13.12.2020 - 15:47 Uhr
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Regensburger Start-up will „regionales Zalando“ werden

Sie wollen das „Zalando der regionalen Mode“ werden. Ein Team aus Studenten hat einen Onlineshop für kleine, aufstrebende Modemarken aus der Region aufgebaut. Ein zweites Standbein sollen Pop-up-Stores werden.

Das achtköpfige Team von Labelbird will kleine, regionale Modemarken groß rausbringen. Wir haben mit Lisa Bauer (vorne, rechts) und Robert Weckerling (hinten, Mitte) über das Konzept des Onlineshops gesprochen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Es sind acht junge Leute aus Regensburg und Krefeld, alle zwischen 22 und 25 Jahren, die die Onlineplattform Labelbird aufgebaut haben. Neben dem Studium und dem WG-Leben entwickeln sie ihr Start-up-Unternehmen weiter, suchen nach neuen Labels und betreiben Marketing. Begonnen hatte die Geschichte von Labelbird beim 5-Euro-Business-Wettbewerb an der OTH Regensburg vor zwei Jahren. Mit der Geschäftsidee, regionale Mode auf einem Onlineportal anzubieten, holten die jungen Gründer damals den zweiten Platz.

Das Team hat sich seitdem komplett ausgetauscht. Die ursprünglichen Gründer haben sich neu orientiert, erzählt der Teammitglied Robert Weckerling. Doch mehrere Kommilitonen fanden die Idee von Labelbird so gut, dass sie sie nicht sterben lassen wollte. Zusammen mit neuen Teammitgliedern und entsprechender Manpower wurde das Projekt seit diesem Jahr intensiv weiterentwickelt – mit Erfolg. „Wir merken, dass die Konsumenten die angebotenen Produkte vermehrt nachfragen“, sagt Lisa Bauer, die sich bei Labelbird ums Marketing kümmert.

Provisionsbasiertes Modell

Gerade in den vergangenen Monaten und Wochen sei die Zahl der Designer, die ihre Produkte auf der Onlineplattform anbieten, extrem angestiegen: von 15 im April auf jetzt 60. Dabei spiele auch die Corona-Pandemie eine Rolle. Mehr Menschen hätten Zeit, sich ihrer Leidenschaft, dem Entwerfen und Schneidern zu widmen. Auf der Webseite von Labelbird haben sie die Möglichkeit, ihre Produkte zu zeigen und zu verkaufen. Monatliche Gebühren fallen dafür keine an, betont Robert Weckerling. Erst wenn ein Produkt verkauft wird, gehe eine Gewinnbeteiligung an Labelbird. Das provisionsbasierte Modell komme den Designern zugute, die oft selbst gerade erst im Aufbau ihrer Marke sind.

Zum Sortiment gehören neben Damen- Herren- und Kinderkleidung auch Schuhe und Accessoires wie Taschen, Schmuck oder Schlüsselanhänger. Der Fokus liegt auf nachhaltig und fair hergestellten Produkten. Die Labels kommen mittlerweile aus ganz Deutschland, mit den Schwerpunkten Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Kunden können auf der Webseite gezielt nach Designern aus ihrer Region suchen. Das Team von Labelbird findet neue Marken oft über die Instagram-Seiten von Modemachern. Doch mittlerweile kommen Designer auch auf die Plattform zu, um dort ihre Produkte anzubieten. „Es spricht sich herum, dass es uns gibt“, freuen sich die jungen Unternehmer.

Anfangs leitete Labelbird die Bestellungen an die Designer weiter, die die Produkte dann selbst verschickten. Für manche, gerade individuell hergestellte Waren gilt das weiterhin. Zusätzlich gibt es nun auch das Logistik-Angebot „Labelbird Fly“, bei dem der Onlineshop selbst die Produkte versendet. Dafür nutzt das Unternehmen seit einiger Zeit Lagerräume in Krefeld. Es sind die einzigen Räumlichkeiten, die sich das Start-up leistet. Ein eigenes Büro ist finanziell noch nicht drin, derzeit müssen für die administrativen Aufgaben die WG-Zimmer der Studenten herhalten.

Alle Teammitglieder arbeiten bei Labelbird aktuell noch neben dem Studium. Doch einige von ihnen kommen dem Ende ihrer Studienzeit näher. Die Frage steht im Raum, ob das Start-up sich so entwickelt, dass feste Arbeitsplätze entstehen können. Auch die Möglichkeit einer Finanzierung wird derzeit ausgelotet. Neben dem Onlineshop treibt das Team seit diesem Jahr ein weiteres Standbein voran: den Betrieb von Pop-up-Stores – und zwar gerade in kleineren und mittleren Städten. „In Berlin kennt schon jeder Pop-up-Stores, aber in kleineren Städten ist das was Neues, mit dem man damit die Innenstädte aufleben lassen kann“, sagt Lisa Bauer. Pop-up-Stores sind provisorische Einzelhandelsgeschäfte, die in vorübergehend leerstehenden Geschäftsräumen betrieben werden. Typischerweise bleiben sie ein paar Tage, Wochen oder Monate bestehen.

Der erste Pop-up-Store, den das Labelbird-Team in diesem Sommer für vier Tage im 7000-Einwohner-Ort Geisenhausen bei Landshut eröffnete, war ein voller Erfolg. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Lisa Bauer. Gerade auch ältere Menschen, die vielleicht nicht im Onlineshop kaufen, hätten sich im Pop-up-Store sehr für die regional hergestellten Produkte interessiert. In der nächsten Woche, von 14. bis 19. Dezember, ist Labelbird wieder mit einem Pop-up-Store zu Gast, diesmal in Neustadt an der Donau in der Herzog-Ludwig-Straße 17. 2021 wollen die jungen Unternehmer in weiteren Orten Pop-up-Stores anbieten – und könnten damit ausgerechnet als Onlineshop dabei helfen, den Leerstand in Innenstädten zu bekämpfen.

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