22.08.2021 - 12:48 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Urteil im Regensburger Missbrauchsprozess – Vier Jahre und drei Monate für Kindsvater

Ein Vater soll seine neugeborenen Zwillingen mehrfach geschlagen und geschüttelt haben. Die Kinder erlitten dabei Knochenbrüche und innere Verletzungen. Jetzt muss der gebürtige Weidener für vier Jahre und drei Monate in Haft.

Richter Wagner zeigt durchaus Verständnis für die Familie, die bis zuletzt versucht hatte, den Angeklagten zu entlasten. Man sei von einem eigenen Gutachter falsch geleitet worden.
von mibProfil

Von Michael Bothner

"Ich bitte darum, dahinten die Kommentare einzustellen." Energisch sorgte Richter Oliver Wagner am Freitag für Ruhe. Während seiner Urteilsbegründung war es mehrfach zu Gemurmel und Gelächter gekommen. Es sind vor allem Angehörige des in Weiden geborenen Angeklagten, der wegen Misshandlung seiner beiden Zwillingssöhne seit Mitte Juli auf der Anklagebank des Landgericht Regensburg sitzt. So richtig will man die Ausführungen des Gerichts nicht wahr haben, scheint es.

Vier Jahre und drei Monate lautet das Urteil. Letztlich bestehe kein Zweifel, dass der gebürtige Weidener den Neugeborenen in der Familienwohnung in Neustadt (Landkreis Kelheim) massive Verletzungen zugeführt hat. Anfang September soll es zum ersten Vorfall gekommen sein. Der Maurer wurde vormittags von seiner Frau gebeten, von der Arbeit nach Hause zu kommen, um sich um die Kinder zu kümmern. Der 28-Jährige sei gestresst nach Hause gefahren. "Frustriert, da er weiß, dass er die liegengebliebene Arbeit wohl nachholen muss." Allein mit den schreienden Kindern sei all das dann in Wut umgeschlagen.

Kinder "bestrafen"

Er habe in dieser Gemengelage die Kinder "bestrafen" wollen. Schon an einem früheren Prozesstag stellte die Kammer klar, dass liebende Eltern nicht davor gefeit seien, keine Gewalt auszuüben. Der Angeklagte wurde von seinen Eltern und Angehörigen immer wieder als ruhiger und guter Vater beschrieben.

Noch dramatischer dann der 2. Oktober. Dass der Vater vormittags mit einem der Söhne im Arm über einen Teppich gestürzt sei, das glaube man. Die erst in der Nacht im Klinikum festgestellten schweren Verletzungen des Gehirns seien darauf aber nicht zurückzuführen. Exprte Dr. Peter Betz hatte in seinem Gutachten erklärt, dass der Junge gepackt und kräftig gegen etwas geschleudert worden sein müsse, vermutlich das Kinderbett. Darauf würden die deutlichen Striemen im Gesicht und am Körper des Kindes hinweisen. "Diese Spuren passen alle perfekt zu dem Kinderbett", greift Wagner diese Erklärung nochmals auf. Auch am 2. Oktober habe sich der Vater in einer überfordernden Situation befunden. Das Kind habe sich kurz zuvor übergeben, dann sei man hingefallen.

Schere Anfälle

Die Hirnschädigungen hatten damals Krampfanfälle ausgelöst. Mit Müh und Not konnten die Ärzte im Krankenhaus diese behandeln und dem Jungen somit das Leben retten. Nicht nur hier habe sich gezeigt, dass das Krankenhauspersonal alles richtig gemacht habe.

Als die Eltern in der Klinik vorstellig wurden, hatte man auch den zweiten Sohn zur Untersuchung bringen lassen. Erst hier wurden die bereits verheilten Knochenbrüche auf Röntgenbildern festgestellt. Die Klinik schaltete umgehend das Jugendamt ein. Zunächst bestand auch gegen die Mutter der Verdacht der Kindesmisshandlung.

Dass deren Ehemann nicht frühzeitig einlenkte und geständig war, zeige: "Sie sind kein mutiger Mann" (Wagner). Stattdessen habe der 28-Jährige an seiner Erzählung festgehalten, wonach es nur den Sturz gegeben habe. Als die Ermittlungen die Mutter entlasteten, wurde sie freigelassen. Wenig später bekam sie ihre Kinder von der Pflegefamilie wieder zurück. Ihren Mann wird sie in den kommenden Jahren lediglich im Gefängnis sehen, sollte er das Urteil akzeptieren.

Prozess gegen gebürtigen Weidener

Regensburg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.