08.09.2019 - 18:59 Uhr
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Auch "Elterntaxis" eine Gefahr

Wenn am Dienstag das neue Schuljahr in Bayern beginnt, ist im Straßenverkehr besondere Aufmerksamkeit gefordert. Vor allem junge Radfahrer scheinen laut Statistik gefährdet zu sein.

Im vergangenen Jahr verunglückten besonders viele Kinder mit dem Rad auf dem Schulweg.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Das vermeldete zumindest die "Bild am Sonntag", der die neuesten Zahlen der Gesetzlichen Unfallversicherung für das Jahr 2018 vorliegen. Demnach ist in Deutschland die Zahl der meldepflichtigen Schülerunfälle im Straßenverkehr mit dem Rad von 26 199 im Jahr 2017 auf 30 072 im Jahr 2018 gestiegen. Zehn Schüler kamen dabei sogar ums Leben, im Jahr zuvor waren es sieben. Das sei die höchste Zahl seit 2010, und das bei insgesamt stark rückläufigen Unfallzahlen. 2018 endeten insgesamt 25 Schulwegunfälle tödlich, 109 346 Kinder und Jugendliche wurden verletzt.

Keine Todesopfer

Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz wurden im Jahr 2019 bisher 30 Schulwegunfälle gezählt. Im gesamten Jahr 2018 waren es 53 mit 61 Verletzten (2017: 46/50). In die Statistik fließen alle Unfälle ein, die Schüler bis zum vollendeten 15. Lebensjahr auf dem Weg zur Schule, einer schulischen Veranstaltung oder Betreuungseinrichtung (zum Beispiel Hort) erleiden. Wie Polizeihauptkommissar Florian Beck betont, hat sich in der Region glücklicherweise bereits seit zehn Jahren kein tödlicher Schulwegunfall mehr ereignet. Die regionalen Zahlen im Einzelnen: Im Landkreis Tirschenreuth zählte man 2018 3 Schulwegunfälle mit 4 verletzten Schülern (2017:1/1); im Landkreis Neustadt/WN gab es 2018 4 Unfälle mit 5 Verletzten (2/2); der Landkreis Schwandorf verzeichnete 2018 7 Unfälle mit 7 Verletzten (5/7); im Landkreis Amberg-Sulzbach ereignete sich 2018 ein Unfall mit 5 verletzten Schülern (2017 gab es keinen einzigen Unfall); in der Stadt Amberg wurden 2018 9 Unfälle mit 9 Verletzten verzeichnet (5/5) und in der Stadt Weiden im Jahr 2018 6 Unfälle mit 6 Verletzten (5/6).

Schulanfänger, sagt Pressesprecher Beck, sollten grundsätzlich nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) stellt dazu fest: Sicheres Radfahren im Straßenverkehr setze viele Fähigkeiten voraus. Mit dem Rad seien Kinder zudem deutlich schneller unterwegs als zu Fuß, entsprechend schneller könnten sich auch Verkehrssituationen ändern. Eltern müssten einschätzen, wie weit ihr Kind schon in der Lage ist, angemessen zu reagieren. Eine bestandene Radfahrprüfung sei dabei kein "Freifahrtschein", da nicht jedes Kind das oft in einem Schonraum erworbene Können auch im richtigen Straßenverkehr umsetzen könne.

Gefahr durch "Elterntaxis"

Viele Eltern versuchen, das Problem der Schulwegsicherheit zu umgehen, indem sie ihren Nachwuchs mit dem eigenen Auto zur Schule bringen und abholen. Doch gerade diese "Elterntaxis" stellen aus Sicht der Polizei ein großes Gefahrenpotenzial dar. Denn häufig hielten oder parkten die Eltern mit ihren Fahrzeugen im unmittelbaren Schuleingangsbereich sogar im Halteverbot. "Dadurch können sich Gefahren für Kinder ergeben, die dann möglicherweise zwischen den Autos hindurch schlüpfen müssen", sagt Florian Beck. "Die Kinder haben dann selber keine Übersicht und werden auch von den anderen Autofahrern erst spät oder gar nicht erkannt." Oftmals herrsche im Nahbereich von Schulen ohnehin reges Verkehrsaufkommen, auch durch Schulbusse und Fahrradverkehr. „Elterntaxis“ verschärften diese Situation weiter. Konkrete Zahlen, wie viele Unfälle durch „Elterntaxis“ verursacht sind, liegen laut Pressesprecher Beck jedoch nicht vor.

Tipps für den sicheren Schulweg:

Folgendes rät das Polizeipräsidium Oberpfalz Eltern und Kindern:

  • Der Schulweg sollte schon vor Schulbeginn gemeinsam mit den Kleinsten erkundet werden. Dabei sollen den Kindern Gefahrenbereiche und richtige Verhaltensweisen aufgezeigt werden. Der kürzeste Schulweg muss nicht auch der sicherste sein.
  • Straßen möglichst an Ampelanlagen, Fußgängerüberwegen oder Fußgängerfurten, die durch Schulweghelfer abgesichert sind, überqueren. Nie hinter Hindernissen wie beispielsweise einem Auto oder einer Hecke auf die Fahrbahn treten!
  • Auffällige bzw. helle Kleidung und Schulranzen erhöhen die Wahrnehmbarkeit. Reflektierende Elemente sind sinnvolle Ergänzungen.
  • Der Weg zur Schule sollte nicht unter Zeitdruck angetreten werden. Das Mobiltelefon sollte auf dem Schulweg im Schulranzen bleiben.
  • Schulanfänger sollten grundsätzlich nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren.
  • "Elterntaxis" stellen eine zusätzliche Gefahrenquelle dar. Werden Kinder dennoch mit dem Auto zur Schule gebracht oder abgeholt, so ist auf die vorschriftsmäßige Sicherung von Fahrern und Mitfahrern zu achten.
  • An den Bushaltestellen nicht drängeln und auf ausreichenden Abstand zum heranfahrenden Bus achten. Niemals vor oder hinter dem haltenden Bus über die Straße laufen, sondern warten, bis der Bus die Haltestelle verlassen hat. Beim Aussteigen aus dem Bus auf herannahende Radfahrer und Fußgänger achten.

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