13.01.2021 - 17:55 Uhr
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"Werde Professorin" – Denn ein Professor muss kein grauhaariger Mann sein

Ein kluger, graumelierter Mann mit Brille – das ist das klassische Bild eines Professors. Die Frauenbeauftragten der bayerischen Hochschulen wollen dieses Bild aufbrechen – und mit einer Kampagne mehr junge Frauen für den Beruf begeistern.

Nur selten stehen im Hörsaal Frauen vorne.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Über 360 Teilnehmerinnen aus ganz Bayern waren bei der Kick-off-Veranstaltung der Kampagne "Werde Professorin" dabei, die als Videokonferenz abgehalten wurde. Einer der wenigen Männer war Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU), der in seinem Grußwort nichts beschönigen wollte. "Wir brauchen mehr Professorinnen", sagte er. Es gebe hier Nachholbedarf.

In einer mit Fördergeldern versehenen Zielvereinbarung habe der Freistaat Bayern mit den bayerischen Hochschulen festgelegt, dass der Anteil der Professorinnen steigen müsse - bis 2022 auf 30 Prozent. Aktuell liegt der Anteil gerade mal bei etwas über 20 Prozent.

Dabei sind die Grundvoraussetzungen gut: Etwas über die Hälfte der Studierenden sind weiblich. Auch bei den Promovierenden liege der Frauenanteil noch bei 45 Prozent, berichtete Professorin Elke Wolf, stellvertretende Sprecherin der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen. Doch auf dem Weg zwischen Doktortitel und Professur verringere sich die Zahl der Frauen leider merklich.

Über mögliche Gründe dafür sprach die bekannte Sozialforscherin, Professorin Jutta Allmendinger. Sie bemängelte, dass die Phase nach der Promotion in Deutschland wenig ausgestaltet sei. Dazu komme, dass der Flaschenhals enger werde, weil es deutlich mehr Postdoktoranden gebe als Professuren. In einer Lebensphase, in der viele Frauen eine Familie gründen, würden sie dann oft auf andere Stellen etwa im wissenschaftsunterstützenden Bereich ausweichen statt alles auf die Karte zu setzen, eine Professur zu ergattern.

Die Kampagne will vor allem auf den Beruf der Professorin an Hochschulen für angewandte Wissenschaften aufmerksam machen. "Viele wissen gar nicht, dass Voraussetzungen für eine Berufung hier andere sind als an der Universität", sagte Professorin Brigitte Kölzer von der Technischen Hochschule Rosenheim und Projektleiterin der Kampagne. Zentrale Voraussetzungen seien eine Promotion und eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung - und keine Habilitation wie an der Universität.

Die Kampagne "Werde Professorin" komme genau zur richtigen Zeit, betonte Professorin Christiane Fritze, Präsidentin der Hochschule Coburg. Die bayerischen Hochschulen stünden durch die Hightech-Agenda der bayerischen Staatsregierung, durch die sehr viele neue Professuren geschaffen würden, vor einem "epochalen Wandel". Das eröffne Nachwuchswissenschaftlern Karrieremöglichkeiten im akademischen Betrieb. "Ich wünsche mir, dass darunter viele Frauen sind."Weitere Informationen unter www.werdeprofessorin.de

Interview mit OTH-Präsidentin Andrea Klug

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