05.08.2020 - 17:06 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Schwächelnde E-Mobilität: Ladenhüter Ladesäule

Bis Ende 2020 sollten in Bayern bis zu 200 000 Elektroautos auf den Straßen sein. So hatte es der frühere Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) 2012 angekündigt. Das Ziel wird weit verfehlt.

In Weiden sind kaum E-Autos unterwegs, wie hier bei der Car-Sharing Ladesäule am Rathaus.
von Jürgen UmlauftProfil

Nach einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes hatten von den im Freistaat am 1. Januar 2020 zugelassenen Pkw nur 30 571 (0,38 Prozent) einen Elektromotor. Besser sieht es aus, wenn man die Hybrid-Fahrzeuge hinzuzählt, die über einen Verbrennungs- und einen E-Motor verfügen. Deren Zahl betrug am Jahresanfang 101 712 (1,25 Prozent). Schlechter sahen die Werte in der Oberpfalz aus. Von den im Bezirk am 1. Januar 2020 zugelassenen gut 730 000 Pkw waren nur 1991 vollelektrisch unterwegs (0,27 Prozent), 6113 als Hybrid (0,84 Prozent).

Bayernweit wächst allerdings die Zahl der Neuzulassungen von E- und Hybrid-Fahrzeugen kontinuierlich. Von 2018 auf 2019 stieg der Zahl der neuen E-Autos von 8337 auf 14 532 und der Hybrid-Fahrzeuge von 29 698 auf 59 294. Damit war zuletzt jeder zehnte in Bayern neu zugelassene Pkw ein E- oder Hybridfahrzeug. Besondere Zuwächse verzeichneten dabei die neuen Plug-in-Hybride.

50 E-Autos in Weiden

In Amberg fahren von den zuletzt 25 115 gemeldeten Autos 62 mit E-Motor und 347 mit Hybrid, in Weiden bei 26 129 Autos 50 mit E-Motor und 217 mit Hybrid. Die Zahlen aus den Landkreise: Amberg-Sulzbach: 69 928 Autos, 192 E-Motor, 466 Hybrid; Neustadt/WN: 64 791, 122, 410; Tirschenreuth: 48 735, 76, 234; Schwandorf: 99 892, 184, 792.

Die Staatsregierung kommt derweil dem 2016 selbstgesteckten Ziel nur sehr mühsam näher, bei 20 Prozent der im freistaatlichen Fuhrpark neu angeschafften Fahrzeuge einen E-Antrieb oder Hybriden zu haben. Das geht aus der Antwort Finanzministeriums auf eine Parlamentsanfrage des SPD-Abgeordneten Markus Rinderspacher hervor. Demnach wurden 2019 von den Ministerien und staatlichen Behörden insgesamt 2004 Fahrzeuge neu angeschafft. 50 hatten einen E-Antrieb, 131 waren Hybride. Das entspricht einem Gesamtanteil von nur neun Prozent.

Polizei nur mit Verbrennern

Zur Begründung hieß es, der Einsatz von Elektrofahrzeugen in den staatlichen Fuhrparks hänge von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab. Neben einer vorhandenen Ladeinfrastruktur müssten Modelle am Markt angeboten werden, die hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Funktionalität den Ansprüchen an einen Dienstwagen genügten. In den meisten Fällen ist offenbar die geringe Reichweite von E-Autos ein Ausschlusskriterium. So wurden zum Beispiel für die Polizei nur Verbrenner-Fahrzeuge angeschafft.

Unter den Ministerien mit guten Beispiel vorangegangen ist das Umweltressort. Der dortige Fuhrpark besteht zu je 30 Prozent aus Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen. Im Wirtschaftsministerium beträgt der Anteil alternativer Antriebe 50 Prozent, mit einem Schwerpunkt auf Hybrid-Modellen. In vielen Ministerien liegt der Anteil bei rund 30 Prozent. Nur mit Verbrennern unterwegs sind das Kultus- und das Wissenschaftsministerium.

Oft unterdurchschnittlich ausgeprägt ist dagegen der Anteil alternativer Antriebe bei den nachgeordneten Behörden. So verfügt der Fuhrpark der Regierung der Oberpfalz über 15 Prozent E-Fahrzeuge, aber über keine Hybriden. In den Fuhrparks der Oberpfälzer Gerichte und Ämter sucht man E- oder Hybrid-Fahrzeuge zumeist vergebens. Ausnahme sind das Land- und das Amtsgericht Amberg, die neuerdings ausschließlich E-Fahrzeuge auf dem Hof stehen haben. Bei der OTH Amberg-Weiden beträgt der E-Anteil immerhin 50 Prozent.

Deutschland & Welt
Rekord im Juli:

Deutlich mehr Anträge auf E-Auto-Kaufprämie

Nach Erhöhung der Kaufprämie für Autos mit Elektroantrieb ist die Zahl der Förderanträge auf ein Rekordhoch geklettert. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte, wurde im Juli 19 993 mal die sogenannte Innovationsprämie für ein E-Auto oder einen Plugin-Hybrid beantragt. Das war der höchste Stand seit Einführung der Kaufprämie im Jahr 2016. Seit Jahresbeginn seien 69 606 Anträge gestellt worden, 78,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die bestehende Kaufprämie für Autos, die elektrisch fahren können, hatte die Bundesregierung als Teil ihres Pakets gegen die Corona-Wirtschaftskrise erhöht. Bisher hatten Staat und Autobauer sich die Prämie geteilt, nun hat der Staat seinen Anteil verdoppelt. Die erhöhte Prämie gilt bis Ende 2021. Reine E-Autos werden mit bis zu 9000 Euro gefördert. Umweltschützer kritisieren, dass auch Plugin-Hybride mit bis zu 6750 Euro gefördert werden, da bei diesen der Elektroantrieb nicht genutzt werden muss.

Wie das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage mitteilte, wurden von Januar bis Juli 30 479 Kaufprämien-Anträge für Plugin-Hybride gestellt, damit hatten sie einen Anteil von rund 44 Prozent. 25 Anträge (0,04 Prozent) wurden für Brennstoffzellen-Autos gestellt. Im Vorjahreszeitraum hatte der Plugin-Hybrid-Anteil nur bei rund 27 Prozent gelegen, der von Brennstoffzellen-Autos bei 0,1 Prozent.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich zufrieden: „Die Innovationsprämie wirkt und treibt die Elektromobilität in Deutschland voran“, teilte er mir. Die erhöhte Förderung gebe weiteren konjunkturellen Schwung zum richtigen Zeitpunkt. (dpa)

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