28.02.2020 - 12:01 Uhr
IllschwangDeutschland & Welt

Horror made in Oberpfalz

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1914, Amberg, Herrnstraße: Ein schauriges Objekt wird ausgegraben. Dahinter verbergen sich ein abscheuliches Ritual und eine unfassbare Verschwörung. Ein klarer Fall für die Horror-Spezialisten von "Yellow King Productions".

Exklusiv für Oberpfalz-Medien in Szene gesetzt: Der dauertelefonierender Organisator Mario Weiß, der grüblerische Künstler Marcus Trepesch und der belesene Autor Jörg Fischer (von links), im Hintergrund Thomas Fenzel als "König in Gelb", der alle Fäden in der Hand hält.
von Anke SchäferProfil

„Das Artefakt“: Diese spannende, mit historischen Fakten und Lokalkolorit durchsetzte Geschichte stammt vom Amberger Autor Jörg Fischer, bildlich umgesetzt hat "Das Artefakt" der Amberger Künstler Marcus Trepesch. Der Sulzbach-Rosenberger Mario Weiß und seine Yellow King Productions haben daraus ein überregional beachtetes Buch- und Hörspielprojekt gemacht, an dem H.P. Lovecraft seine helle Freude hätte. Ein Interview.

ONETZ: Herr Fischer, Fiktion, die mit der Nähe zu realen Fakten spielt, zählt zu Ihren Spezialitäten. Ist das nicht manchmal auch ein heikler Balanceakt?

Jörg Fischer: Ich war in den letzten 20 Jahren immer wieder an wissenschaftlichen Veröffentlichungen beteiligt, mal als Redakteur, ein anderes Mal als Autor. Der Fakt, dass diese normalerweise nur ein gewisses „Stammpublikum“, die „üblichen Verdächtigen“ erreichen, ist für mich durchaus betrüblich. Die Geschichten rund um „Paul den Vilsgeist“ waren für mich daher zunächst vor allem ein Versuch, historische Fakten in eine Form zu gießen, die einen größeren Leserkreis anspricht. Ich habe mich, wenn man so will, von den Fakten hin zur Fiktion orientiert. Der Balanceakt liegt wohl tatsächlich darin: Wahrheit und Fantasie nur soweit zu vermengen, dass ein letzter Rest Gewissheit beim Leser bleibt.

ONETZ: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie die Hörspiel-Fassung Ihrer Geschichte Mario Weiß und Yellow King Productions anvertraut haben?

Jörg Fischer: Ich bin bei der Regionalbuchmesse im Jahr 2017 buchstäblich über den Stand von YKP gestolpert, hatte aber wegen eines Termins keine Zeit, mich mit Mario zu unterhalten. Nachdem der „König in Gelb“ als literarische Figur mir natürlich bekannt war, blieb mir die Episode im Gedächtnis. Ein paar Wochen später habe ich Mario einfach eine E-Mail geschrieben. Am anderen Tag haben wir dann fast zwei Stunden lang telefoniert und der Rest ist quasi Geschichte.

ONETZ: Hatten Sie bei der Produktion ein Mitspracherecht und wie gefällt Ihnen das fertige Hörspiel?

Die Zusammenarbeit mit Mario und YKP war ausgesprochen freundschaftlich und wir standen während der ganzen Produktionsphase regelmäßig in Kontakt. Ich durfte meine Vorstellungen bei der Auswahl der Sprecher einbringen und fand auch Marios Idee, das Ganze auf das Wesentliche zu fokussieren und nur sparsam Effekte zu verwenden, sehr gut. Die Erzählung setzt nicht auf Effekte oder gar Action. Warum sollte die Produktion das nicht auch so halten? Das fand ich sehr einleuchtend und bin daher mit dem Ergebnis voll und ganz zufrieden. Es ist ganz natürlich, dass diese Herangehensweise nicht jedem zusagen wird. Das ist letztlich Geschmackssache. Ich denke aber, dass sie der Story und auch dem Genre an sich mehr als gerecht wird – und das war unser Ziel.

ONETZ: Herr Weiß, als Sie das Skript zum „Artefakt“ das erste Mal in Händen hielten – haben Sie da sofort gewusst, wie Sie den Stoff im Hörspiel umsetzen wollen?

Mario Weiß: Als Jörg mir die Kurzgeschichte zugeschickt hat, kristallisierte sich für mich schon während des ersten Lesens heraus, dass man ein Hörspiel daraus machen muss! Durch die verschiedenen Zeiten, Figuren, Orte und vor allem den Schreibstil des Autors, der nahtlos an Größen des Genres wie H. P. Lovecraft anschließt, kann man da durchaus von einer Steilvorlage sprechen. Es hat mich zusätzlich befeuert, das Maximum rauszuholen, weil ich mal sehen wollte, ob man mit so einer tollen Geschichte auch überregionales Interesse generieren kann – hat geklappt! Man kann sich das bei der Planung eines Hörspiels so vorstellen, dass man beim Lesen des Skripts schon Stimmen, Geräusche und Musik hört und diese währenddessen zuordnet, arrangiert und komponiert. Mit einer gewissen Vorstellungskraft kann man sich da sogar Zeit sparen.

