22.09.2021 - 10:42 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Versuchter Mord mit Marcumar: Krankenpfleger vor Gericht

Ein Krankenpfleger (47) steht ab nächster Woche in Regensburg vor Gericht. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Er soll seiner Frau heimlich Blutverdünner ins Essen gemischt haben, um eine Trennung zu verhindern. Die Folgen waren fatal.

Mit Blutverdünner soll ein Krankenpfleger aus dem Landkreis Regensburg versucht haben, seine Frau zu töten.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Ein zweifacher Familienvater aus dem Landkreis Regensburg soll im Sommer 2020 versucht haben, seine Frau zu töten. Der 47-Jährige muss sich ab Mittwoch, 29. September, vor dem Landgericht Regensburg wegen versuchten Mordes verantworten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Regensburg mischte der Krankenpfleger seiner Frau eine Überdosis Marcumar ins Essen. Er habe dabei gewusst, dass der Blutverdünner in dieser Dosierung lebensbedrohliche innere Blutungen auslösen kann.

Der Hintergrund laut Anklage: Die Frau, ebenfalls als Krankenschwester an einem Regensburger Klinikum tätig, hatte dem Angeklagten die Scheidung angekündigt. Sie wolle mit ihren Kindern zurück in ihre alte Heimat nach Nordrhein-Westfalen ziehen. Dazu hatte sie eine Reise geplant. Um diese Fahrt zu verhindern, habe der 47-Jährige das Marcumar am 17. Juli 2020 in eine von ihm zubereitete, aufgewärmte Mahlzeit gebröselt.

Rätselhafte blaue Flecke

Die Folgen waren fatal. Die Frau bekam plötzlich Hämatome an Armen und Beinen, dazu extreme Nierenschmerzen. Der Hausarzt war ratlos. Am dritten Tag platzte das Knie, die Blutung ließ sich nicht stoppen. Auch im Gesicht bildeten sich blaue Flecken, die Krankenschwester blutete aus Nase und Zunge.

Trotz dieser massiven Vergiftungsfolgen trat sie fünf Tage nach der "Marcumar-Mahlzeit" um 6.30 Uhr ihren Schichtdienst an, obwohl ihr Mann sie laut Anklage noch zum Zuhausebleiben überreden wollte. Die Kolleginnen brachten sie sofort in die Notaufnahme der Regensburger Klinik, wo ein Blutgerinnungsversagen festgestellt wurden. Blutproben offenbarten schließlich die Überdosis. Lebensgefahr bestand laut Staatsanwaltschaft nicht, auch bleibende Schäden seien nicht zu erwarten.

Die Anklage lautet dennoch auf versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Der 47-Jährige habe in Heimtücke gehandelt. Das Landgericht Regensburg hat fünf Prozesstage bis 11. Oktober angesetzt.

Hintergrund:

2018: 11 Jahre Haft für Blutverdünner-Mordversuch

Einen ähnlichen Fall verhandelte das Landgericht Passau 2018 und verhängte elf Jahre Haft. Eine Krankenpflegerin (51) hatte nach Ansicht des Gerichts versucht, ihren Ehemann im Sommer 2017 in Waldkirchen (Landkreis Freyung-Grafenau) mit Blutverdünnungsmitteln umzubringen.

  • Der Prozess sorgte für Aufsehen, weil der Ehemann (68) während des Prozesses die Schuld plötzlich auf sich nahm. Er behauptete, das Medikament selbst eingenommen zu haben.
  • Im Spätsommer 2017 war der Ehemann mehrfach wegen der durch das Medikament ausgelösten Blutungen in Behandlung, teils soll sein Zustand lebensbedrohlich gewesen sein.
  • Eine besorgte Oberärztin brachte das Verfahren in Gang.

Aus dem Gerichtssaal: Maskenkontrolle gefilmt

Schwandorf

 

 

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