08.09.2019 - 19:00 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Datenschutz für Abc-Schützen

Den ersten Schultag des Kindes wollen Eltern natürlich auch im Bild festhalten. Doch was gibt es dabei in Zeiten von Smartphone und Social Media datenschutzrechtlich zu beachten?

Dr. Bernhard Bittner, Diplom-Physiker, Rechts- und Patentanwalt.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Nicht allen Eltern gefällt es, wenn ihr Nachwuchs auf Fotos von Dritten mit verewigt wird und diese Bilder online geteilt werden. Doch was genau ist erlaubt? Wir sprachen mit Dr. Bernhard Bittner aus Regensburg, Rechts- und Patentanwalt sowie Lehrbeauftragter an der OTH Amberg-Weiden und Experte für Urheberrecht.

ONETZ: Was für Regeln muss ich beachten, wenn ich Fotos auf dem Schulhof mache?

Dr. Bittner: Im Prinzip bräuchte man die Einwilligung der Eltern, wenn fremde Kinder auf dem Bild zu sehen sind und die Bilder öffentlich zugänglich gemacht werden. Das gilt jedoch nicht für die Medienberichterstattung, hier greifen andere, etwas tolerantere Regeln.

ONETZ: Heißt das, Eltern müssten beispielsweise bei Fotos am ersten Schultag von den Eltern der anderen Kinder, die auf ihrem Bild noch mit zu sehen sind, eine Genehmigung einholen?

Dr. Bittner: Nein, so lange man nur privat für sich selber fotografiert, ist das nicht erforderlich. Man darf die Bilder auch innerhalb des engeren Familienkreises zum Beispiel über Whatsapp teilen.

ONETZ: Und wenn die Bilder dann aus diesem Kreis heraus weiter verbreitet werden?

Dr. Bittner: Auch dann passiert nichts. Man kann schließlich nicht gewährleisten, was Dritte mit den Daten machen. Viele Eltern sind allerdings dazu übergegangen, die Gesichter anderer Kinder auf Fotos, die sie zum Beispiel bei Facebook posten, zu verpixeln. Das sollte ausreichen, damit außerhalb des Familienkreises niemand mehr für Dritte erkennbar ist.

ONETZ: Darf dann die Schule Eltern das Fotografieren verbieten?

Dr. Bittner: Das halte ich für zulässig, denn letzten Endes herrscht hier Hausrecht.

ONETZ: Angenommen, ich bin ein Elternteil und möchte nicht, dass mein Kind auf Fotos anderer zu sehen ist. Kann ich dann zum Beispiel verlangen, dass die Bilder gleich vom Smartphone gelöscht werden?

Dr. Bittner: Nein, eigentlich gibt es keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Es sei denn, die Person wird in einer verfänglichen Situation gezeigt. Zum Beispiel fotografieren Jugendliche öfter mal einen betrunkenen Kumpel, aber selbst da ist die Lage nicht eindeutig, auch wenn ich persönlich von solchen Bildern abraten würde.

ONETZ: Hatten Sie in Ihrer beruflichen Praxis schon einmal mit der Thematik zu tun?

Dr. Bittner: Nein, speziell damit noch nicht, mit Bildrechten jedoch schon öfter. Ich würde ehrlich gesagt auch davon abraten, in diesen Fällen vor Gericht zu gehen.

    Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

    Aktuell und Wissenswert

    Kommentare

    Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

    Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.