11.02.2020 - 16:35 Uhr
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Nach Gewalttat in Einrichtung: Psychiatrie statt Haft

Ein 20-Jähriger aus Norddeutschland ist vor dem Landgericht Amberg freigesprochen, muss aber in die Psychiatrie - wahrscheinlich für immer. Bei einem sexuellen Techtelmechtel in einer betreuenden Einrichtung im Kreis Schwandorf war er gewalttätig geworden.

Blick in die geschlossene Abteilung in einem Zentrum für Psychiatrie. Ein 20-Jähriger muss nach einem Gerichtsurteil in die Forensik einrücken.
von Autor HWOProfil

Der Mann ist erst 20 Jahre alt. Doch es könnte sein, dass er aus der Psychiatrie nicht mehr herauskommt. Nach drei Tagen Prozess hat die Große Jugendstrafkammer beim Landgericht Amberg einen jungen Mann aus Norddeutschland in die Forensik eingewiesen.

In einer betreuenden Einrichtung im südlichen Kreis Schwandorf traf der 20-Jährige auf einen 32 Jahre älteren Mann, der ebenfalls dort wohnt. Zwischen beiden kam es zu einer sexuellen Beziehung, bei der Geld eine Rolle spielte. Eines Abends war der 20-Jährige offenbar mit dem ihm angebotenen "Liebeslohn" unzufrieden. Daraufhin gab es Meinungsverschiedenheiten, in deren Verlauf der 52-Jährige erst eine Glasflasche über den Kopf gezogen bekam und dann mit einem Messer mehrfach gestochen wurde.

"Kranker Mensch"

War das versuchter Totschlag? Oder gefährliche Körperverletzung? Die Kammer beleuchtete die Umstände sehr eingehend und hörte dabei auch die gutachterliche Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen. Der Facharzt beschrieb den 20-Jährigen als einen kranken Menschen, der am Tattag das in seiner Vorstellung bestehende Recht auf Entlohnung für die homosexuellen Handlungen mit Gewalt durchzusetzen versucht habe. "Die Schuldfähigkeit war dabei massiv eingeschränkt. Sie könnte auch gänzlich aufgehoben gewesen sein", sagte der Experte.

Im Gutachten verdeutlichte sich: Der 20-Jährige braucht fortdauernde Behandlung. Er wird nach Meinung des Mediziners "zeitlebens auf Medikamente angewiesen sein". Die Situation noch deutlicher beschreibend, ließ der Arzt erkennen: "Unsere Welt, wie wir sie verstehen, wird er nie übernehmen können."

Leidensbedingte Schuldunfähigkeit

Der 20-Jährige hatte im Prozess über seinen Amberger Anwalt Mike Thümmler eine Art Notwehrhandlung nach der sexuellen Begegnung mit dem 52-Jährigen geltend gemacht. Doch das war von dem ebenfalls psychisch kranken Partner des Beschuldigten bestritten worden. Er sprach von "völlig ungerechtfertigten" Gewaltattacken. Der Mann hatte bei dem Messerangriff schwere Verletzungen erlitten.

Zur Vorgeschichte des Falls: Was in der Einrichtung passierte

Schwandorf

Die Jugendstrafkammer sprach den 20-Jährigen wegen leidensbedingter Schuldunfähigkeit frei. Parallel dazu ordneten die Richter unter Vorsitz des Landgerichtspräsidenten Harald Riedl die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie an. Zumal auch schon deswegen, weil weitere unkontrollierte Gewaltübergrffe zu verhindern seien. Das bedeutet für den jungen Mann: Nach einer Art Wanderschaft durch mehrere betreute Einrichtungen in Deutschland wird er fortan in der geschlossenen Abteilung einer Forensik sein.

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