13.11.2019 - 10:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mutmacher für Start-ups an der OTH

Viele sagen, Deutschland ist im Gegensatz zu den USA kein guter Standort für Unternehmensgründer. Die "Inspiration & Start-up Night" an der OTH setzt dagegen und möchte ein Gründerklima in der Region schaffen.

Das Veranstalterteam "Meet Digitals" mit (von links) Louis Bauer, Tobias Walbert und Alexander Hofmann.
von Siegfried BühnerProfil

„Lösen Sie sich als Unternehmer von der Vorstellung, dass Ihr Geschäftsmodell auf Dauer funktioniert“ lautete eine der wichtigsten Empfehlungen des Abends an die Zuhörer. Formuliert hatte den Satz Unternehmer Norbert Samhammer, der sich vor drei Jahren aus seinen bisherigen Betrieben herausgelöst und ein Start-up unter dem Namen "For you ehealth" gegründet hatte.

Samhammer war einer von zwei Hauptreferenten der "Inspiration & Start-up Night" in den Räumen der OTH in Weiden. Es war die sechste Veranstaltung dieser Art, zu der auch dieses Mal das Team "Meet Digitals" eingeladen hatte. Wer dabei war, konnte in lockerer Atmosphäre neue Geschäftsmodelle von Start-up-Unternehmen kennenlernen. „Wir wollen vor allem Denkanstöße geben und Mut zur Gründung machen“, sagte Tobias Walbert vom Veranstalterteam. Zusammen mit seinen Kollegen Alexander Hofmann und Louis Bauer moderierte er den Abend.

Im Mittelpunkt standen die Präsentationen der Start-up-Unternehmer Samhammer und Thomas Grübler („Ororatech“). Beiden Start-ups ist gemeinsam, dass sie auf einen neuen Megatrend in Wirtschaft und Gesellschaft setzen. „In wenigen Jahren wird fast jeder ein Produkt aus der Raumfahrt nutzen“, prognostizierte Grübler. Sein Geschäftsmodell beinhaltet satellitengestützte Waldbranderkennung. „Unseren Pro-Hektar-Jahr-Preis kann sich bei unserem Business-Modell Waldbrandservice jeder leisten“, meinte der Mitgründer von "Ororatech". Noch wird ein vorhandener Satellit für die Erprobung des Geschäftsmodells benutzt, doch demnächst will Grübler mit selbst entwickelten kleinen Satelliten arbeiten. Rund 100 davon sollen in wenigen Jahren „in niedriger Höhe“ innerhalb von drei Minuten einen entstehenden Waldbrand melden. Künstliche Intelligenz wird dabei helfen. Überwachung per Flugzeug kann somit wegfallen. „Wir arbeiten viel schneller als die herkömmlichen Systeme sodass Löscharbeiten umgehend beginnen können.“ Und er geht noch einen Schritt weiter: „Eines Tages sollte Jedermann seine eigene App zum Satelliten schicken können und diesem eigene Aufgaben übertragen.“

Grübler geht von einem schnellen Wachstumsmarkt aus, genauso wie im Gesundheitsbereich Samhammer mit seinem Start-up "For you ehealth". Er sprach von der bevorstehenden „digitalen Gesundheitsrevolution“ und vom Trend zu personalisierter Medizin. Eineinhalb Jahre habe sein Start-up gebraucht, um die erforderlichen Zulassungen im medizinischen Bereich zu erhalten. Eine Online-Plattform wurde entwickelt, in der zunächst „Bluttests für Zuhause“ angeboten wurden. Darm, Speichel und weitere Gesundheitstests sind zwischenzeitlich dazu gekommen, auch Nahrungsergänzungsmittel. Ausführliche Auswertungen und Vergleichstabellen werden den Kunden zur Verfügung gestellt und Ernährungs-, Gesundheits- und Fitnesstipps formuliert. Die sogenannten „Kits“ kosten je nach Auswertungsprogramm zwischen 80 und 200 Euro. „Wir haben bereits die Gewinnzone erreicht“, versicherte Samhammer und verwies auf 14 Mitarbeiter, 16.000 Kunden und 3,2 Millionen Jahresumsatz.

Zahlreiche weitere Start-ups wurden in Kurzpräsentationen vorgestellt. Besucher mussten sich entscheiden, denn die Vorstellungen erfolgten gleichzeitig. Ganz in der digitalen Welt bewegte sich zum Beispiel das Start-up "Planery" aus Amberg, das ein für Laien leicht bedienbares Planungstool für Einfamilienhäuser anbietet. Auf digitale Techniken setzt auch die „Adigi-GmbH“ aus Parkstein, eine automatisierte Urlaubsberatung auf der Basis künstlicher Intelligenz. Pausen unterbrachen immer wieder die Vortragsserien und boten so Gelegenheit, Netzwerke zu knüpfen.

Alexander Hofmann von "Meet Digitals" (links) stellt als einen der Hauptreferenten Norbert Samhammer vor.
Thomas Grübler will Satelliten in den Weltraum schicken, um Waldbrände zu entdecken.
Beim Barcamp-Format zeigen die Besucher, an welchem Vortrag sie Interesse haben.

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