21.09.2021 - 16:38 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Piazolo verspricht Pooltests an allen Grundschulen bis Ende nächster Woche

Die Einführung der Lolli-Pooltests an den Grundschulen sorgt vielerorts für Ärger. Während Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) auf ein baldiges Einspielen der Abläufe setzt, fordert die SPD seinen Rücktritt.

Ein komplettes, unbenutztes Set des sogenannten "Lolli-Test" (PCR-Pooltest) steht in einem Klassenzimmer einer Grundschule.
von Jürgen UmlauftProfil

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat mit Gelassenheit auf die massive Kritik von Schulleitern und Lehrerverbänden in Zusammenhang der Einführung der Lolli-Pooltests an den bayerischen Grundschulen reagiert. Am Montag sei an rund 30 Prozent der Grundschulen auf die Pooltests umgestellt worden, er rechne damit, dass bis Ende kommender Woche das Gros der anderen folgen werde. Piazolo sprach von einem "hochkomplexen und verwaltungsintensiven Verfahren" und dankte Schulleitern wie Lehrkräften für die Umsetzung.

"Es ist eine große Leistung der Schulen vor Ort, das umzusetzen", sagte Piazolo nach einer Kabinettssitzung am Dienstag. Der "Erstaufschlag" sei aus seiner Sicht positiv verlaufen, "auch wenn es da und dort am Anfang etwas ruckelt". Ähnliches sei schon vor Ostern bei der Einführung der Selbsttests zu beobachten gewesen. Das habe sich aber alles nach rund zwei Wochen eingespielt. "Ich denke, das wird dieses Mal genauso sein", sagte er. Der zusätzliche Aufwand lohne sich, weil er die Sicherheit an den Schulen weiter erhöhe. "Jeder positive Test bewirkt, dass ein Infizierter aus dem System genommen wird und weitere Ansteckungen vermieden werden", erklärte Piazolo.

Brandbrief des Schulleitungsverbandes

In einem "Brandbrief" an Piazolo hatte sich zuvor der Bayerische Schulleitungsverband heftig über eine unkoordinierte Einführung der Pooltests beschwert. Zum wiederholten Mal in eineinhalb Pandemie habe das Kultusministerium die Schulen mit Schnellschüssen und "unsäglicher Bürokratie" belastet, schrieb die Verbandsvorsitzende Cäcilia Mischko. "Die Einführung der Pooltests an den Grundschulen mit diesem Zeitdruck ohne soliden verifizierten Verwaltungsvorlauf ist unrealistisch", erklärte sie. Entgegen den "pressewirksamen Ankündigungen" Piazolos sei der Verwaltungsaufwand für die Pooltests an den Schulen immens. "Uns bleibt im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg, Herr Minister", schrieb Mischko.

Piazolo äußerte Verständnis für das Unbehagen und den Wunsch der Lehrkräfte, ungestört ihrer eigentlichen Profession als Pädagogen nachzukommen. Dies sei in der Pandemie aber leider nicht uneingeschränkt möglich, auch wenn Stück für Stück Normalität an die Schulen zurückkehre. Er gehe aber davon aus, dass sich die Lage weiter entspannen werde. Nach der aus ihrer Sicht "krachend gescheiterten" Einführung der Pooltests an den Grundschulen forderte die SPD-Bildungspolitikerin Margit Wild den Rücktritt Piazolos. Nach den Pannen um die Lernplattform "Mebis" und den Einbau von Luftreinigern in Klassenzimmern sei das die dritte Fehlleistung des Ministers in der Pandemie. "Piazolo bekommt die Krise an den Schulen nicht in den Griff", urteilte Wild.

Söder wirbt für Impfung

Unterdessen kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Ausweitung des Impfangebots an den Schulen an. Die Notwendigkeit einer höheren Impfquote ergebe sich schon aus der Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 bei den 12- bis 15-Jährigen. Sollte im kommenden Frühjahr auch ein Impfstoff für jüngere Kinder zugelassen sein, könne dies zu einer weiteren Entspannung führen. Aktuell liege die Inzidenz der 6- bis 11-Jährigen bei knapp 200. Die bayernweite Inzidenz gab das Landesamt für Gesundheit am Dienstag mit 87,4 an. Bei Ungeimpften lag sie bei 188, bei Geimpften bei 17. Vor diesem Hintergrund müsse die Impfquote weiter gesteigert werden, sagte Söder. Vollständig geimpft sind aktuell erst 61 Prozent der Bayern. Der Bundesdurchschnitt beträgt 63,3 Prozent.

Bilanz der Impfwoche

Weiden in der Oberpfalz

Gurgeltests gab es in der Oberpfalz schon vergangenes Schuljahr an einigen Schulen

Friedenfels
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Martin Pfeifer

Mal wieder das übliche aus dem Kultusministerium. Nach den Sommerferien 2020 behauptet man dort, man hätte mit Lüften ein Hygenie-Konzept, das nie wieder Distanz-Unterricht notwendig macht. Es kam anders. Auch die Einführung der Selbsttests an den Schulen schützte die Schüler in der dritten Welle nicht vor Distanz-Unterricht. Das die Einführung nicht so schön aalglatt klappte wie versprochen, war schon vorhersehbar. Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Masten im April 2020 hätte ohne tausende von Freiwilligen, die Masken genäht haben, nicht geklappt.

Alles Schnellschüsse die die Glaubwürdigkeit der Politiker untergruben. Mit dem Schnellschuß bei den PCR-Pooltests ist Herr Piazolo sich selbst treu geblieben. Wieder einmal auf den Rücken der Kinder.

22.09.2021
Josef Bodensteiner

Piazolo sprach von einem "hochkomplexen und verwaltungsintensiven Verfahren" und dankte Schulleitern wie Lehrkräften für die Umsetzung.

Schulen sollen das ohne brauchbares Konzept innerhalb von Tagen umsetzen. Das KuMi hatte Monate Zeit und startet wieder mit einem Schnellschuss.
Man weiß nicht , ist Piazolo der Kasperl oder der Seppl.

21.09.2021