Mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und SPD hat der Landtag das Gesetz zur Einführung einer Landarztquote für Bayern verabschiedet. Ab dem Wintersemester 2020/21 werden bis zu 5,8 Prozent der Medizinstudienplätze im Freistaat - derzeit also rund 100 - für Bewerber reserviert, die sich für die Zeit nach ihrer Ausbildung mindestens zehn Jahre zu einer Tätigkeit als Hausarzt in einer ländlichen Region verpflichten. Für den Zugang ist nicht die Abiturnote entscheidend, sondern vor allem ein Eignungstest. Auf Antrag der Regierungsfraktionen wird analog dazu eine Amtsarztquote in Höhe von einem Prozent der Medizinstudienplätze eingeführt.
Bernhard Seidenath (CSU) erklärte, dem drohenden Ärztemangel gerade in den ländlichen Räumen müsse "sinnvoll und effektiv" begegnet werden. Schon heute sei gut ein Drittel der bayerischen Hausärzte älter als 60 Jahre, viele Praxen würden ohne ausreichenden Nachwuchs bald verwaisen. Die Staatsregierung wirke dem mit der Ausweisung zusätzlicher Studienplätze zum Beispiel am neuen Medizin-Campus in Bayreuth entgegen. Neben Stipendien und einer Niederlassungsförderung seien die Land- und Amtsarztquoten Schritte zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung. Per Ergänzungsantrag forderten CSU und Freie Wähler die Staatsregierung zudem auf, eine Facharztquote zu prüfen.
Die Grünen halten die Landarztquote für den falschen Weg. Die berufliche Zukunft junger Menschen inklusive Ausbildungs- und Verpflichtungszeit auf gut 20 Jahre festzulegen, sei nicht zielführend, meinte Christina Haubrich. Zudem wirke die angedrohte Vertragsstrafe in Höhe von 250 000 Euro abschreckend. Sie würde fällig, falls ein "Quotenarzt" die Verpflichtungszeit nicht einhält. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) verteidigte die Strafandrohung. Ihre Höhe entspreche in etwa dem Betrag, den der Freistaat für die Ausbildung eines Mediziners ausgebe.
Haubrich forderte statt Quoten "kluge Maßnahmen". Es brauche noch mehr Studienplätze, ein für alle Bewerber von der Abiturnote abgekoppeltes Auswahlverfahren sowie die engere Kooperation von Universitäten und regionalen Krankenhäusern. Zudem seien mehr Niederlassungshilfen und eine höhere Attraktivität des Hausarztberufes erforderlich. Diese Einschätzung teilte Dominik Spitzer (FDP). "Der Landarztmangel beruht auf keinem Kapazitäts-, sondern einem Attraktivitätsproblem", verwies er auf die hohe Bürokratie- und Arbeitsbelastung.













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