Kallmünz
20.06.2025 - 14:26 Uhr
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Wandern bei Kallmünz: Über die Burgruine zum kleinsten Wirtshaus der Oberpfalz

Die Reporter Stefanie Swann und Maximilian Hohlheimer wollen die Oberpfalz zu Fuß entdecken. Bei Kallmünz im Landkreis Regensburg erklimmen sie eine Burgruine, entdecken eine Wohnhöhle und machen Rast im kleinsten Wirtshaus der Oberpfalz.

Von Stefanie Swann und Maximilian Hohlheimer

Die Vils rauscht bei Traidendorf. Kanufahrer setzen ihr Boot an der Anlegestelle in den Fluss. Ein Stoß mit dem Ruder und los geht die Fahrt im wilden Wasser. Die Sonne bringt an diesem Morgen die Vils zum Glitzern. Hier startet die Wanderroute, die entlang des Flusses, durch den Wald, hinauf auf den Burgberg und durch den idyllischen Markt für Kunstliebhaber Kallmünz im Landkreis Regensburg führt.

Insgesamt ist die Strecke 8,4 Kilometer lang und hat 160 Höhenmeter. Personen, die die Route gehen, benötigen eine ausgeprägte Grundkondition und schaffen den Weg voraussichtlich in 2 Stunden und 15 Minuten. Etwas länger wird es dauern, wenn man an den Höhepunkten wie der Burgruine verweilt oder im kleinsten Gasthaus der Oberpfalz Rast macht und „Bauchstecherl“ verzehrt.

Panoramablick über das Naabtal

Der erste Abschnitt der Tour führt von Traidendorf aus entgegen der Flussrichtung der Vils weg von Kallmünz in Richtung Dietldorf. An der Abzweigung der Straße nach rechts in Richtung Eich müssen Wanderer wenige hundert Meter später dem Wanderweg neben der Straße in den Wald folgen. Von hier verläuft die Route nach einem leichten Anstieg oberhalb des Vilstals zwischen Feldern und Wiesen. Angekommen an einem felsigen Abhang über Kallmünz, lädt eine Bank vor einem Gipfelkreuz zu einer Rast ein.

Der Ausblick auf die breite Naab und die malerische Landschaft lockt nicht nur Wanderer an diesen Ort. Ein rot-weiß-gestreifter Windsack zeigt die Windrichtung auf der Erhebung an, die auch ein Startpunkt für Gleitschirmflieger ist. Nach einer kurzen Pause geht die Tour weiter auf dem Wanderpfad entlang der Hangkante bis zur Burgruine Kallmünz.

Von der Burgruine nach Kallmünz

Bereits aus der Ferne erblicken Wanderer die Mauern und den Bergfried der Burg, die oberhalb der Ortschaft auf den Felsen thront. Durch einen spitzzulaufenden Torbogen gelangen man ins Innere. Hier lohnt es sich, etwas Zeit mitzubringen, um sich an den Informationstafeln über die Geschichte der Burg zu informieren und den Ausblick bei gutem Wetter zu genießen. Dazu eignet sich der etwa 20 Meter hohe Bergfried am besten, um über Kallmünz bis in den Bayerischen Wald zu blicken.

Wie das Landratsamt auf der Internetseite des Landkreises Regensburg schreibt, wurde der Felssporn zwischen Naab- und Vilstal, auf dem die Burgruine liegt, bereits früh zur Verteidigung genutzt. Dort befindet sich ein äußerer Wall aus der mittleren Bronzezeit (um 1600 v. Chr.) und ein innerer Wall aus der Zeit der Kelten (um 500 v. Chr.). Zeugnisse von Siedlungen finden sich hier jedoch auch aus allen Abschnitten seit der Steinzeit. Die Burg wurde im 13. Jahrhundert im Auftrag von bayerischen Herzögen erbaut und über die folgenden Jahrhunderte ausgebaut, um den Erz- und Salzweg von Amberg nach Regensburg zu überwachen. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten zunächst kaiserliche Truppen die Burg, später steckten schwedische Truppen die Burg 1641 in Brand – seitdem ist sie eine Ruine.

Spaziergang an den Naab-Terrassen

Der Weg von der Ruine in den Ort führt durch ein schattiges Waldstück am Hang. Die teilweise hohen Stufen auf dem schmalen Pfad sind der anstrengendste Teil der Route. Wer nicht die gesamte Tour nachwandern möchte und nur Kallmünz erkunden will, kann über diesen Weg sowohl die Burgruine erklimmen als auch zurück in die Ortschaft wandern. Auch während des Abstiegs laden Bänke dazu ein, kurz innezuhalten und den Ausblick zu genießen. Im Ort angekommen, führen schmale gepflasterte Gassen zum Ufer der breiten Naab.

