15.09.2021 - 13:27 Uhr
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Regensburger Anwalt soll kinderpornografisches Material verbeitet haben

Unter dem Pseudonym „Good Uncle“ soll ein Jurist zwischen Juni 2019 und Juli 2020 fast täglich Bilder und Videos mit pädokriminellem Inhalt ins Internet gestellt haben. Vor Gericht kommen jetzt Details ans Tageslicht.

Laut einem Beamten soll der 57-Jährige (l., neben ihm Rechtsanwalt Keser) bei der Festnahme „sogar erleichtert“ gewirkt und kurz darauf gestanden haben.
von mibProfil

Blaues Hemd, darüber ein grauer Zipper. Kapuze und Mundschutz verdecken das Gesicht. Bewacht von zwei Beamten des USK sitzt der 57-jährige Dietrich L. Dienstagmorgen vor dem Sitzungssaal 104 des Regensburger Justizgebäudes. Bis vor einiger Zeit war L. als Rechtsanwalt in der Domstadt tätig. In den kommenden Wochen wird er vor der 5. Strafkammer des Landgericht Regensburg nun selbst zur Rechenschaft gezogen werden. Der Grund: Unter dem Pseudonym „Good Uncle“ soll er zwischen Juni 2019 und Juli 2020 fast täglich Bilder und Videos mit pädokriminellem Inhalt über eine Szeneplattform bereitgestellt haben. Rund 334 000 Daten soll er in 338 Fällen auf einen Server geladen und per Link den Mitgliedern über einen Chat bereitgestellt haben.

Eine Reihe vor dem 57-Jährigen sitzt in grünem Kapuzenpulli „Mona“ neben Rechtsanwalt Bernhard Löwenberg. Unter dem Nicknamen agierte zwischen Januar und Juli 2020 ein 54-jähriger Berliner auf der Darknet-Seite. 908 Dateien in 41 Fällen hat er laut Anklageschrift über die Plattform verbreitet. Weitaus mehr fanden die Ermittler bei einer Wohnungsdurchsuchung am 21. Juli 2020 auf den persönlichen Datenträgern des Angeklagten. Nachdem das FBI den us-amerikanischen Betreiber der Anfang 2019 gegründeten Plattform festnehmen konnte, kam man über die IP-Adressen auch den beiden Angeklagten auf die Spur, wie ein BKA-Beamter im weiteren Verlauf der Sitzung erklärt. Bereits am 20. Juli 2020 hatte man in Regensburg die Wohnung durchsucht. Beide Angeklagten habe man an den Computern noch auf der Seite eingeloggt angetroffen.

Rund 900 000 Bilder und Videos stellten Ermittler auf den Speichermedien des Anwaltes fest. Den Großteil ordnet die Anklageschrift ähnlich wie beim Mitangeklagten der sogenannten Kategorie 3 zu. Darunter fallen als „Posing“ bezeichnete sexualisierte Darstellungen von Kindern sowie explizite Aufnahmen der primären Geschlechtsmerkmale. Exemplarisch verliest Staatsanwältin Teubel aus der Anklageschrift einen Teil des sichergestellten Materials. Während der Regensburger dabei fast stoisch auf seinem Platz ausharrt, sucht der 54-Jährige immer wieder das Gespräch zu seinem Verteidiger, verbirgt das Gesicht dabei möglichst vor den Blicken der Öffentlichkeit. Auch Material der Kategorien 1 und 2, also konkret sexuelle Handlungen, fanden die Beamten. Hierauf sei aber nicht der Schwerpunkt gelegen, sagt der Ermittler im Zeugenstand - ein für die Strafbemessung wichtiger Umstand.

Der BKA-Beamte führt dem Gericht dann die gesicherte Plattform und deren Funktionsweise vor. Auch auf die unterschiedlichen Zugriffsmöglichkeiten der Angeklagten geht er dabei ein. Die Ausführungen dienen der Kammer zum besseren Verständnis der Materie. Die Angeklagten lassen vorher bereits über ihre Verteidiger erklären, dass sie die Vorwürfe der Anklage gestehen. Es sei, wie in der Szene üblich vor allem um das Sammeln des Materials gegangen, führt Löwenberg aus. Darüber wie sie überhaupt auf die Seite gefunden haben, wollen sich die Angeklagten vorerst nicht äußern. Der Berliner erklärt aber auf Nachfrage des Gerichts: „Wenn man etwas länger da ist und jemandem der das Sagen hat sympathisch ist, dann bekommt man mehr Rechte.“

Sollte sich am bisherigen Sachverhalt nichts entscheidendes mehr ändern, droht dem 57-Jährigen eine Strafe von vier bis viereinhalb Jahren. Bis zu sechseinhalb Jahre sieht die Kammer momentan für den Mitangeklagten wegen bandenmäßiger Verbreitung und des Besitzes von kinderpornografischem Material sowie des sexuellen Missbrauchs eines Kindes vor. Auf diese möglichen Strafen verständigen sich Kammer, Verteidigung und Staatsanwaltschaft vor den Geständnissen in einem ausführlichen Rechtsgespräch. Der Prozess wird fortgesetzt.

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