17.11.2021 - 17:23 Uhr
Deutschland & Welt

Luisenburg-Festspiele: Weidener sorgt für Sicherheit bei Bühnenwaffen

Tote gibt es immer wieder auf der Luisenburg-Bühne. Aber eben nur gespielt. Fabian Schröter ist dort der "Herr der Waffen" und dafür verantwortlich, dass es so bleibt.

Eine hohe Anzahl an Bühnenwaffen kam 2018 bei "Andreas Hofer" zum Einsatz
von Holger Stiegler (STG)Profil

Der US-Schauspieler Alec Baldwin erschoss am Film-Set versehentlich eine Kamerafrau mit einer Waffe, die – aus welchen Gründen auch immer – mit scharfer Munition bestückt war. Kann so etwas eigentlich auch in Deutschland beim Filmdreh oder in einem Theater passieren? Fabian Schröter aus Weiden sorgt dafür, dass so etwas bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel nicht geschieht.

„Es ist praktisch ausgeschlossen, dass sich eine vergleichbare Tragödie in Deutschland wiederholt – weder beim Film noch im Fernsehen und auch nicht auf der Bühne“, erzählt der 37-Jährige, der seit 2018 Technischer Leiter bei den Festspielen im Fichtelgebirge ist. Von der Künstlerischen Leiterin Birgit Simmler sei er damals – es stand die Produktion „Andreas Hofer“ mit enormen Waffeneinsatz an – gefragt worden, ob er sich auch in das Thema Waffensachkunde einarbeiten würde. Und deshalb ist er auch so etwas wie der „Waffenmeister“ der Festspiele. Wenn immer wieder über ein Übermaß an Bürokratie in Deutschland geschimpft werde, dann trage dies aber auch dazu bei, dass schon allein aus rechtlichen Gründen es de facto unmöglich sei, mit einer gefährlichen – womöglich tödlichen – Waffe im Kulturbetrieb zu hantieren. „Jeder von uns kennt grob das Faible vieler Amerikaner für Waffen, die dann natürlich auch an Filmsets herumliegen“, sagt Schröter.

Etwa 20 Schusswaffen und 30 Fechtwaffen gehören zum Fundus

Auf der Luisenburg gibt es einen Waffenschrank, für den es auch nur einen einzigen Schlüssel gibt – und den hat Schröter am Bund mit Haus- und Autoschlüssel. „An den kommt niemand anders ran“, betont er. Wer dann in den Schrank schaut, wird auch schnell erkennen, dass es tödliche Unfälle wirklich nicht geben kann: Schreckschusspistolen mit Platzpatronen, reine Attrappen, stumpfe Säbel und Degen – nichts, was ein Blutbad anrichten kann. Etwa 20 Schusswaffen und 30 Fechtwaffen für die Bühne gehören zum Fundus. Eventuell zusätzlich benötigtes Equipment wird gekauft oder geliehen, jeweils abhängig vom Budget der Produktion. „Man braucht auch keine echten funktionsfähigen Waffen im Film oder auf der Bühne – das lässt sich alles auch anders lösen“, sagt der Experte. Eine Ausnahme gibt es auf der Luisenburg dann aber trotzdem: Die sogenannten Vorderlader, die vor 1871 gebaut wurden, gelten per Gesetz nicht als „echte Waffen“ – und ein Exemplar davon liegt auch im Waffenschrank. „Benutzt wird die Pistole mit Zündhütchen, die krachen und rauchen“, erklärt Schröter.

Bisher keine Probleme beim Thema Waffen

Trotz der schon sehr stark ausgeprägten Reglementierung für „Theaterwaffen“ gehen die Vorschriften noch weiter. „Ich kann natürlich nicht jedem Schauspieler einfach so eine Waffe aus dem Schrank geben“, betont Schröter. Die Szenen werden detailliert durchgesprochen und geprobt, die Akteure auf der Bühne genauestens in der Handhabung unterwiesen, auch eine so genannte „Gefährdungsbeurteilung“ wird erstellt. Zu den elementaren Grundkenntnissen, die beispielsweise vermittelt werden, gehört zum einen, dass man eine Pistole weder ans eigene Ohr noch an das eines Bühnenkollegen hält, und zum anderen, dass man nicht direkt auf eine andere Person zielt, wenn man abdrückt. „Jeder Schauspieler, der eine Waffe auf der Bühne benutzt, unterschreibt auch eine entsprechende Erklärung, dass er die Handhabung gemäß der Rolle verstanden hat“, so Schröter. Bisher habe er die Erfahrung gemacht, dass die meisten Schauspieler auch schon vor der Luisenburg mit Bühnenwaffen in Berührung gekommen sind. „Es fragt auch niemand, ob das echte einsatzfähige Waffen sind“, berichtet Schröter. Probleme beim Thema Waffen habe es bisher noch nicht gegeben.

Er selber sei durch die Tätigkeit nicht zum „Waffenfreund“ geworden. Zwar habe er sich für den Berechtigungsschein sehr viel theoretisches Wissen über Waffen angeeignet und am Schießstand habe er auch Übungen ableisten müssen. „Aber privat sind Waffen nicht mein Ding“, bekennt er.

Luisenburg-Festspiele: Mehr als 60.000 Zuschauer und trotzdem ein Defizit

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Info:

Zur Person: Fabian Schröter

  • Geboren in Cottbus
  • Studium Master of Engineering für Veranstaltungstechnik an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin,
    Anstellungen an der Staatsoper Unter den Linden Berlin, dem Admiralspalast Berlin und Aufträge für das ZDF im Ausstattungsdepartment der Spielshow MYSTERY CHALLENGE.
  • 2012 Umzug von Berlin nach Weiden, Tätigkeit in einem Unternehmen für bühnentechnische Anlagen und Steuerungstechnik der Bühnenmaschinerie
  • Arbeit an zahlreichen Theatern, von Mexiko über Europa bis Asien
  • Seit 2018 Technischer Leiter der Luisenburg-Festspiele
  • Spielt seit drei Jahrzehnten Waldhorn und war zwölf Jahre Gitarrist und Sänger der Band CLUZZTER
Info:

Luisenburg 2022

  • Vorverkaufsbeginn für die neue Saison startet am 3. Dezember um 8 Uhr
  • Eigenproduktionen: „Trolle unter uns“ (Familienmusical), „Amadeus“ (Schauspiel), „Sister Act“ (Musical), „Der Sturm“ (Komödie), „Zeitelmoos“ (Musical)
  • Gastspiele: Land des Lächelns (Operette), Hänsel und Gretel (Oper)
  • Konzerte: u.a. The Spirit of Falco, Chris de Burgh, Beth Hart, Django 3000, Haffner meets Landgren, The Magic of Queen Classic mit Markus Engelstädter
  • Weitere Infos unter www.luisenburg-aktuell.de

Zodwa Selele übernimmt in "Sister Act" die Hauptrolle. In dieser war sie auch jeweils die Premierenbesetzung in Hamburg, Stuttgart und Oberhausen.

 

 

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