23.09.2021 - 14:56 Uhr
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Hundekot-Zwist zwischen Nachbarn: Kein Hausfriedensbruch

Der Fall war so eklig, dass er es im Sommer bundesweit in die Schlagzeilen schaffte: Ein Regensburger hängte seinem Nachbarn gefüllte Hundekotbeutel vor den Zaun, der Nachbar griff zur Selbstjustiz. Nun kam Post vom Staatsanwalt.

Anwalt Bernhard Schmeilzl schnitt die Hundekotbeutel auf dem Gerüst im Nachbarsgarten ab. Dann stellte er Selbstanzeige wegen Hausfriedensbruchs – das Verfahren wurde nun eingestellt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Bernhard Schmeilzl fühlt sich bestätigt. „Der Hausfriedensbruch ist vom Tisch, so wie ich es erhofft habe“, sagt er am Donnerstag am Telefon. In diesen Tagen hat er einen Brief von der Staatsanwaltschaft Regensburg erhalten. „Das Ermittlungsverfahren wird hinsichtlich des Tatvorwurfs des Hausfriedensbruchs gemäß §170 Abs. 2 StPO eingestellt“, heißt es darin.

Schmeilzl, der als Anwalt in Regensburg arbeitet und mit seiner Familie in einem Reihenhaus im Stadtteil Burgweinting lebt, sah sich Anfang August dazu gezwungen, ohne Erlaubnis in den Garten seines Nachbarn vorzudringen. Denn dort stand an der Grenze zu seinem Grundstück ein eigens aufgebautes Gerüst, an dem acht gefüllte Hundekotbeutel hingen – am Abend war das Ganze auch noch mit Weihnachtsketten beleuchtet. Aufgebaut hatte das Gerüst Schmeilzls Nachbar, mit dem der Anwalt schon länger im Clinch liegt.

Zuvor hatte der Nachbar bereits über längere Zeit einen mit Hundekot gefüllten Eimer vor Schmeilzls Haus gestellt. Nachdem sich Schmeilzl bei Polizei und Stadt über den Eimer beschwert hatte, kündigte der Nachbar ihm den Aufbau eines „Kackebeutel-Christbaums“ an, erzählt der Anwalt – „damit wir wissen, wie scheiße er uns findet“. Tatsächlich ragte kurz darauf ein vier Meter hohe Kotbeutel-Turm über die Grenzhecke – und der Nachbar verabschiedete sich in den Urlaub.

Für Schmeilzl war die Situation unerträglich. „Wenn meine Familie und Besucher auf der Terrasse sitzen, dürfen sie acht prall gefüllte Beutel mit Hundekot bewundern, die in Luftlinie vier bis fünf Meter von der Kaffeetasse entfernt im Wind baumeln“, schilderte er damals die Lage. Er setzte dem Nachbarn über dessen Anwalt eine Frist zur Beseitigung. Nachdem diese abgelaufen war, schritt er selbst zur Tat. Er ließ das Gerüst von einer Fachfirma entfernen, die Kotbeutel schnitt er selbst ab und entsorgte sie.

Gleichzeitig stellte er Selbstanzeige wegen Hausfriedensbruch. Der Jurist sprach von „Notwehr“. Von Behördenseite fühlte er sich wenig unterstützt, der Nachbar war weiter im Urlaub. „Es war die einzige Möglichkeit, das Gerüst wegzukriegen, sonst stünde es noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag da.“ Bis heute sei der Nachbar nicht von seinem Auslandsaufenthalt zurückgekommen, berichtet Schmeilzl.

Den Ursprung des Nachbarschaftsstreit sieht der Jurist in einem Vorfall, der bereits einige Zeit zurückliegt. In seiner Eigenschaft als Anwalt hatte er zufällig herausgefunden, dass ein heruntergekommenes Haus im Stadtosten, in dem Prosituierte arbeiteten, seinem Nachbarn gehört. Der Nachbarn habe wohl befürchtet, dass sein Ruf angekratzt wird.

Davon, dass die Staatsanwaltschaft nun das Verfahren wegen Hausfriedensbruchs gegen ihn eingestellt hat, fühlt sich Schmeilzl bestätigt. Derweil läuft noch eine zivilrechtliche Unterlassungsklage gegen seinen Nachbarn. Schmeilzl will erreichen, dass seinem Nachbarn untersagt wird, „so etwas wieder zu tun“. Man könne nicht wissen, „auf welche Ideen er noch kommt“.

Hundekotbeutel als Provokation zwischen Nachbarn

Regensburg
Acht mit Hundekot befüllte Beutel baumelten an der Grundstücksgrenze in der Luft: Ein Nachbarschaftsstreit im Regensburger Stadtteil Burgweinting war im Sommer eskaliert.
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