Betriebe ihre Kontrollergebnisse nur „auf freiwilliger Basis“ veröffentlichen, bemängeln "foodwatch" und "FragDenStaat". Das funktioniere "erfahrungsgemäß" nicht.

Nürnberger stellen die meisten Anfragen

Seit die Plattform online ist, haben Verbraucher über 15.000 Anträge gestellt. Pro 100.000 Einwohnern haben die Menschen in diesen 11 deutschen Städten am meisten angefragt. Nürnberg ist Spitzenreiter.

  • 1.Nürnberg: 46,3 (236 Anträge gesamt)
  • 2. Berlin: 44,0 (1.549 Anträge gesamt)
  • 3. Karlsruhe: 43,5 (134 Anträge gesamt)
  • 4. Frankfurt am Main: 35,2 (258 Anträge gesamt)
  • 5. Hamburg: 34,0 (608 Anträge gesamt)
  • 6. Bonn: 33,6 (107 Anträge gesamt)
  • 7. Wiesbaden: 32,9 (91 Anträge gesamt)
  • 8. Mannheim: 29,8 (91 Anträge gesamt)
  • 9. Kiel: 28,0 (69 Anträge gesamt)
  • 10.München: 27,8 (403 Anträge gesamt)
  • 11.Freiburg am Breisgau: 27,8 (63 Anträge gesamt)
Verbraucherinformationsgesetz (VIG):

Die rechtliche Grundlage für die Plattform ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Es ist 2008 in Kraft getreten. "foodwatch" teilt mit, dass dieses allerdings von Verbrauchern bisher kaum genutzt wird. Daran solle sich etwas ändern.

Das Portal "Topf Secret" von "foodwatch" finden Sie hier

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