01.07.2020 - 18:39 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar: Kein Platz für Schweigen

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Der Fall Maria Baumer bewegt seit Jahren die Gemüter. Jetzt steht der Verlobte wegen Mordes vor Gericht. Doch Gewalt gegen Frauen ist in Beziehungen ist leider alltäglich und endet nicht selten fatal, kommentiert Gabriele Weiß.

Der Angeklagte (links) steht mit Mundschutz im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil
Kommentar

Maria Baumer, 26 Jahre alt, engagierte Katholikin, Akademikerin aus Regensburg, aufgewachsen in Muschenried in der Oberpfalz. Heba A., 22, Muslimin, nach der Flucht aus dem Bürgerkriegsland Syrien in Altenstadt an der Waldnaab lebend, Mutter von zwei kleinen Kindern. Nichts scheint die beiden Frauen zu verbinden. Außer ihrem Geschlecht - und einem gewaltsamen Tod, der ihren Partnern zur Last gelegt wird. Im Falle von Heba A. ist das Urteil bereits gefällt, ihr Mann wurde im Herbst 2019 wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt. Im Fall Maria Baumer hat der Prozess, acht Jahre nach dem mutmaßlichen Mord, gerade erst begonnen. Und der Angeklagte, Maria Baumers langjähriger Verlobter, schweigt.

Nicht länger schweigen darf die Gesellschaft. 122 Frauen verloren hierzulande allein im Jahr 2018 ihr Leben durch die Hand von Männern, zu denen sie in einer Beziehung standen. Man könnte auch sagen: Jeden dritten Tag starb in Deutschland eine Frau durch die Hand eines Partners oder Ex-Partners oder auch nur Möchtegern-Partners. 122 Opfer jeglichen Alters, jeglicher Herkunft, und die bittere Wahrheit dahinter ist: Es kann jede Frau treffen, keine ist sicher.

Nicht immer, doch oft gingen den Taten Konflikte oder Tätlichkeiten voraus. Gewalt in der Partnerschaft, Stalking, aber auch "nur" öffentlich geäußerte Frauenfeindlichkeit, zum Beispiel in sozialen Medien oder Internetforen - das sind keine Kavaliersdelikte, sondern muss die Alarmglocken läuten lassen. Bei den Frauen, aber auch den Männern, von denen die große Mehrheit keiner Frau jemals etwas antut. Es geht um Menschenleben - da darf kein Platz sein für das Prinzip "Teile und herrsche", hier die Frauen, dort die Männer, hier die Einheimischen, dort die Zugewanderten.

Der Fall Maria Baumer im Überblick

Regensburg
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