27.07.2020 - 17:47 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Mehrere Erntehelfer infiziert: Söder kündigt weitere Maßnahmen für ähnliche Betriebe an

174 infizierte Erntehelfer auf einen Schlag: Der Corona-Hotspot auf einem niederbayerischen Gemüsehof fordert die Staatsregierung heraus. Es gibt nun schärfere Kontrollen und höhere Bußgelder.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, möchte nach dem Corona-Ausbruch auf einem Gurkenhof in Mamming ähnliche Betriebe in den Mittelpunkt weiterer Maßnahmen stellen.
von Jürgen UmlauftProfil

Nach dem Corona-Ausbruch mit zunächst 174 Saisonarbeitern auf einem Gurkenhof in Mamming (Kreis Dingolfing-Landau) will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ähnliche Betriebe in den Mittelpunkt weiterer Maßnahmen rücken. So sollen die Prüfintervalle bei landwirtschaftlichen Betrieben mit einer Großzahl an Saisonarbeitskräften verkürzt werden. Die staatlichen Kontrollen würden nun unangemeldet "bei Tag und Nacht" erfolgen. Söder will künftig "gemischte Teams" in die Betriebe schicken, die aus Experten der Gesundheits- und Agrarverwaltung sowie der Gewerbeaufsichtsämter bestehen. So soll ein umfassender Blick auf die Einhaltung von Bestimmungen erreicht werden.

Kostenlose Tests für Bevölkerung in der betroffenen Region

Die Staatsregierung reagiert damit auf Hinweise, dass der Betreiber des Hofes offenbar gegen Vorgaben des mit den Behörden abgesprochenen Hygienekonzepts verstoßen hat. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wurden anders als vereinbart keine festen Teams auf die Erntewagen gesetzt, zudem vermischten sich die Gruppen wohl auch in der Freizeit. In diesem Zusammenhang kündigte Söder die Erhöhung der Bußgelder für Regelverstöße von 5 000 auf 25 000 Euro an. Dies diene dazu, den "Eigenanreiz" der Betriebe zu erhöhen. Man nutze den möglichen Strafrahmen voll aus. Zudem soll es nun verpflichtende Corona-Tests für alle in Bayern tätigen Saisonarbeitskräfte geben. Man wolle ein "klares Bild für ganz Bayern" erhalten, erklärte Huml.

Um eine Verbreitung des Virus auf benachbarte Gemüsehöfe zu unterbinden, sollen diese in den kommenden Tagen durchgetestet werden. Söder geht gegenwärtig davon aus, dass das Ausbruchsgeschehen "lokal eingrenzbar" ist und die Quarantäne auf den betroffenen Betrieb beschränkt bleiben kann. Auf diesem wurden am Wochenende 174 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Diese stehen nun genauso unter Quarantäne wie weitere rund 300 bislang nicht infizierte Saisonarbeiter. Der Bevölkerung in der betroffenen Region werden kostenlose Tests angeboten.

Wohnverhältnisse von Saisonarbeitern in Fokus nehmen

Die SPD im Landtag hat die Reaktion der Staatsregierung auf den Fall Mamming begrüßt, allerdings komme diese reichlich spät. Ihre Fraktion habe schon vor einem Monat in einem von der Regierungskoalition abgelehnten Dringlichkeitsantrag entsprechende Vorschläge gemacht, erklärte die SPD-Abgeordnete Diana Stachowitz. Sie forderte, die beengten Wohnverhältnisse von Saisonarbeitern stärker in den Fokus zu nehmen. Es brauche ein Wohnraumaufsichtsgesetz, um Mindeststandards für die Unterbringung zu benennen. Scharfe Kritik kam von Julika Sandt (FDP). "Beim arroganten Umgang der Staatsregierung mit dem Gesundheitsschutz von Erntehelfern war es nur eine Frage der Zeit, wann es wieder Corona-Herde in Bayern geben würde", sagte sie.

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