23.01.2020 - 18:14 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Die Crux mit dem Notarzt

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) schlägt Alarm: Zwischen dem 1. Dezember und 6. Januar hätten landesweit in über 5800 Stunden Notärzte gefehlt. Dies habe eine Umfrage an allen Standorten ergeben.

Notfallsanitäter und Notärzte arbeiten eng zusammen, ihre Kompetenzen sind jedoch streng geteilt.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

In München beklagte BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi am Freitag gegenüber Pressevertretern, dass es vor allem über die Weihnachtsfeiertage und an Neujahr zu Versorgungsengpässen gekommen sei. Besonders betroffen seien ländliche Regionen, wo ohnehin Ärztemangel herrsche. Spitzenreiter ist das oberfränkische Kronach mit 1010 Stunden, in denen Notärzte fehlten. Auf Platz 3 in der BRK-Statistik liegt das niederbayerische Kelheim mit 411 Stunden.

In der nördlichen und mittleren Oberpfalz indes stellt sich die Situation größtenteils entspannt dar. Der Rettungsdienst sei zwischen 1. Dezember und 6. Januar "zu 99 Prozent ausgelastet" gewesen, sagt etwa BRK-Rettungsdienstleiter Peter Lischker in Weiden. "Aber es gab, abgesehen von wenigen Stunden, keine nennenswerten Ausfälle in der Notarztversorgung unserer vier Standorte." Seine Kollegen Joachim Seeliger vom BRK in Schwandorf, der für sechs Standorte die Verantwortung trägt, und Holger Schedl aus Tirschenreuth (3 Standorte), bestätigen das jeweils für ihren Bereich.

Etwas anders sieht es im Bereich Amberg/Sulzbach aus. BRK-Rettungsdienstleiter Erwin Gräml berichtet von Problemen an den Notarztstandorten in Hirschau und Sulzbach-Rosenberg. "Es waren wohl ungefähr 12 Dienste zu je 12 Stunden nicht besetzt." Vor allem an den Feiertagen habe es Schwierigkeiten gegeben. Die Patientenversorgung sei dennoch sichergestellt, betont Gräml: "Es kommt dann entweder ein Notarzt von einem anderen Standort oder die Rettungssanitäter ergreifen Maßnahmen, die sie erlernt haben, normalerweise aber nicht durchführen, wenn ein Arzt da ist."

Hier setzt auch die Kritik von BRK-Sprecher Taheri-Sohi an. "Wir wollen, dass der Notfallsanitäter das Gelernte zur Verbesserung des Zustandes der Patienten anwenden darf", sagte er laut Deutscher Presseagentur am Freitag in München. Da einige dieser Maßnahmen allein Ärzten vorbehalten seien, begäben sich Notfallsanitäter in rechtliche Grauzonen, wenn sie diese dennoch durchführten.

Tatsächlich hat das Land Bayern bereits im Juli eine Gesetzesinitiative im Bundesrat gestartet, um Notfallsanitätern mehr Handlungsspielraum einzuräumen. Die Landesärztekammer hat dem Vorschlag auf ihrem 78. Bayerischen Ärztetag im Oktober allerdings eine klare Absage erteilt. Auch die Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (agbn) lehnt die zusätzliche Übertragung von ärztlichen Kompetenzen auf die Berufsgruppe der Notfallsanitäter ab. In einer aktuellen Stellungnahme zur Forderung des BRK heißt es unter anderem: "Die Notfallsanitäter sind sehr gut geschult und trainiert. Was diese Ausbildung aber nicht ersetzen kann, ist die ärztliche Kompetenz der differenzierten Anamnese, der Diagnose- und der Indikationsstellung. Ebenso nicht der für invasive Notfallmaßnahmen zusätzlich erforderliche klinische Erfahrungs- und Fertigkeitserwerb, insbesondere auch was das rechtzeitige Erkennen und erfolgreiche Behandeln von etwaigen Komplikationen betrifft."

Notfallsanitäter:

Erste Änderungen

In kleinerem Umfang hat der Freistaat Bayern Notfallsanitätern bereits erweiterte Kompetenzen eingeräumt. Sie dürfen seit dem 1. Dezember ohne vorherige ärztliche Anweisung einen Zugang le­gen, eine Vollelektrolytlösung anschließen sowie vorgegebene Mengen Schmerzmittel (Piritramid) oder Glucoselösung als Kurzinfusion geben, wenn beim Patienten bestimmte Krankheitsbilder vorliegen (isolierte Extremitätenverletzung, Ver­brennung, Unterzuckerung, Verdacht auf Sepsis).

Für diese speziellen Indikationen wird nun keine telefonische Rücksprache mit einem Notarzt mehr empfohlen. Damit sollen Notärzte für andere Einsätze zur Verfügung stehen, wo sie dringender gebraucht werden.

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