05.08.2021 - 19:02 Uhr
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Weiblich, männlich, divers: So viele Änderungen des Geschlechtes gab es in Weiden, Amberg und Schwandorf

In der Oberpfalz sind die Zahlen der als "divers" eingetragenen Personen ebenso wie in ganz Deutschland eher überschaubar. Eine andere Option wird in Amberg, Weiden und Schwandorf etwas häufiger genutzt.

Das genderneutrale Symbol und seine Herleitung in Regenbogenfarben.
von Celina Rieß Kontakt Profil

In den drei größten Städten der Nordoberpfalz haben sich bisher erst zwei Menschen bei der Angabe zum Geschlecht beim Standesamt "divers" eintragen lassen. Beide sind in Weiden wohnhaft, wie die Stadt mitteilt.

Die neue Option bei der Geschlechterdefinition gibt es seit 2018. Mit dem "Gesetz zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben" wird das Personenstandsgesetz (PStG) angepasst. Es besteht nun die Möglichkeit außer "männlich", "weiblich" sowie dem Offenlassen des Geschlechtseintrages auch die neue Bezeichnung "divers" zu wählen. Sie soll den Menschen eine Chance bieten, die sich den beiden gängigen Geschlechtern nicht eindeutig zuordnen lassen.

Wenn das Geschlecht eines Kindes bei der Geburt biologisch nicht eindeutig ist, erlaubt das neue Gesetz den Eltern, bei ihrem Kind neben den Einträgen weiblich oder männlich auch divers oder auch das Offenlassen der Geschlechtsangabe. Im Laufe des Lebens können sich Betroffene oder ihre Eltern dann auf einen anderen Eintrag festlegen. Der Eintrag kann dann gewechselt oder in eines der drei Geschlechter geändert werden. Es gibt dann eine sogenannte "Folgebeurkundung" beim Standesamt. In Amberg wurden in den vergangenen beiden Jahren zwei Neugeborene mit unbestimmtem Geschlecht eingetragen, eine Folgebeurkundung gab es bis dato noch nicht. In Schwandorf gab es eine Folgebeurkundung. In Weiden kam der Fall bisher nicht vor.

Wenig Interesse

In Deutschland sind die Zahlen ähnlich überschaubar. Lediglich 394 Menschen haben sich bis zum 30. September 2020 für den Geschlechtereintrag "divers" entschieden oder ließen den Eintrag offen. Das zeigen Ergebnisse einer Umfrage des Bundesinnenministeriums unter allen 16 Bundesländern, die der Zeitung "Welt" vorliegen. Zusätzlich dazu seien 19 Neugeborene als "divers" registriert worden.

Das sogenannte "dritte Geschlecht" betrifft Menschen, die sich selbst nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen lassen. Das Wort "divers" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie ungleichartig oder verschieden. Damit soll die geschlechtliche Identität der Personen geschützt werden, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Die Voraussetzung dafür ist das Vorliegen einer "Variante der Geschlechtsentwicklung", wie es im Gesetz heißt. Diese muss durch eine ärztliche Bescheinigung nachgewiesen werden. Es bedeutet, dass die Person auch biologisch weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuzuordnen ist. Allein das subjektive Empfinden ist dafür nicht ausreichend.

Die Alternative

Es gibt allerdings eine weitere Möglichkeit, über Umwege das dritte Geschlecht anzunehmen - das Transsexuellengesetz. Rechtlich sind die beiden Optionen "dringend voneinander zu unterscheiden", erklärt der Präsident des Amtsgerichts Nürnberg Michael Hauck. In Nürnberg werden alle Anträge nach dem Transsexuellengesetz aus dem Oberlandgerichtsbezirk Nürnberg bearbeitet - also auch die aus Weiden und Amberg.

Allerdings hält sich auch hier das Interesse derzeit eher in Grenzen: "Dieser zweite Weg wird nur selten gewählt", sagt Hauck. Er selbst habe diesen Themenbereich eine längere Zeit beim Amtsgericht bearbeitet. Bisher habe er aber noch nie erlebt, dass jemand das Transsexuellengesetz nutzt, um für sich die Bezeichnung "divers" im Personalausweis zu erlangen.

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Hintergrund:

Personenstandsgesetz versus Transsexuellengesetz

  • Personenstandsgesetz:
    - Nachweis von einem Arzt darüber, dass Geschlecht nicht definierbar ist
    - Betrifft ausschließlich biologische Faktoren
    - Wird beim Standesamt ins Geburtsregister eingetragen
  • Transsexuellensetz:
    - Persönliche Anhörung vor Gericht
    - Zwei Gutachten, die unabhängig voneinander ausgestellt wurden
    - Betrifft auch das subjektive Empfinden
    - Läuft über das Amtsgericht

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