19.07.2018 - 11:21 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Dandy Ferry kommt spät auf Touren

Ein Abend wie gemalt für die Regensburger Schlossfestspiele. Edel-Popper Bryan Ferry auf der Bühne, kein Wölkchen am Himmel. Doch so recht will der 72-jährige Brite die Sterne zunächst nicht zum Funkeln bringen.

Bryan Ferry bei den Regensburger Schlossfestspielen
von Frank Werner Kontakt Profil

So ist das immer im Hof von Schloss St. Emmeram: schicke Leute, edles Ambiente, gekühlter Champagner, gegrillte Scampi. Bryan Ferry, der Dandy der Popmusik, scheint die Idealbesetzung für einen unvergesslichen Abend zu sein, vergleichbar höchstens mit Elton John. Ohne Sakko und Hemd tritt der Sänger der 1982 aufgelösten Kult-Band Roxy Music nicht ins Rampenlicht.

Ohne große Gesten

So auch an diesem Mittwoch in Regensburg. Keine Frage, Bryan Ferry hat sich blendend gehalten, der Grandsigneur der britischen Popmusik sieht einfach gut aus. Ein Entertainer mit großen Gesten und Worten war er auch nie. Bis zu seiner einzigen Ansprache ans Publikum dauert es fast zwei Stunden: "Schön hier zu sein in Regensburg, an diesem wundervollen Platz. Ich war ja ewig nicht mehr, bestimmt 20 Jahre." Und weiter im Programm.

So hechelt sich Bryan Ferry ein wenig durch den Abend. Bis zur Pause nach 40 Minuten hat er schon elf Songs durch. Die Auswahl bis dahin ist ziemlich sperrig, der Funke will nicht überspringen. Bei "Stronger Trough The Years" oder "Oh Yeah" von Roxy Music kommt leichte Begeisterung in der nicht ausverkauften Arena auf. Alles einen Hauch zu aristokratisch, zu zurückhaltend. Es bleibt bei höflichem Beifall.

Zum Glück löst Bryan Ferry nach der Pause die Bremse. Seine Stimme kommt endlich mit der Coolness und Zerbrechlichkeit rüber, für die ihn die Fans lieben. Auch die Band trägt ihren Teil für den Stimmungsumschwung bei. Der leicht zerzauste Gitarrist, Ferrys Langzeitwegbegleiter Chris Spedding, gehört ohnehin zu den Meistern seines Fachs. Am meisten Jubel erntet aber die Saxofonistin und Keyboarderin Jorja Chalmers. Die Schönheit im schwarzen Overall, sexy und verrucht, am Instrument eine Granate - die begeisterten Fans können sich kaum satt sehen und hören an ihr.

Je dunkler es wird, desto heller leuchtet Bryan Ferrys Stern. Das liegt auch an den Songs. Immer mehr Gäste drängen vor die Bühne und tanzen, als "Virginia Plain", Titelsong der ersten Nummer-Eins-Platte von Roxy Music aus dem Jahr 1972, in den Regensburger Himmel geschmettert wird.


Alle Fesseln gelöst

Kein Halten gibt es schließlich mehr bei "Let's Stick Together", bei dem Frontmann Ferry auf der Mundharmonika alle Fesseln löst. Und als John Lennons "Jealous Guy" zum Schluss erklingt, ist vieles vergessen vom müden Auftakt dieses Avantgarde-Abends. Ferry kommt spät auf Touren - aber gewaltig.

Bryan Ferry (Mitte) bei den Regensburger Schlossfestspielen.

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