München
20.06.2023 - 17:38 Uhr

KZ-Gedenkstätten: Zeichen der Entspannung im Streit um Fianzierung

Unter dem Eindruck unsicherer Förderzusagen des Bundes feiert die Stiftung Bayerische Gedenkstätten 20. Geburtstag. Redner heben die aktuelle Bedeutung der Gedenkstätten hervor. Für die offenen Finanzfragen deutet sich eine Lösung an.

Hier im ehemaligen KZ-Steinbruch soll demnächst die Gedenkstätte erweitert werden. Dafür sind auch Mittel aus Berlin nötig. Archivbild: Wolfgang Würth
Hier im ehemaligen KZ-Steinbruch soll demnächst die Gedenkstätte erweitert werden. Dafür sind auch Mittel aus Berlin nötig.

Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, blickt optimistisch auf die Verhandlungen mit dem Bund zur weiteren Förderung der Gedenkstättenarbeit. "Ich bin sehr guten Mutes, dass das funktionieren wird", sagte Skriebeleit am Rande des Festaktes "20 Jahre Stiftung Bayerischen Gedenkstätten" in der Münchner Residenz auf Nachfrage. Zuvor hatte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Claudia Roth (Grüne), in ihrer Rede ohne nähere Einzelheiten betont, der Bund werde die Arbeit der Gedenkstätten "weiter nach besten Kräften unterstützen". Für Skriebeleit war die Anwesenheit Roths vor diesem Hintergrund "mehr als nur Symbolik".

Zuletzt hatte es Verwirrung bezüglich der Förderung weiterer Bau- und Ausstellungskonzepte in den Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg seitens des Bundes gegeben. Ursprüngliche Förderanträge hatte die Bundesregierung zunächst unter Hinweis auf nicht eingehaltene Förderkriterien abgelehnt. So hatte es Roth den Gedenkstätten noch im März mitgeteilt. Nun scheint es aber neue Fördermöglichkeiten zu geben. In Flossenbürg steht die Einbeziehung des ehemaligen Steinbruchs des KZ in die Gedenkstätte und eine Weiterentwicklung des Ausstellungskonzepts an.

Defizite erkannt

Skriebeleit erklärte, der Bund habe inzwischen die seit vielen Jahren bestehenden Defizite in seiner Gedenkstättenförderung erkannt. Deren Strukturen seien "dringend reformbedürftig", um den wachsenden Anforderungen an die Gedenkstättenarbeit gerecht zu werden. Die Gedenkstätten würden wegen der immer kleiner werdenden Zahl an Zeitzeugen des NS-Terrors und des Erstarkens des Antisemitismus in Deutschland immer wichtiger. Er begrüße deshalb das klare Bekenntnis aller Redner auf dem Festakt, die Gedenkstätten intensiv stärken zu wollen. Mit ihren Anträgen auf zusätzliche Bundesförderung dafür fungierten die bayerischen Gedenkstätten als "Eisbrecher" für die Gedenkorte in ganz Deutschland.

In ihrer Rede hob Roth hervor, die Erinnerung an die Gräuel des Nationalsozialismus sei nicht allein staatlicher Auftrag. Deshalb sei die Arbeit der Gedenkstätten nicht nur für die Erinnerungskultur von besonderer Bedeutung. "Die Gedenkstätten schützen und bewahren nicht nur die Erinnerung, sondern auch die Garantie der Menschenwürde", sagte sie. Deutschland und die Deutschen bräuchten deshalb die Gedenkstätten und Einrichtungen wie die sie in Bayern tragende Stiftung.

"Ständiges Wachsein"

Der Direktor der Gedenkstättenstiftung, Karl Freller, betonte, es müsse in die Gedenkorte weiter investiert werden. "Wir wollen sie für die nächsten Generationen sichern", erklärte er. Dabei vertraue er auf die Hilfe des Bundes. "Dieses Gedenken ist für unsere Nation wichtiger denn je, das bedarf des ständigen Wachseins", mahnte Freller vor dem Hintergrund neuer antisemitischer Strömungen und des Erstarkens antidemokratischer Kräfte. Die Gedenkstätten seien Zeugen für die Verbrechen des Nationalsozialismus, Orte der Erinnerung an die Leiden der Opfer und Lernorte für künftige Generationen.

Staatskanzleiminister Florian Herrmann (CSU) stellte fest, es sei richtig gewesen, die Zuständigkeit für die bayerischen Gedenkstätten vor 20 Jahren in die gesamtgesellschaftliche Hände einer Stiftung gelegt zu haben. Sie seien heute die zentralen Erinnerungsorte im Land. Mit Blick auf die noch ausstehende Förderung des Bundes sagte er, Investitionen in die Gedenkstätten seien "jeden Cent wert". Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hob im Sinne eines "Nie wieder!" die Bedeutung der Erinnerung an die "dunklen Stunden" der deutschen Geschichte hervor. "Jeder Bürger sollte sich diese Orte anschauen, deshalb werden wir sie weiterentwickeln", kündigte er an.

 
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