16.02.2020 - 20:45 Uhr
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FW-Kandidat mit einschlägiger Vergangenheit

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Frühere Verbindungen in die rechtsextreme Szene bringen jetzt einen Funktionär und Stadtrats-Kandidaten der Freien Wähler in Bedrängnis. Er distanziert sich mittlerweile. Eine Spurensuche.

Im Juli 2017 feierten Mitglieder der rechtsextremen "Prollcrew" bei einem Neonazi-Festival in Thüringen. Unter den Besuchern war auch Florian Spiegler (zweite Reihe rechts). Er distanziert sich mittlerweile.
von doa Kontakt Profil

Kein glückliches Händchen haben die Freien Wähler in Schwandorf bei der Erstellung ihrer Stadtratsliste bewiesen: Nachdem erst juristische Schwierigkeiten des OB-Kandidaten Ferdi Eraslan publik wurden, gerät jetzt der stellvertretende Ortsvorsitzende und Listenfünfte, Florian Spiegler, ins Visier. Er pflegte einst Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Obwohl er sich mittlerweile deutlich distanziert, besteht vereinzelt auch weiterhin Kontakt, wie Recherchen von Oberpfalz-Medien zeigen.

Florian Spiegler will für die Freien Wähler in den Schwandorfer Stadtrat.

Demnach bewegte sich Spiegler bis mindestens 2017 im Umfeld der „Prollcrew“, einer rechtsextremen Gruppierung, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. In diesem Zusammenhang beteiligte er sich auch an deren Aktivitäten.

Verfassungsschutz beobachtet "Prollcrew"

Schwandorf

So reiste er im Sommer 2017 mit Prollcrew-Mitgliedern zu dem Neonazi-Musikfestival „Rock gegen Überfremdung“ im südthüringischen Themar. Auf einem Foto von der Veranstaltung trägt Spiegler ein T-Shirt der rechtsextremistischen Hooligan-Band „Kategorie C“.

Fragwürdige Facebook-Postings

Weiter fiel der Jungpolitiker in der Vergangenheit auch mit fragwürdigen Postings auf seinem privaten Facebook-Profil auf, in denen er Rechtsaußen-Positionen vertrat, etwa in der Asyl-Frage. Im Winter 2017 veröffentlichte er zudem ein Foto mit mehren Waffen, aufgenommen an einem Schießstand in Tschechien: „Bissl spielen“, kommentierte er lapidar.

Mehr über die "Prollcrew"

Schwandorf

Seit rund einem Jahr engagiert sich Spiegler nun bei den Freien Wählern in Schwandorf – seither hat sich auch sein Außenauftritt gewandelt, radikale Positionen sind nicht mehr zu finden. Jedoch räumt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien ein, noch Kontakt mit Personen aus dem damaligen Prollcrew-Umfeld zu pflegen. Diese seien allerdings „geschäftlicher Natur“. Vom rechten Rand habe sich – laut eigener Aussage – bereits vor drei Jahren distanziert.

FW sprechen von "Jugendsünden"

„Ich habe jetzt meinen Platz in der politischen Mitte der Freien Wähler gefunden und bin froh, dass mir der Ortsverband diese Möglichkeit gegeben hat.“ Angesprochen auf seinen Besuch bei dem Rechtsrock-Festival relativiert er, dass er sich lediglich vor Ort ein Bild habe machen wollen. Mit dem dort verbreiteten Gedankengut habe er sich aber nicht identifizieren können.

FW-Stadtrat Eraslan hält zu seinem Kandidaten, dem er maximal „Jugendsünden“ attestiert. „Er hat sich uns gegenüber glaubhaft distanziert.“

Ärger mit der Justiz

Schwandorf

Der Ortsverband habe Kenntnis von Spieglers einschlägiger Vergangenheit gehabt, man habe sich dennoch entschieden, ihn für einen der vorderen Plätze zu nominieren. Aus FW-Kreisen heißt es, dass Eraslan die Reihung selbst vorgenommen habe, diese sei auch einstimmig beschlossen worden, aber: „Es gab intern Personen, die im Vorfeld Bedenken wegen der Kandidatur von Spiegler geäußert haben.“

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