27.02.2020 - 15:02 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Stararchitekt: Maximilianstraße in botanischen Garten verwandeln

Stararchitekt Jan Knikker wirbt in Regensburg für die Zwischennutzung von leerstehenden Gebäuden. Eine Idee für die Domstadt sorgt für Applaus.

Paradebeispiel für Zwischennutzung: Eine Freitreppe führte 2016 am Rotterdamer Hauptbahnhof für einen Monat aufs Dach eines Großhandelsgebäudes. Sie eröffnete einen spektakulären Blick über die niederländische Hafenstadt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Wenn Gebäude oder Flächen in einer Stadt leer stehen, wirkt das schnell trostlos. Immer häufiger fällt in diesem Zusammenhang das Wort „Zwischennutzung“. Die Idee: Bis klar ist, wie Räume neu genutzt werden, können sie zum Beispiel für Kulturangebote oder Pop-up-Läden verwendet werden. Ein Experte erklärte in Regensburg, welche Chancen sich Städten damit bieten.

Das Thema scheint zu interessieren. Das Regensburger Kreativzentrum „Degginger“ war am Dienstagabend gesteckt voll, als Stararchitekt Jan Knikker auf die Bühne trat. Der Kontakt zu ihm war über Carola Kupfer zustande gekommen, Vorsitzende des Forums Kultur- und Kreativwirtschaft Regensburg. Sie hatte in München einen Vortrag von Knikker gehört und ihn spontan nach Regensburg eingeladen.

Knikker, 1972 bei Frankfurt geboren, ist Partner beim bekannten niederländischen Architektenbüro MVRDV in Rotterdam. Der Name steht für die Gründer Winy Maas, Jacob von Rijs und Nathalie de Vries. Das Büro ist bekannt für innovative Ideen und experimentelle Formen. Eine Grundhaltung des Büros ist es, die Vorstädte nicht immer weiter in die Fläche wachsen zu lassen, sondern die Häuser in die Höhe zu bauen. Oder, wie Knikker es ausdrückte: „Wir wollen, dass man die Vorstadthäuser aufeinanderstapelt.“ Dass das nicht klobig und unattraktiv aussehen muss, bewies der Architekt mit Bildern von Gebäuden, die sein Büro geplant hat: Viel Glas, Licht, Luft, Grün, Holz und ungewöhnliche Formen sind hier im Spiel. „Man kann auch im fünften Stock eines Wolkenkratzers einen Wald pflanzen“, sagte Knikker.

Leerstand gibt's auch in der Region

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Zu einem Vorreiter hat sich das Büro beim Thema Zwischennutzung entwickelt. Das wohl bekannteste Projekt: 2016 stellten die Architekten anlässlich eines Kulturfestivals für einen Monat eine riesige Freitreppe aus Gerüsten neben einem Nachkriegsbau am Rotterdamer Hauptbahnhof auf. Plötzlich konnten die Menschen das großflächige Dach des Gebäudes erklimmen und einen spektakulären Blick über die Stadt erleben. „Das war gut für die Fitness der Rotterdamer, jeder wollte hoch“, erzählte Knikker grinsend. Wichtig für ihn: Es gab keinen Abfall, die Gerüste wurden später anderweitig genutzt, das verwendete Holz wiederverwertet.

Ein weiteres Beispiel: Ein leerstehendes Gebäude in Amsterdam wurde zwischenzeitlich als Museum genutzt, in der obersten Etage kam ein Nachtclub unter. „Das war wegen der Aussicht sofort der angesagteste Platz der Stadt“, sagte Knikker. Der Vorteil der Zwischennutzung liege auch in der Vergänglichkeit. „Wenn man nicht hineingeht, verpasst man etwas. Dann kann man 20 Jahre nicht sagen, ich war in diesem Club.“ Für Knikker ist die Zwischennutzung eine sehr sinnvolle Sache, die einem Ort neue Kraft geben kann. Oft würden Stadtviertel gerade durch eine Zwischennutzung wieder interessant für die Menschen.

Szenenapplaus erhielt Knikker, als er ein Projekt im koreanischen Seoul vorstellte, bei dem die Architekten von MVRDV eine Autobahn in einen botanischen Garten verwandelten. „Das wäre vielleicht auch etwas für die Maximilianstraße hier in Regensburg“, meinte Knikker – und das Publikum klatschte laut und zustimmend. Die breite, eintönige Straße, die von Richtung Hauptbahnhof in die Altstadt führt, gilt seit Jahren als unschöner Fleck in der Domstadt. Viele Menschen wünschen sich hier mehr Grün – dann allerdings dauerhaft.

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Jan Knikker sprach im Regensburger Kreativzentrum „Degginger“.
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