An den Stufen entlang der Naab können Wanderer sitzen und zur Abkühlung entspannt die Füße in den Fluss baumeln lassen. In Flussnähe gibt es außerdem ein paar Cafés, Bistros, eine Pizzeria und Gasthäuser, in denen Wanderer einkehren können. Die Route verläuft von hier weiter auf der sogenannten „Steinernen Brücke“ über die Naab auf die andere Seite der Ortschaft.

Zum kleinsten Wirtshaus der Oberpfalz

Dort liegt eine Gaststätte, die auch als „kleinstes Wirtshaus der Oberpfalz“ bekannt ist: Der „Bürstenbinder“. Dunkle Holzbalken, blau-rot-weiß-karierte Gardinen, ein gusseiserner Ofen, gerahmte Schwarz-Weiß-Fotos und drei dunkelgrüne Tische prägen das urige Wirtshaus – Theke und Küche befinden sich im selben Raum. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und war ursprünglich das Haus eines Bürstenbinders, wie Inhaber Jürgen Böhm, der aus Fensterbach im Landkreis Schwandorf stammt, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien schildert. „Man wird in eine andere Zeit versetzt, wenn man hier reinkommt“, sagt Böhm.

Das Wirtshaus ist bekannt für seine speziellen Fingernudeln, die auch „Bauchstecherl“ oder „Bauchstecherla“ genannt werden. Sie sehen ähnlich aus wie Schupfnudeln, bestehen jedoch nicht aus einem Kartoffelteig, sondern aus einem Mehlteig. „Wenn man zu viel davon isst, dann stichts im Bauch. Daher stammt der Name“, erklärt Böhm. Ohne Stechen im Bauch, aber gut gesättigt, geht die Erkundungstour weiter durch die Ortschaft und anschließend wieder über die Brücke zurück auf die andere Seite von Kallmünz.

Das Haus ohne Dach

Kallmünz ist ein Künstlerort, da er im frühen 20. Jahrhundert Kunstschaffende und Kunstliebhaber anzog. Berühmte Künstler wie Wassily Kandinsky und Gabriele Münter fanden hier Inspiration fanden hier Inspiration. Der Markt zeichnet sich auch noch heute aus durch viele Galerien und eine Vielfalt an kleinen bunten Häusern und imposanten Altbauten. Durch die verwinkelten Gassen fahren auch viele Radfahrer, denn hier verläuft ein Abschnitt der 64 Kilometer langen Etappe des Fünf-Flüsse-Radwegs von Amberg durch das Vilstal nach Regensburg. Ein Höhepunkt auf der Wanderroute ist ein besonderes Gebäude. Im Ort befindet sich in einer 20 Meter hohen Felswand ein Gebäude, das auch als „Haus ohne Dach“ oder als „Haus unter dem Felsen“ bekannt ist.

Es handelt sich dabei um eine Höhle, die mit einer Mauer verputzt wurde. Von außen ist nur eine minzgrüne Fassade mit einer Tür und Fensterläden aus dunklem Holz in der Felswand zu erkennen. Wie die Verwaltungsgemeinschaft Kallmünz auf ihrer Internetseite schreibt, hat die Wohnhöhle mittlerweile aber auch ein Dach, das von außen nicht sichtbar ist. Außerdem sollen sich im Inneren ein Flur, ein Wohnraum, zwei Lagerräume und eine Räucherkammer befinden. Seit mehreren Jahrzehnten soll die Höhlenwohnung unbewohnt sein.

Rückweg entlang der Vils

Auf dem Rückweg schlängelt sich der Wanderweg am Waldrand entlang der Vils. Die Nähe zum Fluss und der Schatten im Wald sorgen auch bei sommerlichen Temperaturen für ein erfrischendes Wandererlebnis. Imposante Felswände, in denen sich kleine Höhlen befinden, ragen am Wegesrand empor. Deshalb sind auf diesem Streckenabschnitt neben Spaziergängern auch vereinzelt Kletterer anzutreffen.

Nach insgesamt etwa 8,4 Kilometern endet die Wanderroute wieder am Ausgangspunkt in Traidendorf. Alternativ bietet es sich bei gutem Wetter auch an, das Vilstal im Landkreis Amberg-Sulzbach und im angrenzenden Landkreis Schwandorf sowie die Gegend um Kallmünz auch mit dem Fahrrad oder sogar mit dem Kanu zu erkunden.

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Hintergrund:

Die Route auf einen Blick

  • Start und Ende: Traidendorf
  • Strecke: 8,4 Kilometer, 160 Höhenmeter
  • Dauer: Ungefähr 2 Stunden, 15 Minuten (ohne Einkehr)
  • Mittelschwere Strecke: Gute Grundkondition erforderlich, leicht begehbare Wege
  • Höhepunkte: Ausblick auf das Naabtal, Burgruine Kallmünz, Naab-Terrassen, Bürstenbinder, Haus im Fels, Weg entlang der Vils
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