20.12.2020 - 10:54 Uhr
NeukirchenDeutschland & Welt

Regale voller Sand: Echtere Souvenirs gibt's nicht

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Viele Menschen sammeln - etwa Briefmarken, Münzen oder Spielzeug. Das Herz des Neukircheners Siegfried Melchner indes schlägt für ganz andere Objekte.

Siegfried Melchner inmitten seiner Sammlung.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Materiellen Reichtum bietet die Sammlung von Siegfried Melchner nicht, ideellen hingegen umso mehr. In selbst gebauten Vitrinen bewahrt der Rentner Aberhunderte Flaschen und Fläschchen auf, gefüllt mit - Sand. "2148 verschiedene Sorten habe ich jetzt", erzählt Melchner, "aus 190 Ländern". Die Vereinten Nationen zählen derzeit 193 Staaten.

Melchners Sandsammlung geht auf sein großes Hobby zurück, "ich reise gerne". 58 Länder hat er seit Mitte der 1970er Jahre besucht. Von seiner ersten Fernreise, die ihn Mitte der 80er auf die Philippinen führte, nahm er erstmals Sand als Souvenir mit nach Hause in die Oberpfalz: "Das ist was Echtes."

Um seine Sammlung zu erweitern, lässt der ehemalige Fahrdienstleiter sich auch Sand von anderen Urlaubern mitbringen. So kommt er mitunter an ganz besondere "Exponate", etwa vom Meeresgrund: "Ein Kollege fährt gerne tauchen." Auch sonst sind Bekannte gern behilflich und versorgen Siegfried Melchner etwa mit kleinen Infusions- oder Schnapsflächen, in denen er den Sand in seinen Vitrinen angemessen präsentieren kann. Manchmal hat er auch getauscht - vor allem mit einer Bekannten aus Hamburg, die seine ungewöhnliche Leidenschaft teilt. Allzu viele Sandsammler gebe es allerdings nicht, sagt Melchner. Und inzwischen ist es mancherorts sogar verboten, Sand mitzunehmen, um die Natur zu schützen.

Nach 35 Jahren kommt der Neukirchener mit seinem Hobby jetzt allmählich an seine Grenzen. "Ich freue mich, dass ich schon so viel habe und muss nicht unbedingt noch die 3000 oder so vollmachen." Außerdem geht allmählich der Platz aus: Zwei Zimmer im Haus seien bereits mit der Sandsammlung belegt. Angebote von Bekannten, ihm vom Strandurlaub auf den Balearen oder Kanaren eine Probe mitzubringen, schlägt Melchner daher inzwischen aus. Manchmal betrachtet er die feinen Körnchen auch unter dem Mikroskop und erfreut sich an den Formen und Farben. Wobei "schnöder" beiger Sand von der Ostsee viel eindrucksvoller sei als der rein weiße Sand mancher "Traumstrände".

Seine weitesten Reisen führten den 64-Jährigen an den Südzipfel Südamerikas und auf die Philippinen. Zuletzt tourte er 2019 mit seiner Frau durch Berg-Karabach im Kaukasus. Bringt ihm jemand von anderen fernen Zielen Sand mit, "schaue ich mir das auf Google Earth an, wo der Kollege gewesen ist". Und welche Länder fehlen nun noch in der Sammlung? "Ost-Timor, der Süd-Sudan - und Serbien." An Sand aus dem Balkanstaat komme er schon noch, glaubt Siegfried Melchner, "zur Not setz ich mich einfach mal in den Zug und fahr runter". Bei Ost-Timor und dem Süd-Sudan allerdings hat er Zweifel: "Freilich wäre es ein schönes Ziel, Sand aus allen Ländern zu haben. Aber mir langt es so auch schon."

Auch hinter einem Adventstürchen: IGZ in Falkenberg

Falkenberg
Hintergrund:

Vorsicht beim Sammeln

Siegfried Melchner sammelt Sand von Stränden, Wüsten und Flüssen aus der ganzen Welt. Seinen Ehrgeiz, Sand aus allen Ländern der Erde zu besitzen, teilen zwar nicht viele - ein wenig Sand als Souvenir aus dem Strand-Urlaub mitzunehmen, ist jedoch nicht ungewöhnlich. Doch Vorsicht: Das ist nicht überall erlaubt. Zum Teil erwarten Touristen happige Srafen, etwa auf der italienischen Insel Sardinien oder in der Türkei. Weil die Regeln von Land zu Land unterschiedlich sind, sollten Urlauber sich vorher informieren, was erlaubt ist. (m)

Alle Advents-Tür-Geschichten

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.