ONETZ: Sie sind ja ein sehr exakter und detailorientierter Regisseur. Verwerfen Sie während der Produktion auch schon mal eine Fassung komplett oder feilen Sie die Grundidee immer weiter aus?

Weder noch! Alles steht, bevor der erste Sprecher etwas aufnimmt. Ich arbeite an der Umsetzung der Hörspiele und Hörbücher seit Jahren fest mit Sascha Schiemann aus Castrop-Rauxel zusammen. Er ist studierter Toningenieur und fester Bestandteil von Yellow King Productions. Ich kümmere mich meistens um die Planung und Umsetzung und er verleiht den Produktionen mit seinem Fachwissen den letzten Schliff. Bei stundenlangen Telefonaten wird im Vorfeld ausgearbeitet, welche Stilmittel man verwendet, welche Effekte auf die Stimmen kommen und wo Geräusche und Musik platziert werden. Das ist wie mit allem im Leben – wenn man sich vorbereitet, hat man am Ende nicht mehr so viel Arbeit.

ONETZ: Statt aus dem Vollen Ihrer audiotechnischen Möglichkeiten zu schöpfen, haben Sie „Das Artefakt“ auffallend sparsam unterlegt.

Die Umsetzung eines Hörspiels ist eine aufwendige, kostspielige und zeitintensive Angelegenheit. Es muss bei allem Idealismus trotzdem wirtschaftlich bleiben. Man kann jetzt bei einer regionalen Sache nicht blauäugig davon ausgehen, dass großes überregionales Interesse besteht. Das ist schon eher ein Prestigeprojekt. Ich bin Riesenfan der alten PIDAX Hörspiel-Klassiker, die nahezu ohne Sounds und Musik auskommen und es schaffen, nur mit Sprechern und minimalsten Mitteln, eine spannende Atmosphäre zu erzeugen. Wir haben etliche Male überlegt, ob man hier und da Musik einbauen könnte oder irgendwelche Soundeffekte, aber das hätte nicht zum Dokustil gepasst und nur den Hörfluss gestört. So gesehen haben wir auf nichts verzichten müssen und waren am Ende alle zufrieden damit.

ONETZ: Herr Trepesch, die Illustration von „Das Artefakt“ war ja nicht die erste Zusammenarbeit mit Autor Jörg Fischer – was zeichnet Ihre künstlerische Verbindung aus?

Marcus Trepesch: Stimmt, es gab bis jetzt mehrere Zusammenarbeiten: Ich habe Umschlaggestaltungen für zwei Bücher des Stadtarchivs gemacht, dann Jörgs ersten Sammelband über „Paul, den Vilsgeist“, aktuell das „Artefakt“. Demnächst kommt Jörgs nächstes Buch „Am gelben Fluss“ heraus. Hier habe ich wieder das Cover und Kapitelillustrationen erstellt. Mit Jörg ist die Zusammenarbeit sehr einfach: Wir sprechen im Vorfeld viel drüber. Uns beiden schwebte für seine bisherigen, eigenen Sachen ein „dreckiger“, grober Stil vor, da die Bücher ja auch nicht an unbedingt antiseptischen Schauorten spielen. Jörg war bisher immer recht angetan - ich treffe da wohl einen Nerv … es war jedenfalls recht selten, dass er Änderungswünsche hatte. Das freut mich natürlich.

ONETZ: Wie muss man sich den Prozess vorstellen, bis der Wort-Grusel zum Bild geworden ist?

Es sieht so aus, dass ich die Bücher vorher, manchmal sogar während des Schreibprozesses zu lesen bekomme, mir dann Gedanken darüber mache, welche Stimmung herrscht. Es ist meist so, dass wir für einzelne Kapitel nicht unbedingt Szenen 1:1 illustrieren, sondern eher „Embleme“ gestalten. Oft verwende ich da Gegenstände, die im jeweiligen Kapitel vorkommen und setze sie dann neu zusammen. Das „Artefakt“ bildet hier eher die Ausnahme: Hier wird wirklich eine Szene dargestellt, die auch im Hörspiel vorkommt.

ONETZ: Wird es nach dieser Gemeinschafts-Produktion weitergehen mit dem Kreativ-Trio Trepesch/Fischer/Weiß?

Das hoffe ich sehr und bin da auch zuversichtlich…

Info:

Service

Das Hörspiel "Das Artefakt" ist als Download bei Audible und Amazon verfügbar. Das limitierte Buch ist bei Yellow King Productions erschienen und dort sowie bei den Buchhandlungen Mayer in Amberg und Volkert in Sulzbach-Rosenberg erhältlich. Das E-Book erscheint demnächst.

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