15.07.2020 - 20:20 Uhr
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Fall Maria Baumer: "Sie war sehr glücklich mit ihm"

Es ist der sechste Verhandlungstag im Mordprozess um Maria Baumer. Freunde sprechen über die Beziehung der jungen Frau und ihrem damaligen Verlobten. Ein Zeuge ist bei der Befragung peinlich berührt.

Der Angeklagte sitzt mit Mundschutz im Verhandlungssaal des Landgerichts.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Maria Baumer ist tot, ihr früherer Verlobter Christian F. sitzt auf der Anklagebank. Waren sie ein glückliches Paar, bevor Maria Baumer am 26. Mai 2012 spurlos verschwand? Antworten gaben am sechsten Verhandlungstag in dem Mordprozess zwei Bekannte des Paares. Nur wenige Tage vor Maria Baumers Verschwinden saß Elisabeth S. noch im Garten des Paares in Regensburg. Sie brachte ihrer Freundin Maria Tomatenpflanzen vorbei, es schloss sich ein spontaner Abendplausch an. Christian F. war anfangs noch dabei, zog sich dann zurück mit der Aussage, er müsse lernen.

Heiratsantrag gewünscht

Das sagte Elisabeth S. am Mittwoch in ihrer Zeugenaussage vor dem Regensburger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft Regensburg geht davon aus, dass Christian F. seine Verlobte heimtückisch mit einem Medikamentenmix aus Lorazepam und Tramadol tötete, weil er sich in eine andere Frau verliebt hatte. An dem Abend im Garten fiel Elisabeth S. nichts Besonderes an dem Verhalten der beiden als Paar auf. Sie sagte, Maria Baumer sei mit ihrem Verlobten sehr glücklich gewesen, die beiden seien nach ihrem Kennenlernen schnell zusammengezogen. Maria Baumer habe sich einen Heiratsantrag gewünscht, den sie schließlich auch bekam.

Die Hochzeit war für September 2012 geplant, die Einladungskarten waren bereits verschickt. Die Zeugin beschrieb Maria Baumer als ehrliche und direkte Person. Über sehr intime Dinge habe sie mit ihr nicht gesprochen.

Bei dem Treffen im Garten sei Maria Baumer gut drauf gewesen, aber etwas müde und erschöpft. Es war eine anstrengende Zeit für die 26-Jährige: Gerade hatte sie ihre erste Stelle als Windgutachterin angetreten, fast zeitgleich war sie zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) gewählt worden. Christian F. arbeitete derweil als Krankenpfleger am Bezirksklinikum und studierte Medizin an der Uni Regensburg - allerdings hatte er Probleme, das Physikum zu schaffen. Zeugin Elisabeth S. beschrieb ihn als ruhigen Menschen.

Der Fall Maria Baumer

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Mit Zwillingsschwester liiert

"Niemand hatte Vorbehalte gegen Christian", sagte der zweite Zeuge Matthias R. Er war lange mit Maria Baumers Zwillingsschwester Barbara zusammen und kannte das Paar gut. Maria habe es einem ins Gesicht gesagt, wenn ihr etwas nicht passte, erklärte er. Das habe er selbst einige Male erlebt. Dann wurde es unangenehm für den Zeugen: Vorsitzender Richter Michael Hammer konfrontierte ihn mit einem Vorfall auf der KLJB-Delegiertenversammlung, bei der Maria Baumer zur Landesvorsitzenden gewählt wurde - das war am Wochenende vor ihrem Verschwinden. Matthias R. hatte dort allzu offensiv mit einer anderen Delegierten geflirtet, woraufhin Maria ihn zur Seite nahm und ihn deutlich daran erinnerte, dass er mit ihrer Zwillingsschwester zusammen sei.

Matthias R. räumte den Sachverhalt nach einigem Herumlavieren ein. Maria habe nach der Diskussion mit ihm auch gleich ihre Zwillingsschwester angerufen und ihr von dem Vorfall erzählt. Nach der Delegiertenversammlung habe er Maria nicht mehr gesehen, gab der Zeuge an. Von ihrem Verschwinden habe er von Barbara erfahren. In der Woche darauf sei er zusammen mit Barbara in die gemeinsame Wohnung von Maria und Christian F. gefahren. Weil er sich mit Technik auskannte, sollte er versuchen, die Anrufe nachzuvollziehen, die von Maria am Tag ihres Verschwindens nach Aussagen von Christian F. noch aus Nürnberg kamen.

Fall Maria Baumer: Die ersten fünf Prozess-Tage

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IT-Experten wundern sich

"Doch die Anrufliste auf der Fritzbox war leer", sagte der Zeuge. Auch habe er Marias Laptop auf Hinweise durchforstet und dabei ein Programm angewandt, das gelöschte Daten anzeigt. Das sei am 30. Mai 2012 gewesen. Über die zeitliche Einordnung wunderten sich die beiden IT-Sachverständigen, die am Mittwoch ebenfalls geladen waren. Sie konnten den Einsatz einer Wiederherstellungssoftware und das Durchsuchen von Ordnern nicht für den 30., sondern für den 29. Mai feststellen. Die Frage konnte letztlich nicht geklärt werden.

Die Sachverständigen hatten Dateien auf den Rechnern von Christian F. und Maria Baumer überprüft. Sie bestätigten, dass auf den Beweismitteln Google-Suchbegriffe wie "Der perfekte Mord", "Lorazepam tödliche Dosis" und "Kalk" festgestellt wurden. In den Tagen nach Maria Baumers Verschwinden habe es rege Bewegungen auf den Rechnern gegeben - sie seien sehr oft ein- und wieder ausgeschaltet worden. Es habe Löschvorgänge gegeben, Word-Dokumente seien kurz geöffnet und gleich wieder geschlossen worden.

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"Biefe an Beni"

Besonders interessierte sich das Gericht für 17 Dokumente, die unter dem Namen "Briefe an Beni" gespeichert waren. Es handelt sich dabei um Briefe, die Maria Baumer wohl an ihren vor Jahren tödlich verunglückten Freund Beni geschrieben hatte. Mysteriös: Ein solcher Brief tauchte nicht wie die anderen auf den Rechnern, sondern nur auf einem USB-Stick auf und wurde am 26. Mai 2012 erstellt - dem Tag von Maria Baumers Verschwinden. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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