Mann schießt vor Kindergarten und Schule auf sich

Vor einer Schule und dem angrenzenden Kindergarten in Neunkirchen bei Weiden kommt es zu einem Drama. Ein Mann schießt sich auf offener Straße in den Kopf. Polizisten vor Ort können das nicht mehr verhindern.

von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Der 23-Jährige fällt am Mittwochmorgen gegen 8 Uhr mit einer Waffe im Umfeld der Montessori-Schule und des Kindergartens St. Dionysius auf. Nach einem Notruf rückt die Polizei mit einem massiven Aufgebot an. "Unter Leitung der Polizeiinspektion Weiden entwickelte sich unmittelbar nach Eingang der Meldung, dass sich vor dem Kindergarten ... ein bewaffneter Mann aufhält, ein Großeinsatz", fasst das Polizeipräsidium Oberpfalz später die Ereignisse zusammen.

Gegen 8.15 Uhr entdecken Beamte den Weidener an einer Bushaltestelle vor den beiden Einrichtungen. Er richtete "unvermittelt eine Schusswaffe gegen sich selbst", heißt es im Bericht. Der 23-Jährige drückt mindestens ein Mal ab. Rettungskräfte sind rasch am Einsatzort und versorgen ihn. Eine halbe Stunde später fährt ein Krankenwagen ins Klinikum Weiden - begleitet von zwei Streifenfahrzeugen. Er wird wegen schwerster Kopfverletzungen behandelt. Noch am Nachmittag ist sein Zustand lebensbedrohlich, wie die Pressestelle des Präsidiums mitteilt.

Weitere Menschen seien nicht verletzt worden, schreibt die Polizei. Kinder, die bereits im Kindergarten waren, hätten den Vorfall nicht beobachtet. "Wir haben keine Lage mehr", erklärt bereits kurz nach dem Vorfall Polizeihauptkommissar Thomas Fritsch von der Polizeiinspektion Weiden vor Ort. Polizei und Rettungsdienst leiten umgehend Betreuungsmaßnahmen für Kinder, besorgte Eltern und Betreuer ein. Notfallseelsorger und Experten für Krisenintervention sind im Einsatz. Viele Eltern holen ihre Kindergartenkinder noch im Lauf des Vormittags ab.

Was führte zu dem Drama? "Nach derzeitigem Ermittlungsstand liegt das Motiv für die Handlung des 23-Jährigen im privaten Bereich", heißt es bereits am Vormittag beim Polizeipräsidium. Später dann: "Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse ergab sich der Tatort vor dem Kindergarten zufällig. Einen persönlichen Bezug des Mannes zu der Einrichtung gibt es nicht." Auf Nachfrage stellt das Präsidium klar, dass der 23-Jährige keine Kinder in einer der Einrichtungen hat und dass es sich bei ihm nicht um einen Ausländer handele.

Nach Informationen von Oberpfalz-Medien soll der Mann allerdings vor der Bluttat eine weitere Person in das Gebiet begleitet haben. Auf Nachfragen dazu hält sich die Polizei bedeckt. Es werde wegen des Suizidversuchs ermittelt. "Zu allem anderen machen wir keine Angaben."

Die Ermittlungen führt das Kommissariat 1 der Kriminalpolizei Weiden. Einige Fragen bleiben am Mittwoch offen. So nach der Zahl der Schüsse. Das Präsidium kann nur bestätigen, dass mindestens ein Schuss gefallen ist. Allerdings wurden mindestens zwei leere Patronenhülsen gefunden. Polizisten hätten keinen Schuss abgegeben, und es gebe keine Erkenntnisse, dass Dritte geschossen hätten. Die Polizisten, die Zeugen des Suizidversuchs wurden, hätten sich "nicht in irgendeiner Form verteidigen" müssen. Bei der Waffe handelt es sich um eine Kleinkaliber-Pistole. Diese habe der 23-Jährige legal besessen.

Interview mit Florian Beck, Sprecher das Polizeipräsidiums Oberpfalz

Experten-Tipps: Wie erkläre ich einen Vorfall wie in Neunkirchen meinem Kind?

Neunkirchen bei Weiden in der Oberpfalz

Hier erhalten Sie Hilfe der Telefonseelsorge

Amberg

Überbringer der Nachricht - Ein Kommentar

Neunkirchen bei Weiden in der Oberpfalz
Zurückhaltung bei Suizid:

Suizid - ein sensibles Thema, mit dem Redaktionen immer wieder konfrontiert sind. Dazu gibt es in unserem Haus eine klare Linie: Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Auch aus folgendem Grund: Es müssen Nachahmungstaten befürchtet werden. Die Zurückhaltung gilt vor allem für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände. Meist wird über Suizid nicht geschrieben. Nicht vermeiden lässt sich eine Berichterstattung aber, wenn die Selbsttötung in aller Öffentlichkeit stattgefunden hat, sie große Aufmerksamkeit erregt hat. Oder es handelt sich um eine bekannte Persönlichkeit. Einen Suizid im privaten Bereich wird die Redaktion kaum publik machen. (kan)

Telefonseelsorge:

Wenn Sie sich in einer verzweifelten Lage befinden, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt haben.

Die Telefonseelsorge im Internet

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.