26.11.2020 - 17:04 Uhr
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„Wir atmen alle dieselbe Luft“

Es war ein flammendes Plädoyer für die Energiewende: Bei einer Videokonferenz richtete der Regensburger Professor Michael Sterner den Blick auf die Chancen der erneuerbaren Energien und die Bedeutung von Wasserstoff als Energieträger.

„Klimaschutz ist eine Überlebensfrage für die Menschheit“, sagt Michael Sterner, Professor für Energiespeicher an der OTH Regensburg (Archivbild).
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

„Wir müssen rauskommen aus Kohle, Öl und Gas in allen Bereichen“, sagte Sterner, Professor für Energiespeicher an der OTH Regensburg, am Mittwoch bei der Online-Veranstaltung. „Wir wissen alle, dass es Zeit ist zu handeln.“ Eingeladen worden war er, um beim BBA („Best Business Award“)-Forum über das Thema „Wasserstoff – Energieträger der Zukunft“ zu sprechen. Doch Sterner spannte den Bogen weiter. „Jedes Kilo CO2, mit dem wir die Luft belasten, hinterlässt seine Fußspuren“, betonte er. „Und wir atmen alle dieselbe Luft, dieses Bewusstsein brauchen wir.“ Deshalb sei es so wichtig, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Kernenergie sei keine Alternative, weil sie das Problem des Atommülls auf die künftigen Generationen verschiebe.

In Bayern hätten Wind- und Solarenergie mit Abstand das größte Potenzial unter den erneuerbaren Energien, sagte Sterner. Allerdings blockiere die 10-H-Regelung der Staatsregierung viele Windräderprojekte, kritisierte er. Auch bei der Solarenergie gebe es noch Luft nach oben. Sterner sprach sich zum Beispiel dafür aus, vermehrt Mitarbeiterparkplätze von Firmen zu überdachen und auf den Dachflächen Photovoltaik-Anlagen anzubringen. Die Kosten würden sich in der Regel zügig amortisieren und die CO2-Einsparung wäre groß.

Ein weiterer Artikel über die Forschung von Professor Michael Sterner

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Essentiell für die Energiewende sei aber nicht nur die Erzeugung erneuerbarer Energien, sondern auch die Speicherung. Hier kommt auch der Wasserstoff wieder ins Spiel. Denn eine mögliche Speicherung eines temporären Überschusses von Wind- oder Solarenergie liegt in der Technologie „Power-to-Gas“. Dabei wird mittels Wasserelektrolyse und unter Einsatz elektrischen Stroms ein Brenngas, meist Wasserstoff, hergestellt, das zur späteren Verwendung gespeichert werden kann.

Sterner begrüßte, dass sich die Bundesregierung nach anfänglichem Zögern zu einer nationalen Wasserstoffstrategie entschlossen hat. Mittlerweile werde dem Wasserstoff als flexiblem Energieträger ein großes Potenzial zugewiesen und die Entwicklung neuer klimafreundlicher Wasserstofftechnologien mit einem Förderprogramm vorangetrieben.

Deutliche Kritik übte Sterner daran, dass Deutschland pro Jahr für 100 Milliarden Euro fossile Energie importiere. Viel besser wäre das Geld aus seiner Sicht hierzulande in erneuerbare Energien, Netze und Speicher investiert. Um das Ziel der Bundesregierung einzuhalten, Deutschland bis 2050 klimaneutral zu machen, müsse vor allem der CO2-Ausstoß adäquat bepreist – und die heimische Nutzung von erneuerbaren Energien vorangebracht werden. Dazu gehöre es die Erzeuger und Verbraucher von Energie – ähnlich wie bei regional hergestellten Lebensmitteln – wieder in Beziehung zu setzen. Den Klimawandel zu ignorieren, bringe nichts. Das zerstöre die Lebensgrundlagen der Menschen und sei letztlich viel teurer als jede Energiewende. Trotz aller Hürden zeigte sich Sterner optimistisch: „Paris ist zu schaffen, wenn alle relevanten Bereiche umgebaut werden.“

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