07.11.2019 - 16:24 Uhr
NittenauDeutschland & Welt

Der wilde Westen hinterm Haus

Vor all jenen, die mit Winnetou, Wolfsblut oder Wyatt Earp groß geworden sind, bereitet Heinrich Mayer ein Stück ihrer Kindheit aus. Alle anderen bekommen eine Ahnung davon, wie es war, in den 60er Jahren auf dem Land aufzuwachsen.

Heinrich Mayer zeigt bei der Vorstellung seines Buches "Der Ameisenbaum" was Kindern und Jugendlichen in den 60er Jahren wichtig war.
von Irma Held Kontakt Profil

Autos hatten damals die wenigsten, Fernseher auch nicht. Und Urlaub war für die meisten sowieso ein Fremdwort. Doch zwei Dinge hatten die Kinder im Überfluss: Freiheit und Fantasie. Und genau davon erzählt der 66-Jährige in seinem Buch "Der Ameisenbaum". Der wilde Westen und so manches Abenteuer fing praktisch hinterm Haus an. So manche "Kämpfe" unter den Dorfbuben hatten ihre Vorbilder in Büchern mit mutigen wie gerechten Revolverhelden. Kinder lebten in diesen Welten, deshalb beginnt der pensionierte NT-Redakteur und langjährige stellvertretende Ressortleiter im Landkreis Schwandorf seine erste von zehn Jugenderinnerungen mit den Sätzen: "Es war heiß, an jenem Sommernachmittag Anfang der 60er Jahre. Die Sonne von Arizona brannte erbarmungslos auf die kleine Stadt in Süddeutschland nieder." Und ein paar Zeilen weiter: "Selbst damals in Tombstone strich ein laues Lüftchen um den O.K. Corral."

Heinrich Mayer, in Schönsee aufgewachsen, verzichtete bewusst auf den Ortsbezug, denn Kindheit auf dem Land verlief zu dieser Zeit in etwa gleich. Jeder anständige Bub war zum Beispiel Ministrant. Für die Familie war das eine Ehre, für die Buben die Gewissheit, weniger Zeit zu haben, auf der Lauer zu liegen oder mit dem "Ferzari" Rennen aus zutragen. Eine nicht unwesentliche Rolle im "Kampfgeschehen" der Mayerschen Kinheit spielte der "Der Ameisenbaum", weshalb er auch für den Titel Pate steht.

Die amüsanten und zugleich hintergründigen Geschichten erhalten eine humorvolle optische Note durch die Illustrationen von NT-Redakteurin Monika Bugl. Die kleinen Krabbler als Haufen auf dem Cover, haben sich eine Ameisenstraße durch das Buch gebaut. Sie verbinden die einzelnen in sich abgeschlossenen Episoden.

Und noch eines fällt angesichts von Helikoptereltern und allgegenwärtigen Aufgeregtheiten auf: Die Eltern erfuhren meist gar nichts von den Streichen. Wenn doch, gab es Hausarrest, "denn (fast nichts wurde damals bierernst oder nachtragend zu den Akten gelegt", schreibt der Autor im Vorwort. Über die Vorkommnisse einer Walpurgisnacht zum Beispiel bereiteten alle Beteiligten den Mantel des Schweigens. Heinrich Mayer hat seit Anfang der 90er Jahre als Ausgleich zum Redakteursberuf angefangen, seine Kindheits- und Jugenderinnerungen aufzuschreiben. Nach der Pensionierung reifte zu hause in Nittenau der Entschluss, diese nicht nur für sich zu behalten, sondern zu veröffentlichen. Zehn Episoden enthält "Der Ameisenbaum" und entstanden ist aus diesen Einzelstücken ein Mosaik einer Kinder- und Jugendzeit, von dem sich Heinrich Mayer wünscht, dass es ein junger Mensch mit "hey, voll krass" oder "echt cool" goutiert.

Heinrich Mayer "Der Ameisenbaum", Kindheits-und Jugenderinnerungen aus den 1960er Jahren mit Illustrationen von Monika Bugl. ISBN 978-3-7494-8596-6, Books on demand, 118 Seiten, 14,90. Erhältlich auch in allen Buchhandlungen im Landkreis Schwandorf sowie Bürobedarf Bienz, Oberviechtach, Auto Brunner, Bruck, und Tourismusbüro, Nittenau.

Heinrich Mayer Der Ameisenbaum
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