30.01.2020 - 18:23 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Oberpfälzer in China über Coronavirus: "Nur noch Supermärkte sind offen"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Geschlossene Schulen, Kinos und Parks: Gegenüber Oberpfalz-Medien schildert Valentin Ziegler aus Luhe, wie er vor Ort die Situation in China erlebt. Er hält auch Kontakt mit seinen Schwiegereltern, die in der Krisenregion Wuhan festsitzen.

Valentin Ziegler aus Luhe hält sich derzeit in China auf. Oberpfalz-Medien erreicht er per Telefon.
von doa Kontakt Profil

Das chinesische Neujahrsfest hat sich Valentin Ziegler anders vorgestellt: Anstatt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter fröhlich zu feiern, sitzt der 33-Jährige mit seiner Familie in seinem Appartement in Shanghai fest. Ausnahmezustand im ganzen Land seit dem Ausbruch des Coronavirus! "Sowas habe ich noch nie erlebt! Städte werden abgeriegelt, die komplette Provinz Hubei mit fünfmal so viel Einwohnern wie Bayern ist praktisch dicht", schildert er Oberpfalz-Medien seine Eindrücke am Telefon.

Valentin Ziegler schildert Redakteurin Anna Dobler am Telefon seine Eindrücke

Die sonst permanent verstopften Straßen, Busse und U-Bahnen seien menschenleer. Wer nicht dringend raus muss, soll zuhause bleiben. "Schulen, Freizeitparks und Kinos sind dicht. Lediglich Kioske und Supermärkte haben noch geöffnet, damit sich die Menschen mit dem Nötigsten versorgen können." Selbst das chinesische Disneyland habe vorsorglich geschlossen. Wer vor die Türe geht, soll Menschenansammlungen meiden und Mundschutz tragen, empfiehlt die chinesische Regierung.

Weiden in der Oberpfalz

Seit sechs Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Oberpfälzer in der chinesischen Millionenmetropole. Die Eltern seiner Frau stammen aus der Krisenregion Wuhan, rund 800 Kilometer westlich. Der Kontakt mit ihnen ist nur per whatsapp und Telefon möglich, weil die chinesische Regierung Wuhan von der Außenwelt abgeriegelt hat. "Dort findet keinerlei öffentliches Leben mehr statt", berichtet der Luher. Der Verkehr ist seit einigen Tagen komplett eingestellt, auch sind keine Taxis mehr auf den Straßen unterwegs. "Um gewisse Gebiete überhaupt betreten zu dürfen, braucht es einen Sonderausweis."

Verschwörungstheorien kursieren im Netz

Deutschland und die Welt

Eigentlich, so schildert Ziegler weiter, hatte er ursprünglich sogar überlegt über die chinesischen Feiertage in seine Oberpfälzer Heimat reisen. Das wäre von Shanghai aus noch problemlos möglich, auch wenn Lufthansa und British Airways derzeit ihre Verbindungen nach China ausgesetzt haben. "Die chinesischen Fluglinien bieten aber noch entsprechende Flüge an."

Jeder wird kontrolliert

Schwieriger sei es derzeit innerhalb des Landes zu reisen: "Eine Kollegin hat gestern für eine Autofahrt, die eigentlich nur eine Stunde dauert, sechs Stunden benötigt, weil an den Provinzgrenzen und Mautstellen kontrolliert wird." Die Sicherheitskräfte prüfen bei jedem, ob er Fieber hat oder Symptome aufweist.

Im Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien führt ein Mitarbeiter Laboruntersuchungen zur Abklärung des Coronavirus durch.

"Das größte Problem ist im Moment die Langeweile", so Ziegler weiter. "Es ist nicht so einfach, wenn man den ganzen Tag nur in der Wohnung sitzen soll." Einen Teil seiner Arbeit erledigt er jetzt von zuhause aus. Ängstlich sei er nicht und das gelte auch für seine Familie samt Schwiegereltern. "Vorsichtig sind wir schon, aber ansonsten ist die Stimmung gelassen."

Chamer Unternehmen schließt chinesischen Standort

Deutschland und die Welt

Er ist auch in Kontakt mit der deutschen Botschaft in China: "Wir wurden zweimal per Mail angeschrieben, dass wir unnötige Reisen nach China vermeiden und nicht nicht ins Krisengebiet reisen sollen." Seiner Wahrnehmung nach hat die chinesische Regierung die Situation im Griff. Teilweise werden in Windeseile neue Krankenhäuser gebaut. Und er bleibt optimistisch: "Für März habe ich meinen nächsten Heimaturlaub geplant."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.