Schwandorf
28.06.2018 - 18:04 Uhr

Geschehen - Gegangen - Geblieben

Das Leben als ewiger Kreislauf ist das Thema einer Ausstellung mit Werken der Weidener Künstlerin Sandra Hosol in der Galerie am Markt M17 in Schwandorf. Besonders beeindruckend sind ihre Frauenportraits.

50 Werke stellt die Weidener Künstlerin Sandra Hosol (Mitte) derzeit in der Galerie am Markt M 17 in Schwandorf aus. Links Galleristin Rosemarie Janka, rechts Laudator Fabian Janka. Prem
50 Werke stellt die Weidener Künstlerin Sandra Hosol (Mitte) derzeit in der Galerie am Markt M 17 in Schwandorf aus. Links Galleristin Rosemarie Janka, rechts Laudator Fabian Janka.

Sie sind konkret und greifbar, aber auch erschreckend in ihrer Thematik. Die Porträts drücken Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung oder Schmerz aus. Dabei war es der Künstlerin nicht nur wichtig, solche Empfindungen malerisch umzusetzen, da sie im alltäglichen Leben nur allzu gern verdrängt werden. Ihr war es auch wichtig, den Frauen Anmut, Schönheit und vor allem das Recht auf Dasein zurückzugeben. Es braucht Mut, sie so darzustellen, aber auch der Betrachter muss mutig sein, sie wahrzunehmen und sich darauf einzulassen. Die Künstlerin fordert dazu auf, sich diesen Empfindungen zu stellen. Erst damit sind die Frauenbilder keine Selbstporträts mehr, sondern werden zu objektiven Spiegeln für das Seelenleben jedes Einzelnen.

Das Seelenleben führt nahtlos weiter zu ihren Schmetterlingsbildern, die von der Farbgebung in krassem Gegensatz zu den Porträts stehen. In ihrer zarten Schönheit tauchen sie als Symbol für den Seelengefährten auf und erinnern an die eigene, innere Metamorphose, die gleichzeitig ein Teil des Kreislaufs "Geschehen - Gegangen - Geblieben" ist. Wie nach der Verpuppung findet auch im Seelischen ein Prozess statt, der im Unsichtbaren einen Wandel herbeiführt. Dafür steht ihre Serie "Wandel". Großflächig, vollkommen abstrakt und in ähnlichen Farben gehalten sind sie eine Darstellung für die Momente zwischen "Geschehen - Gegangen - Geblieben". Denn um von einem Zustand in den nächsten zu gelangen, muss es immer einen Wandel oder Auslöser geben.

Was ist schließlich geblieben? Die Erinnerung. In Hosols "Farbenklang" baut deren Ästhetik vor allem auf Ausgewogenheit von Farbgebung und Proportion. Als Element der konkreten Erinnerung bilden eine Reihe von Zeichnungen den Abschluss des Kreislaufs. Abschluss, weil nichts von dem Dargestellten die exakte Realität meint, sondern ironisch deren Anteile reflektiert und hinterfragt.

Hosol wendet sich in ihren Zeichnungen dem Offensichtlichen nicht ab, sondern zollt der unübersehbaren Realität in ihren absurden, schrecklichen, manchmal auch tragischen Gesichtern Tribut, indem sie Symbole wie die Schlange für Wahrheit, Tränen für Trauer, Blüten für Unbeschwertheit oder Bäume für Gewachsenes mit skurrilen Karikaturen oder clownesken Figuren vereint. Bürgermeisterin Ulrike Roidl lobte bei der Vernissage: "Ich habe selten eine Künstlerin, mit so einer großen Bandbreite getroffen. Es ist faszinierend, wie viel sie bewerkstelligt und wie ausdrucksstark sie das macht."

Die Bilder von Sandra Hosol sind noch bis 18. Juli in der Galerie M17, Marktplatz 17, in Schwandorf ausgestellt. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 16.30 bis 18 Uhr, Samstag, 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 09431/636 8581.



Info:

Sandra Hosol

Sandra Hosol wurde 1985 in Weiden geboren. Seit ihrem Studium der freien Malerei und Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main 2008/2010 arbeitet sie als freischaffende Malerin und Musikerin. Hosol ist 2002 mit dem Franz-Grothe-Preis ausgezeichnet worden. Ihre Werke stellte sie bisher in Prag (2006), Offenbach (2008/2009), Weiden (Kunstgenuss bis Mitternacht 2015), im Kunstherbst in Neunburg vorm Wald (2016) und in mehreren Gemeinschaftsausstellungen mit ihrem Lebensgefährten, dem Künstler Jürgen Fischer, im Atelier in Roschau (2011 - 2015) aus. (prh)

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.