18.06.2021 - 12:09 Uhr
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Regensburger Projekt: Kinder und mögliche Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung

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Kindern ist in der Corona-Pandemie viel zugeschrieben worden. Sie galten als Virenschleudern, später hieß es, Corona treffe sie nicht. Wie es wirklich ist, erforscht die Kinderklinik der Universität Regensburg.

Das neuartige Coronavirus ist für die allermeisten Kinder keine große Gefahr.. Allerdings leiden manche zwei bis vier Wochen nach einer Covids-19-Infektion an PIMS. Ein Symptom sind Bauchschmerzen.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Anfang der Pandemie waren auch Mediziner überzeugt, dass Kinder und junge Menschen nur wenig von Corona getroffen sind. Dann zeigte sich, dass auch eine milde Infektion mit Covid-19 Spätfolgen für sie haben kann - etwa das Pädiatrisches Multiorgan Immun-Syndrom (PIMS). Rund 349 Fälle zählt die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie bundesweit von Mai 2020 bis 13. Juni 2021.

Legt man die Zahlen des Robert-Koch-Instituts zugrunde, wäre eines von 750 an Covid-19 erkrankten Kindern betroffen, erläutert Professor Michael Melter. Der Mediziner ist Direktor und Chefarzt der Kinder-Uni-Klinik Ostbayern (KUNO). "Diese schwere Erkrankung des Immunsystems tritt Wochen nach einer Covid-Infektion bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen auf."

PIMS könne unbehandelt lebensgefährlich sein. Symptome sind Fieber, Bauchschmerzen bis hin zu schweren Herz-Kreislauf-Störungen und neurologischen Ausfällen. Die gute Nachricht: Bisher ist hierzulande daran kein Kind gestorben.

PIMS tritt in der Regel zwischen zwei und sechs Wochen nach der Covid-19-Infektion auf - unabhängig von der Schwere der vorangegangenen Erkrankung. Entscheidend für die Genesung sind rasche Diagnose und Therapie. Dazu gehört, dass festgestellt wird, ob überhaupt eine Sars-Covid-Infektion vorgelegen hatte.

Zusammen mit anderen Ärzten

Die Universitätsmediziner arbeiten mit niedergelassenen Kinderärzten zusammen. Zudem versuchen sie, Allgemeinmediziner einzubinden. Niedergelassene Ärzte sind die erste Anlaufstelle für Eltern. Gerade in der nördlichen Oberpfalz, wo der Weg zum Kinderarzt oft weit ist, sind die Hausärzten hier wichtig.

Um sie zu informieren wurde Ende April in einem Webinar die Erkrankung und das Regensburger Projekt Follow CoKiBa vorgestellt. So sollen Kinder, die möglicherweise an PIMS leiden, ein erhöhtes Risiko oder anderen Spätfolgen nach Covid 19 aufweisen, frühzeitig identifiziert werden.

Die Universitätsmediziner bieten bei Verdachtsfällen Hilfe. Dazu gehören immunologische Untersuchungen, die über die Regelversorgung hinausgehen. Bei Bedarf gibt es ein Netz für Nachuntersuchungen - von der Kinderkardiologie, über Pneumologie bis zu neuropsychiatrische Untersuchungen. In das bayernweite Projekt ist in der Oberpfalz neben Regensburg die Kinderklinik Weiden eingebunden.

Schwerpunkt-Krankenhaus Corona

Die KUNO-Klinik St. Hedwig in Regensburg war in der Zeit, als der Katastrophenfall galt, das Corona-Schwerpunktkrankenhaus für Schwangere, Kinder und Jugendliche in der Region. Dort sind auch Kinder stationär behandelt worden, die positiv auf Corona getestet wurden. Ihre Zahl beziffert Professor Melter auf knapp 25. "Da Kinder einen überwiegend milden Verlauf haben, mussten nur wenige aufgrund ihrer Corona-Erkrankung stationär oder gar intensivmedizinisch behandelt werden."

Im Klinikum St Marien in Amberg waren 2020 insgesamt neun Kinder wegen Corona in stationärer Behandlung, fünf in ambulanter. Bis Mai kamen acht weitere Kinder hinzu. In der Kinderklinik Weiden wurden seit Beginn der Pandemie bis Mitte April 13 Kinder zwischen 3 und 16 Jahren behandelt.

Ob Kinder und Jugendliche auch an Long-Covid leiden können, wird noch erforscht. Long-Covid-Beschwerden sind unter anderem extreme Abgeschlagenheit, Atem- und Kreislaufprobleme, Schlafstörungen und Schmerzen. Die Symptome können auch Monate nach der Infektion auftreten. In München soll nun eine Spezial-Ambulanz für von Long-Covid betroffene Kinder und Jugendliche entstehen. Die erste in Bayern. Ein Projekt der Kinderkliniken von TU München und Ludwig-Maximilians-Universität.

Hintergrund:

Kinder, Corona und Spätfolgen

  • Mit dem Projekt Follow CoKiBa unterstützt die Universitätsmedizin Regensburg die Behandlung von Kindern mit Covid-19-Spätsymptomen. Zusammen mit niedergelassen Kinderärzten wollen die Forscher lernen, wie Spätschäden verhindert und behandelt werden können.
  • Symptome von PIMS (Pädiatrisches Multiorgan Immun-Syndrom) sind Fieber, Bauchschmerzen bis hin zu schweren Herz-Kreislauf-Störungen und neurologischen Ausfällen.
  • Ansprechpartner für Eltern sind zunächst die jeweiligen Kinderärzte oder die niedergelassenen Allgemein-Ärzte. Informationen gibt es auch auf der Webseite des Projekts Follow CoKiBa.

Webseite des Projekts Follow CoKiBa

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Schwandorf

Allerdings werden auch in unserer Klinik vermehrt Kinder und Jugendliche vorgestellt, bei denen wir eine Erkrankung feststellen müssen, die Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrom (PIMS) genannt wird. Diese schwere Erkrankung des Immunsystems tritt Wochen nach einer Covid-Infektion bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen auf."

Professor Michael Melter, Direktor und Chefarzt der Kinder-Uni-Klinik Ostbayern (KUNO).

Professor Michael Melter, Direktor und Chefarzt der Kinder-Uni-Klinik Ostbayern (KUNO).

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