26.06.2020 - 18:39 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Jugendbetreuung in den Ferien soll keine Verlängerung der Schule sein

Die Sommerferien stehen vor der Tür, aber viele Eltern haben wegen Corona keinen Urlaub mehr. Freistaat und Bayerischer Jugendring springen nun mit einem Freizeitprogramm in die Bresche.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).
von Jürgen UmlauftProfil

Es ist nicht so, dass Michael Piazolo ein schlechtes Gewissen hätte. Der Kultusminister von den Freien Wählern kann ja schließlich auch nichts dafür, dass das Corona-Virus über Bayern hereingebrochen ist, die Schüler über Wochen zu Hause bleiben und viele Eltern zu ihrer Betreuung den eigentlich für den Sommer geplanten Urlaub nehmen mussten. "Es ist mir ein Anliegen, nach den aufreibenden letzten Monaten für Familien ein Angebot mit aktiver Ferienbetreuung zu schaffen", sagt Piazolo trotzdem. Außerdem bräuchten Kinder und Jugendliche nun ein attraktives Programm für die Sommerferien, um auch einen Ausgleich für die belastenden Erfahrungen während des Corona-Lockdowns zu haben.

Ein schöner Familienurlaub wäre da jetzt wohl für alle die beste Therapie. Doch zahlreiche Eltern und vor allem Alleinerziehende sind mit ihrem Urlaub schon vor den großen Ferien durch. Zumindest für die Kinder bis einschließlich der 6. Klasse schafft Piazolo nun mit dem Bayerischen Jugendring (BJR) landesweit zusätzliche Freizeitangebote. Sie sollen je nach Bedarf die ohnehin von den Kommunen erstellten Ferienprogramme ergänzen. Bis zu 30 Millionen Euro an Fördermitteln hat sich Piazolo dafür vom Ministerrat genehmigen lassen, profitieren sollen auch Kinder mit Behinderung.

Weil Piazolo Bildungsminister ist, wünscht er sich etwas hochtrabend "freizeitpädagogische Programme". Um Missverständnissen vorzubeugen, stellt er aber gleich klar: "Das ist nicht Schule, wir wollen keine Verlängerung der Schule in die Ferien hinein." Ziel sei es, die betroffenen Eltern zu entlasten und gleichzeitig den Kindern tolle Angebote unter der Leitung geschulter Fachkräfte zu erstellen. "Die Eltern Wmüssen wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind", sagt Piazolo. Dafür garantiere der BJR mit seiner Expertise.

Maximal zwölf Kinder

Veranstalter der Programme werden die Kommunen und die örtlichen Träger der Jugendarbeit sein. BJR-Präsident Michael Fack verspricht, man werde auch unter den geltenden Corona-Beschränkungen "alles Mögliche dafür tun, dass alle Kinder ein attraktives Ferienangebot bekommen". Es gehe dabei um "mehr als reine Freizeitbewältigung". Mit Zeit totschlagen will er sich nicht abgeben. Geplant seien Gruppen mit maximal zwölf Kindern, die jeweils eine Woche lang betreut würden. Denn nach der Phase der Kontaktbeschränkungen bräuchten viele Kinder wieder das Treffen mit Gleichaltrigen, erklärt Fack.

Details zu den Angeboten kann Fack noch nicht nennen. Diese müssten erst noch erarbeitet werden. "Wir betreten hier Neuland", gibt er zu und setzt auf den Einfallsreichtum der in der Jugendarbeit Tätigen im ganzen Land. Fack versprüht geradezu Optimismus. Sollte sich das Infektionsgeschehen nicht wieder verschlechtern, geht er davon aus, dass neben Projekten auch Ausflugsfahrten und unter Einhaltung der Hygienekonzepte sogar Zeltlager und Übernachtungen möglich sein werden. Nach den vergangenen Monaten klingt das fast schon wie eine Verheißung.

Bayernweit rechnet Fack mit "mehr als 10.000 Kindern", die das Angebot nutzen werden. Man sei bemüht, ausreichende Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Dennoch werde es nicht in jedem Ort möglich sein, passende Angebote zu erschließen. Eventuell müssten Eltern ihre Kinder deshalb zu Programmen in benachbarten Ortschaften bringen. Nicht nur deshalb soll sich der ganze Aufwand auch lohnen. Ab Mitte Juli werde auf der Homepage des BJR eine Bayern-Karte mit allen Angeboten abrufbar sein, die täglich aktualisiert werde, kündigt Fack an. Bis dahin heißt es für die zugangsberechtigten Eltern und Kinder noch, Geduld zu haben.

Hintergrund :

Die wichtigsten Fragen zum Ferienprogramm

Wer ist berechtigt?

Eltern und Alleinerziehende von Kindern in den Jahrgangsstufen 1 bis 6, die ihren Jahresurlaub wegen Corona schon vor den Sommerferien ganz oder "weitestgehend" aufbrauchen mussten.

Entstehen Kosten?

Ja, wie beim üblichen Ferienprogramm der Kommunen auch. Der Elternbeitrag soll aber je nach Umfang des Angebots auf maximal 50 Euro pro Kind und Woche begrenzt werden.

Was kann gebucht werden?

Das genaue Programm ist noch in Bearbeitung. Fest steht aber, dass die Angebote nur wochenweise als Block gebucht werden können. Es soll Angebote von 8 bis 12 und von 8 bis 16 Uhr geben. Eventuell gibt es auch Veranstaltungen mit Übernachtung.

Wie bucht man?

Das Kultusministerium hat über die Schulen eine unverbindliche Bedarfsanfrage gestartet. Der zweiseitige Fragebogen sollte bis Ende nächster Woche zurückgegeben sein. Ab Mitte Juli sind die Angebote online über das Portal www.bjr.de/ferienportal buchbar. Dort gibt es schon jetzt weitergehende Informationen.

Wann laufen die Angebote?

Vom 3. August bis 4. September.

Gibt es wieder Notbetreuung an den Schulen?

Nein.

Der Fahrplan für die Schulen

Bayern
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