Sturm-Retrospektive "Spielfelder der Wirklichkeit" in Neumarkt

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Zur Wieder-Eröffnung setzt das Lothar-Fischer-Museum einen farb- und formgewaltigen Akzent und zeigt in einer neuen Sonderausstellung bis zum 4. Juli Werke des in Furth im Wald geborenen und in München gestorbenen Malers Helmut Sturm.

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von Anke SchäferProfil

Für das Neumarkter Haus ist diese in Kooperation mit der Kunsthalle Emden, dem Kunstmuseum Ravensburg und dem Archiv Helmut Sturm konzipierte Werkschau in doppelter Hinsicht eine gute Wahl: Bildhauer Lothar Fischer, dem das seit 2004 bestehende Museum gewidmet ist, war Sturms Freund und Weggefährte und zählt wie dieser zu den Mitbegründern der Künstlergruppe „SPUR“. Museumsleiterin Dr. Pia Dornacher wiederum hat über „SPUR“ promoviert und ist daher auch mit Helmut Sturms Œuvre bestens vertraut.

Daher fällt es ihr im Telefoninterview auch nicht schwer, die Charakteristika in Helmut Sturms Schaffen auf den Punkt zu bringen: Zum einen die Farbmächtigkeit seiner Bilder und zum anderen seine beständige Auseinandersetzung mit dem Thema Raum. Der dynamische Stil manifestiert sich in Arbeiten, die immer über den Bildrahmen hinaus gehen. Auch die Weitergabe seines Wissens habe der unter anderem als Professor an der Akademie für Bildende Künste München tätige Helmut Sturm immer ernst genommen: „Er war ein Vermittler und Dauerdiskutierer“, so die Museumsleiterin.

Spezieller Schlusspunkt

Bei der Auswahl der insgesamt 60 Exponate lag der Fokus unter anderem auf solchen Werken, die nicht schon bei der großen SPUR-Retrospektive vor einigen Jahren zu sehen waren. Zudem entspinnt sich an manchen Stellen ein spannender Dialog mit Lothar Fischers Arbeiten, der zeigt , wie Helmut Sturm bestimmte Einflüsse malerisch umgesetzt und Lothar Fischer wiederum die Sicht des Malers plastisch ausgedrückt hat.

Der Schlusspunkt der Ausstellung bleibt allerdings einem ganz anderen vorbehalten: Eigens für die Retrospektive hat der 1977 in Nürnberg geborene und sich intensiv mit Sturms Werk auseinandersetzende Künstler Felix Boekamp eine Installation entwickelt, die alte Filme integriert und damit wieder auf Helmut Sturm als unermüdlichem Wissensvermittler Bezug nimmt.

Öffnung dank Inzidenz unter 100

Ursprünglich war der 28. März als Eröffnungstag der Sonderausstellung angedacht, aber nicht zuletzt die monatelange Schließung hat Pia Dornacher zu einer pragmatischen Vorverlegung veranlasst. So ist die Sonderausstellung bereits seit Wieder-Öffnung des Museums am 11. März jeweils Mittwoch bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Dabei gelten allerdings die jeweils aktuellen Corona-Regelungen, das heißt ein Besuch ist derzeit nur mit telefonischer Voranmeldung und Dokumentation unter Tel.: 09181/510 348 und mit FFP2-Maske möglich. Der Katalog zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag erschienen und im Museum für 29,90 Euro erhältlich.

Bei allen Einschränkungen ist die Museumsleiterin froh und dankbar, überhaupt wieder die Tore für BesucherInnen öffnen zu dürfen: „Das fühlt sich sehr, sehr gut an“. Und auch wenn der städtische Etat glücklicherweise nicht wesentlich gekürzt worden sei, das Fehlen der Eintrittsgelder während der Lockdown-Phasen schmerzt doch sehr.

"Kreativtüte" für Schulkinder

Zusätzlich bedauerlich ist, dass die innovativen und bemerkenswerten Inklusionsangebote derzeit nicht stattfinden dürfen. Die speziell konzipierten Führungen für Gehörlose oder Menschen mit Demenz sind momentan ebenso tabu wie die zahlreichen Aktionen für Kinder. Dabei ist Pia Dornacher gerade dieser Ansatz sehr wichtig: „Wir wollen kein elitäres Museum sein, sondern ein Museum für alle“. Als kleines Trostpflaster hat man sich für Schulkinder eine „Kreativtüte“ zu Ostern einfallen lassen.

Schwierig wird es für den Kulturbetrieb aber wohl noch länger bleiben, schätzt die Museumsleiterin. Vor allem bis alles erst einmal wieder hochgefahren ist. Bleibt die Hoffnung, dass die Menschen nach dieser schwierigen Zeit vielleicht dankbarer sind für das kulturelle Angebot und Kunst und Kultur wieder mehr zu schätzen wissen.

Sulzbacher Künstler der Gruppe 81 feiern

Sulzbach-Rosenberg
Maler Helmut Sturm in seinem Atelier
Ohne Titel
Zur Person: Helmut Sturm:

- geboren am 21. Februar 1932 in Furth im Wald

-1938–1952 Schulzeit in Furth im Wald und Cham in der Oberpfalz, Abitur

-1952–1958 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München,

-1957 Intensivierung des Kontakts zu Lothar Fischer und Heimrad Prem, Bekanntschaft mit HP Zimmer an der Akademie der Bildenden Künste

-1957/1958 Mitbegründer der Künstlergruppe SPUR

-1965 SPUR arbeitet mit der Münchner Gruppe WIR zusammen, Herausgabe der Zeitschrift SPURWIR

-1966 SPUR und WIR geben sich den Gruppennamen GEFLECHT

-1970 Mitbegründer des Kinderforums, Forumgalerie van de Loo, München (Mitarbeit bis 1980)

-1976 Mitbegründer der Künstlergemeinschaft KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE

-1980–1982 Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Berlin

-1985–1998 Professur für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, München

-1986 Fritz-Winter-Preis

-1994 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München

-2007 Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

- gestorben am 19. Februar 2008 in München

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